68-Jähriger bestreitet bei Prozess in Amberg Existenz weiteren Sprengstoffes
Zweite Bombe vom „Sekunden-Sepp“?

Amberg/Schwandorf. (hwo) Im Schwurgerichtssaal herrschte lähmendes Schweigen. "Sagen Sie die Wahrheit", forderte die Strafkammervorsitzende Roswitha Stöber den Angeklagten auf, "wurde noch eine zweite Bombe gebaut?" Der 68-Jährige aus Steinberg am See (Kreis Schwandorf) sah sie lange an und sagte dann: "Tausendprozentig nein."

Der ehemalige Schlosser, genannt "Sekunden-Sepp", hatte seinen Worten zufolge gemeinsam mit einem zwischenzeitlich nicht mehr lebenden Bekannten, in professioneller Weise einen Sprengsatz gebastelt, das hochbrisante Metallrohr in einem aufgebohrten Scheit versteckt und es auf den Holzstoß einer wie er in Steinberg wohnenden Familie gelegt. Viele Wochen später explodierte die Rohrbombe, gefüllt mit offenbar aus Patronen gewonnenem Cellulosenitratpulver, in einem Schwedenofen. "Es wäre durchaus lebensgefährlich geworden, wenn jemand gerade die Ofentüre geöffnet hätte", sagte am zweiten Prozesstag ein Sachverständiger des Bayerischen Landeskriminalamtes.

"Schlag im Ofen"


"Sie müssen jetzt Fragen beantworten", hörte der Beschuldigte vom Richtertisch. Er zeigte sich moderat, räumte die Herstellung des Sprengsatzes ein und ließ wissen, er habe ihn deswegen gebaut, "damit die Leute mit ihrem Gerede über mich aufhören". Dann erzählte er, dass ihn eigentlich sein Freund, der sich in einer Haftzelle das Leben nahm, auf den Gedanken gebracht habe, für einen "Schlag im Ofen" zu sorgen.

Der damals 53-Jährige gab ihm angeblich drei in dessen kleiner Werkstatt passend gesägte Rohrstücke mit und händigte ihm "das Pulver in einem Essiggurkenglas aus". Damit fuhr er auf dem Motorroller heim, vollendete dort das teuflische Werk damit, dass die Enden des Metallrohres mit einer Schraube und zwei Beilagenscheiben verschweißt wurden.

"Sie hatten drei Stücke?", bohrte die Vorsitzende nach: "Ist da noch ein weiterer Sprengsatz entstanden?" Der 68-Jährige verneinte vehement. Doch sorgenvolle Blicke blieben. Denn man wusste: Ein von der detonierten Bombe geschädigtes Ehepaar, 58 und 59 Jahre alt, ist bis heute fest überzeugt, "dass es ein Scheit aus Nadelholz war, in das er die Metallröhre einschob". Im krassen Gegensatz dazu steht die Behauptung des Angeklagten: "Das war ein Stück Birkenholz".

Etliches Holz übrig


Vom Holzvorrat, den die Leute im letzten Jahr anlegten, ist noch etliches übrig. Womit sich eine weitere Frage erhob: Kann man dem 68-Jährigen sein "Tausendprozentig nein" glauben? Der Prozess wird am Montag, 24. Oktober, fortgesetzt.
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