Absichtlich Mann angefahren
Richter vermutet Alkoholismus

In Handschellen und Anstaltskleidung vor ein Schöffengericht treten zu müssen, es gibt angenehmere Momente. Marco L. (Name geändert) machte das Beste daraus und freute sich auf ein von Polizeibeamten genau beobachtetes Wiedersehen mit seiner Ehefrau und Angehörigen. Denn zu spaßen scheint mit dem 23-jährige Mechatroniker nicht immer zu sein.

Das legt die Anklageschrift nahe, die Vorwürfe wie schwere Nötigung, Körperverletzung, Widerstand, Beleidigung und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr erhebt. Passiert bei und nach zwei nächtlichen Auto-Spritztouren ohne Führerschein im Januar 2015. Ausgangsort, so der Staatsanwalt, war eine Kneipe in Hirschau. Es wurde gefeiert und ordentlich getrunken. Offenbar war Marco L. dann einmal kurz verschwunden.

Nicht das erste Mal


Es dürfte zumindest einer seiner Kumpels mitgekriegt haben, dass sich der 23-Jährige wohl betrunken ans Steuer gesetzt hatte. Als der jetzige Angeklagte erneut zu einer Spritztour ansetzen wollte, versperrte ihm deshalb einer der Gäste den Weg und stellte sich vor die Kühlerhaube. Marco L. soll einfach Gas gegeben haben. Laut Anklage hat der Kleinwagen den mutigen Gast noch am Bein erwischt. "Das kann auch anders ausgehen, wenn Sie volle Kanne auf jemanden losfahren", kommentierte Vorsitzender Richter Markus Sand diesen Teil der Anklage. Denn da war noch einiges mehr zusammengekommen, als ein paar Stunden später zwei Polizeistreifen Marco L. zu Hause aus dem Bett klingelten. Am Ende der Festnahme standen Anzeigen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigungen. Nur bruchstückhaft, so der Mechatroniker, könne er sich noch an all das erinnern.

"Hab' mich betrunken"


"Ich weiß, dass ich mit dem Auto da war, dann hab' ich mich betrunken und bin wieder heim." Das nahm ihm Sand so nicht ab. Ein Blick in die Akten offenbarte zwar 1,44 Promille zum Tatzeitpunkt, doch auch noch eine Liste von Vorahndungen und einem Autounfall. Erneut ohne Führerschein, aber mit 1,8 Promille.

Hinzu kam ein bereits abgeurteilter Angriff auf einen Polizisten in Regensburg. Auch damals waren Bier und Schnaps im Spiel. "Wir wollen nicht die Verantwortung abschieben", dachte Sand deshalb laut nach, ob der 23-Jährige ein krankheitswertiges Alkoholproblem habe und mit Promille im Blut zu Straftaten neige.

Erst noch Gutachten


Um eine Entzugstherapie anordnen zu können, müsse jedoch erst eine Begutachtung stattfinden. Nach einer Sitzungsunterbrechung stimmten der Angeklagte und Staatsanwalt zu, das Verfahren wurde ausgesetzt.
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