Alter Schmalzstadel neu genutzt als Remise für historische Wagen und Kanonen
Stadtkanoniere lassen’s krachen

Die größte Kanone der Stadtwache ist die sogenannte Hölzerne mit sechs Metern Gesamtlänge. Gar nicht hölzern stellten sich diese Mitglieder der Stadtwache mit ihrem Hauptmann Walter Hellmich (rechts) an, als es darum ging, den Schmalzstadel als neue Remise für ihre Fahrzeuge und Kanonen herzurichten. Jetzt ist das Werk vollbracht, nächste Woche wird Einweihung gefeiert. Bild: Steinbacher

Er galt jahrelang als Problemkind: der Schmalzstadl, der zunehmend verfiel und keine echte Nutzung hatte. Jetzt hat das historische Gebäude in der Neustift eine neue Verwendung gefunden - als Remise für Fahrzeuge und Kanonen der Amberger Stadtwache. Dafür musste es der Verein zuletzt ganz schön krachen lassen.

Gemeint ist seine Arbeitsleistung. Denn die Mannen und Maiden bekamen von der Stadt zwar das Nutzungsrecht - mittlerweile per Vertrag besiegelt -, mussten sich aber nicht nur selber einrichten, sondern weite Teile des alten Baus erst mal auf Vordermann bringen. Das fing mit dem Kehren wohl jahrhundertealten Staubs an und setzte sich mit Renovierungsarbeiten an Türen, Fenstern, Wänden und Böden fort, berichtete Stadthauptmann Walter Hellmich der AZ.

Nach seiner Auskunft mussten fünf Tore repariert, drei weitere komplett neu gefertigt und alle lasiert werden. Aber auch Mauern von nachträglichen Anbauten im Erdgeschoss wurden verputzt, zerbrochene Fensterscheiben und marode Bodenbretter ersetzt. Und selbst um die Verlegung moderner elektrischer Leitungen samt Beleuchtung kümmerte sich der historische Verein selber. Die Stadt musste laut Hellmich nur das Material zur Verfügung stellen, wobei sich der Vorstand mit dem Kauf von Farbe und anderen kleineren Dingen ebenso engagierte.

Über 680 Arbeitsstunden


Seinen größten Beitrag aber steuerte er mit insgesamt über 680 ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden bei. Darauf ist der Stadthauptmann bei 38 Mitgliedern, von denen mehr als ein Drittel permanent aktiv mithalf, durchaus stolz. Zumal sich der Zeitraum für diese Aufgabe von Dezember bis Ende September auf immerhin zehn Monate erstreckte (jeweils an den Wochenenden oder in anderer Freizeit der Mitglieder).

Dass dabei die Auflagen des Denkmalschutzes beachtet wurden, versteht sich laut Hellmich von selbst. "Wir haben das imposante Gebäude mit seiner riesigen Balkenkonstruktion praktisch wiederbelebt - immer in dem Bewusstsein, was wir diesem altehrwürdigen Bau an Respekt schuldig sind", betonte der Stadthauptmann.

Tatsächlich findet das durch die neue Nutzung mit 12 der insgesamt 14 großen und kleinen Wagen sowie über zehn Kanonen Ausdruck. Ein Raum im großflächigen Erdgeschoss konnte sogar als kleine "Kanonenhalle" gestaltet werden. All das will die Stadtwache, die neben ihrem festen Domizil im Wingershofer Tor auch noch Keller und Obergeschoss des Schmalzstadels nutzen kann, am Sonntag, 9. Oktober, von 13 bis 17 Uhr bei einem Tag der offenen Tür zeigen. Am Freitag zuvor, 7. Oktober, ist ab 19 Uhr die offizielle Eröffnung mit geladenen Gästen geplant. Dazu wird es eine Kanonentaufe geben: Oberbürgermeister Michael Cerny darf eine der großen Böllerwaffen mit einem von ihm gewählten Namen benennen.

Am 9. Oktober offene Tür


Ob es künftig öffentliche Führungen in der Remise geben wird, steht noch nicht fest. Vielleicht "bei Bedarf" oder zwei-, dreimal im Jahr, informierte Hellmich, der mit seinen Mitgliedern schon mit Besichtigungen im Wingershofer Tor gut beschäftigt ist (im Sommer zwei bis drei pro Monat).

Noch eines ist dem Stadthauptmann wichtig: Natürlich hat der Schmalzstadel jetzt eine moderne Alarmanlage, was mögliche Einbrüche verhindern soll.
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