Am Turm von Ambergs Basilika hat die Sanierung Hunderter einzelner Sandsteine begonnen
St. Martin puzzelt gegen Sisyphos - in 80 Metern Höhe

Kirchenpfleger Josef Beer und Architektin Carola Setz sind froh, dass die Neuverkupferung der Turmspitze abgeschlossen und das Gerüst in diesem Bereich bereits abgebaut ist. Bilder: gf (3)
 
Man sieht den Unterschied ganz deutlich: Das Sandstrahlen hat die Mauerfläche rechts im Bild viel heller und wieder sandfarben werden lassen. Links arbeitet ein mit Schutzkleidung ausgestatteter Fachmann an den regelrecht schwarzen Stellen, die durch festsitzenden Schmutz so dunkel wurden. Die Verunreinigungen müssen nicht deshalb weg, damit der Turm wieder heller und schöner wird. Das Freilegen dient dazu, den Stein für den Feuchtigkeitsaustausch wieder fit zu machen.

Oben glänzt er schon ganz hell. Das neue Kupferblech an der Dachhaube lässt den Martinsturm rötlich leuchten wie die Abendsonne. Doch auch unter seiner typischen Zwiebel wird Ambergs Wahrzeichen bald um einiges heller strahlen. Dafür sorgen die Restaurierungsarbeiten am Sandstein, die kurz vor Ende der Kuppelsanierung bereits begonnen haben.

Das ist nach den fertigen Spenglerarbeiten an der Turmbekrönung und der vorangegangenen Fundamentstabilisierung sozusagen der nächste Bauabschnitt. Er läuft schon seit einigen Wochen und zeigt mit ersten ausgeführten Arbeiten deutlich, worum es bei der Steinsanierung geht. Zu sehen ist das von unten freilich noch nicht, weil die weiße Plane rund ums Gerüst die Turmfassaden verhüllt.

Einer der ersten Arbeitsschritte darunter war das Sandstrahlen aller vier Mauerseiten von oben nach unten mit besonders feinem Granatsplitt aus Libyen, wie Architektin Carola Setz und St. Martins Kirchenpfleger Josef Beer informierten. Das ist nach ihren Worten im Niederdruckverfahren passiert, um den empfindlichen Sandstein nicht anzugreifen, sondern nur vom Schmutz zu befreien.

800 Schäden à la Sisyphus


Die Verunreinigungen an seinen Oberflächen, die das Mauerwerk dunkel machten, sorgten auch für Schädigungen darunter. Sie verhinderten nämlich, dass der Sandstein bei Regen aufgesaugtes Wasser wieder nach außen austreten lassen konnte. Aufnahme und Abgabe von Feuchtigkeit fanden dadurch nicht mehr im nötigen Umfang statt, was den Stein an solch "verschlossenen" Stellen relativ bröselig werden ließ. So entstanden viele Schäden, die nun nach dem Sandstrahlen Zug um Zug ausgebessert werden müssen. Um die 800 sind es nach Auskunft der Steinrestaurierungsfirma Bauer-Bornemann aus Bamberg, die mit diesen Spezialtätigkeiten beauftragt ist.

Die Zahl an sich macht schon deutlich, dass es sich um eine wahre Sisyphusarbeit rund um den Turm handelt. Aber auch das Bearbeiten der Stellen selbst ist aufwendig und vielschichtig. Dafür gibt es nämlich verschiedene Techniken, die bei St. Martin allesamt zum Einsatz kommen, wie Setz und der Firmenverantwortliche vor Ort, Gary Palmer, erläuterten. Nach ihrer Auskunft werden mürbe Stellen mit einer Steinmörtelmasse partiell gefestigt. Außerdem gibt es sogenannte Vierungen, das sind praktisch "zugeschnitzte" Ersatzstücke, die in bereits ausgebrochene Fehlstellen in identischer Größe eingefügt werden. Nur da, wo quasi nichts mehr zu retten ist, werden laut Gary Palmer ganze Neuteile eingebracht. Dieser Sandstein aus Erfurt, der natürlich ebenso auf die Originalform gehauen ist, wird von hinten mit Edelstahldübeln und Epoxidharz befestigt.

Richtige Handwerksarbeit


"Das ist richtige Handwerks- und Puzzlearbeit", sagt die Architektin aus Regensburg, die zusammen mit der Pfarrei jeden dieser Schritte mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgeklärt hat. Noch etwa bis Ende des Jahres wird die "Feinarbeit" am Turm dauern, die sich weiter unten an weiteren Sandsteinfronten des Baukörpers fortsetzen soll. (Angemerkt)
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