62 Jahre alter Friseursalon wird aufgelöst
Hype um die Trockenhauben

 
Für jeden eine Trockenhaube: Simone Böhm-Donhauser, ihr Mann Michael und die Tochter im Friseursalon der Familien Irlbacher/Weiß. Bis März war die vor mehr als 60 Jahren eröffnete Frisierstube in Betrieb.
Amberg: Friseursalon Weiß |

Mehr als 60 Jahre hat der "Stirl"-Friseur in Raigering ein eher unscheinbares Dasein geführt. Nach seiner Schließung erlebt der Salon einen fulminanten Abgang. Weil die neuen Eigentümer das Inventar loshaben wollen, hat ein Ansturm aus ganz Deutschland eingesetzt.

"Mich hat's aus den Socken gehauen", gibt Simone Böhm-Donhauser zu. "Dass sich da Leute aus ganz Deutschland melden, damit hab ich nicht gerechnet." Die Donhausers haben vor wenigen Wochen das Gebäude erworben, in dem sich der 1954 eröffnete Friseursalon befand - samt Inventar. Bis März hatte Karin Weiß, Friseur-Meisterin aus der Irlbacher-Dynastie - in dem Laden in der Hallstätter Straße noch die Haare geschnitten.

Aus einem Guss


62 Jahre lang gehörte der Familienbetrieb mit dem Hausnamen "Stirl" zu Raigering wie der Biergarten des Brauhauses Sterk. Karin Weiß' Eltern hatten Anfang der 50er Jahre offensichtlich richtig viel Geld in das Geschäft investiert. Spiegel, Waschbecken, Trockenhauben, Stühle und sogar die Registrierkasse sind optisch aus einem Guss, die Möbel von Handwerkern passgenau eingebaut. An der Decke der Friseurstube spannt sich ein Stahlseil quer durch den Raum. "Daran hing einst der Motor für den Rasierapparat", erklärt der neue Eigentümer Michael Donhauser, ebenfalls ein Raigeringer Unikat. An dem Seil konnte das Gerät zwischen den Schnittplätzen hin und her geschoben werden. Leider ist es nicht mehr erhalten.


Einer hat gefragt, ob ich ihm die Stühle zuschicken kann. Aber das mach ich auf keinen Fall. Wir haben im Moment anderes zu tun.Simone Böhm-Donhauser, Eigentümerin eines Friseursalons aus den 1950er Jahren



Der Salon, in dem es noch einen abgetrennten Bereich für weibliche Kunden gab, florierte. Deswegen ließ sich die Tochter der Irlbachers gleich nach der Schule im Sauseschritt zur Fachkraft ausbilden. Ende der 70er-Jahre sorgte sie als jüngste Friseurmeisterin Bayerns für Schlagzeilen. Michael Donhauser und seine Frau wollen in dem Haus zwei Wohnungen einrichten und das Erdgeschoss als gastronomischen Betrieb nutzen. Der Raigeringer hat sich im Catering einen Namen gemacht und richtet in der Hallstätter Straße eine Küche samt Imbiss-Lokal ein.

Nur an Selbstabholer


"Wir haben mit dem Umbau schon begonnen und unser Ziel fest im Blick gehabt. Den Wert des Inventars haben wir da zuerst gar nicht gesehen", erklärt Simone Böhm-Donhauser. Sie veröffentlichte ein paar Bilder des Salons auf Facebook und kündigte an, die Gegenstände am Mittwoch, 25. Mai, zwischen 18.30 und 19.30 Uhr an Selbstabholer abzugeben. Sie verlangt für die Teile nichts, stellt aber eine Spardose auf. "Wer will, kann freiwillig was spenden." Wenn es mehrere Interessenten für einen Gegenstand gibt, werde es wohl keine andere Möglichkeit geben, als sie gegen Gebot abzugeben.

"Auf einmal bekomme ich da Nachrichten aus ganz Deutschland." Die Trockenhauben wollte schon jemand haben, die Retro-Schrift draußen an der Fassade auch. "Einer hat gefragt, ob ich ihm die Stühle zuschicken kann. Aber das mach ich auf keinen Fall", sagt die junge Mutter, die für die SPD im Stadtrat sitzt. "Wir haben im Moment anderes zu tun." Sie bleibt bei ihrem Ausräum-Termin in der nächsten Woche und harrt nun zusammen mit ihrem Mann der Dinge, die da kommen.
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