Aloisia Scholtissek (95) musste viele zeitgeschichtliche Schicksalsschläge verkraften
Am Leben nicht zerbrochen

Eine wärmende Decke hatte Bürgermeister Martin Preuß für die der Jubilarin Aloisia Scholtissek bei seiner Gratulation zum 95. als Geschenk dabei. Bild: Uschald

Ihren 95. Geburtstag feierte bei guter Gesundheit Aloisia Scholtissek in ihrer noch selbst bewirtschafteten Wohnung in der Max-Schlosser-Straße. Ihr langes Leben gäbe Stoff für einen Roman. Davon konnte sich in einer netten Gratulantenrunde auch Bürgermeister Martin Preuß überzeugen.

"So wie Sie aussehen, komme ich zum 100. Geburtstag wieder", war sich Preuß, der mit großem Interesse die Erzählungen der Jubilarin verfolgte, sicher. Als Antonia Balk kam die heute 95-Jährige in Schneidmühl bei Karlsbad zur Welt. Sie ging dort zu Schule und begann danach eine Lehre als Büglerin in einer Wäscherei. Da ihre Mutter früh verstarb, als sie erst zwölf Jahre war, wuchs sie bei ihrer Oma auf. Ihr Vater fiel im Zweiten Weltkrieg, ebenso ihr Ehemann. Der gemeinsame Sohn war gerade einmal ein Jahr alt, als sie die Todesnachricht aus Nordafrika erreichte. Wie das Schicksal es so wollte, sollte die junge Witwe in Brünn ihrem später zweiten Mann begegnen, der dort eine Kriegsverletzung auskurierte.

Eine Odyssee endet


1946 brachte den nächsten Schicksalsschlag. Die Sudentendeutschen mussten Tschechien verlassen. Die Witwe bestieg mit 35 Kilo Gepäck, dem Sohn, Schwager und Schwiegereltern bei Karlsbad einen Flüchtlings-Güterzug ins Allgäu. Als die Familie schließlich in Amberg in einer Einzimmerwohnung am Bergsteig unterkam, fand diese Odyssee ein Ende. Über die Familienzusammenführung des Roten Kreuzes stöberte die Jubilarin ihren Brünner Bekannten wieder auf und 1948 wurde im Amberger Rathaus Hochzeit gefeiert.

1952 schließlich wurde der Familie eine Wohnung im Haus 5 in der Max-Josef-Straße zugewiesen, wo die Jubilarin seit dem Tod ihres zweiten Ehemanns im Jahr 1990 alleine lebt, sich aber noch selbst versorgt. Mit ihrem Sohn teilte sie früher die Kegelleidenschaft. Ihre Mannschaft vom Kegelclub am Lenbachweg schaffte sogar einmal die Teilnahme an einer deutschen Meisterschaft. Mit großem Interesse verfolgt die Witwe das Weltgeschehen am Radio, weil sie wegen eines Augenleidens sich mein Fernsehen schwertut. Ihren Lebensfreude trübt das nicht. Zum 95. gratulierten auch vier Enkel und drei Urenkel.
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