50-Jährige bereichert sich mit fremdem EC-Karten
Durchschaubare Tricksereien

Sie ließ sich Textilien und Schmuck von einem Versandhaus kommen. Ein halbes Warenlager. Nie bezahlt. Dann ging die 50-Jährige im Stadtgebiet mit zwei illegal benutzten EC-Karten an Geldautomaten und hob fleißig ab. Über 4000 Euro, wie die Polizei ermittelte. Immer in Finanznot und dabei offenkundig auf Betrug aus.

Die Frau hat einen Hang zu Tricksereien. Allerdings sind diese Winkelzüge leicht durchschaubar und bereiten den Behörden bei ihren Ermittlungen keine größeren Probleme. Erster Anklagepunkt, der vor Amtsrichterin Sonja Tofolini verlesen wurde: Die 50-Jährige, durchaus attraktiv, hatte sich zur Verschönerung ihres Profils viele Pakete aus einem Versandhaus schicken lassen.

Allerdings unter falschem Namen. Sie gab die Identität einer im gleichen Haus wie sie lebenden älteren Dame an. Die Kartons kamen und wurden von der Bestellerin quasi abgefangen. Inhalt: Textilien, Bettwäsche und Schmuck im Wert von 1700 Euro. Das geschah innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums. Deshalb schöpfte das Versandhaus zunächst keinen Verdacht. Dann aber flog der Schwindel auf. Bis dahin waren lediglich 150 Euro bezahlt worden. Der Rest ist bis heute nicht beglichen. Die Betrügereien gingen weiter. Im April, Mai und Juni vergangenen Jahres gelangte die Frau an die Bankkarten ihres Lebensgefährten und dessen Mutter. Sie startete einen Zug durch Amberg und plünderte die Konten. Erst 1000 Euro, dann auch mal 500. Gelegentlich gab sich die 50-Jährige mit 100 Euro zufrieden. Elf Abhebungen standen nun zur Debatte. Schaden: über 4000 Euro.

Als die Richterin mit der Beweisaufnahme begann, musste auch der Lebensgefährte der Angeklagten aussagen. Er war seinerzeit bei der Polizei erschienen, hatte Kontoauszüge mitgebracht und zu Protokoll gegeben: "Sie hat das unberechtigt getan." Jetzt vollführte der Mann eine Art Kehrtwendung. "Sie besaß meine Zustimmung", ließ er anklingen und blieb auch bei dieser Version, als er auf die Folgen einer Falschaussage hingewiesen wurde. "Kann sein, dass der Polizist das falsch verstanden hat", erklärte der 59-Jährige.

Daraufhin gab es eine Gegenfrage, die unbeantwortet blieb: "Warum sind Sie dann zur Polizei gegangen?" Jetzt könnte es sein, dass die Staatsanwaltschaft ein Verfahren einleitet. Die einschlägig vorgeahndete Ambergerin, die ihre Betrügereien weitgehend zugab, kam diesmal nicht mehr mit einer Geldstrafe davon. Gegen sie verhängte Richterin Sonja Tofolini neun Monate Haft mit Bewährung, unterstellte sie einem Bewährungshelfer und machte zur Auflage, "dass der angerichtete Schaden beglichen wird".
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