Aktionstag auf dem Marktplatz
Netz von Wundern

Eine einmalige Erfahrung: Blind und mit Stock tasteten sich Passanten einmal quer über den Marktplatz und zurück. Bilder: Steinbacher (3)

Die Dame geht mit Sonnenbrille und Blindenstock einmal quer über den Marktplatz. Ihren Weg kann sie nur mit einem Hilfsmittel ertasten. Was sie ebenfalls nicht sieht: Die schnellen Blicke der Vorbeigehenden, die kurz hin- und dann wieder wegschauen.

Es ist Wundernetz-Aktionstag auf dem Amberger Marktplatz. Passanten lernen die Einschränkungen eines Menschen mit Behinderungen kennen, dürfen kostenlos Plätte fahren oder eine gesponserte Herz-Breze essen.

40 ehrenamtliche Helfer


Dabei probieren sie aus, wie man mit dem Rollstuhl über das Kopfsteinpflaster fährt oder wie sich Gegenstände nur mit Hilfe des Tastsinns erkennen lassen. Rund 40 ehrenamtliche Helfer sind am Samstag im Einsatz. Eine davon ist Kornelia Schmid. Sie hat den Elektro-Rollstuhl ihres Mannes mitgebracht. Das Gefährt ist 15 km/h schnell und für die selbstbestimmte Mobilität ihres Gatten unerlässlich. Angelika Schütz hat ebenfalls einen kleinen Helfer dabei: Felix zieht die Blicke auf sich. Der "Straßenhund aus Spanien" wurde unter der Fittiche seines Frauchens zum Therapiebegleithund ausgebildet. Immer wenn Felix im Einsatz ist, sei der Erfolg vorprogrammiert. "Er motiviert zum Mitmachen, und er beruhigt unwahrscheinlich", erklärt die Mitarbeiterin der Offenen Behindertenarbeit. Auch Janosch, der Hund von Andreas Felser, zeigte den Passanten mit Intelligenzspielen sein Können.

Roboter stürzt


Absoluter Hingucker war Nao, ein humanoider Roboter des französischen Herstellers Aldebaran Robotics. OTH-Professor Dieter Meiller hatte die künstliche Intelligenzbestie mitgebracht. Sie beherrscht zwei verschiedene Tänze, kann trommeln und Gesichter unterscheiden. Programmiert wurde Nao von Studenten der OTH.

"Das Nachfolgermodell von Nao soll etwa 1,50 Meter groß sein", erklärt Meiller. Die Roboter sollen Kindern mit Behinderungen zum Beispiel das Lernen erleichtern und leichte Aufgaben bewältigen können. Die schwierigste Hürde für Nao auf dem Marktplatz war allerdings das Kopfsteinpflaster. Regelmäßig purzelte der kleine Kerl auf die Knie, was ihn außer Gefecht setzte.

Mit Hund kommt man mit unheimlich vielen Leuten ins Gespräch.Therapiehund-Frauchen Angelika Schütz


Wundernetz-Song: "Ich bin besonders"Wundernetz-Mitarbeiterin Franziska Lottner hat für das Projekt, das 2014 unter der Federführung von Hildegard Legat ins Leben gerufen wurde, ein Lied geschrieben. Die ehemalige Schülerin der Städtischen Sing- und Musikschule Sulzbach-Rosenberg dachte sich Melodie und Text aus.

"Das war ein ziemlich hartes Stück Arbeit", sagte die 22-Jährige aus Irlbach. Aus dem Stegreif zitierte sie den Refrain: "Es gibt so viele Sachen, die können wir auch machen, obwohl ich so besonders bin, krieg ich das genauso hin, und wenn ich auch mal scheiter, bin ich kein Außenseiter." (roa)
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