Amberg braucht ein Hochwasserschutzkonzept
Wenn die große Flut kommt

Die Hochwassersituation am 3. Juni 2013. Die Schifggasse (rechts) ist überschwemmt. (Foto: Luftbild MCG.Studios GmbH / Michael C. Geiss)
 
1784 gab es in der Altstadt eine Überschwemmung, die selbst die hundertjährigen Hochwasser in den Schatten stellt. Von der Flut zeugt diese Tafel an einer Hauswand in der Schiffgasse. Bild: Hartl

Amberg und die Vils - das ist eine Beziehung, die sich im Extremfall schon mal vom Stadttheater bis zum Walfischhaus hinzieht. Die Stadt muss mit dem Hochwasser leben, solange die Nordumgehung nicht gebaut ist.

Die Vils zu zähmen - das würde laut einer Studie des Wasserwirtschaftsamtes Weiden bedeuten, nördlich von Neumühle einen riesigen Wall aufzuschütten. In Verbindung mit dem Straßendamm der Nordumgehung, die irgendwann einmal Bayreuther und Sulzbacher Straße verbinden soll, könnten so bis zu 1,6 Millionen Kubikmeter Wasser aufgestaut werden.

Das würde reichen, ein Jahrhunderthochwasser im Norden der Stadt so zurückzuhalten, dass in der Innenstadt mobile Schutzwände und Schöpfwerke für trockene Straßen und Gassen sorgen könnten. Allerdings müssten dann auch noch Altmannshof und Speckshof mit zusätzlichen Deichen geschützt werden. Solange dieses Gesamtkonzept nicht umgesetzt wird, muss Amberg mit Hochwassern leben - auch mit hundertjährigen oder noch extremeren.

Glaubt man den Wasserstandsmarken, die an einer Hausfassade in der Schiffgasse prangen, ist bereits viele Jahre vor dem Klimawandel eine Flut über die Stadt hereingebrochen, die die Werte eines statistisch gesehen alle 100 Jahre auftretenden Hochwassers weit übertraf. 1784 machte sich die Vils - trotz damals minimaler Flächenversiegelung - bis hinauf zum Roßmarkt und auf der anderen Seite bis in die Bahnhofstraße breit. Ein solches Ereignis könne die Stadt jederzeit wieder treffen, heißt es in einer Zwischenbilanz zum Hochwasserschutzkonzept, die Baureferent Markus Kühne nun im Stadtrat vorgestellt hat.

Freistaat Bayern zuständig


An Gewässern erster und zweiter Ordnung, zu denen die Vils zählt, ist laut Wassergesetz der Freistaat Bayern zum Hochwasserschutz verpflichtet, sofern das Wohl der Allgemeinheit dies erfordert und die Finanzierung gesichert ist. Gerade letztere Voraussetzung ist für den Fall Amberg nicht gegeben. Immerhin hat das Umweltministerium den Hochwasserschutz für die Stadt in die zweithöchste von fünf Prioritätsklassen eingeordnet. Faktisch aber liegen die Deichbauten bei Neumühle, Altmannshof und Speckshof - wie auch der Bau der Nordumgehung - in weiter Ferne. Bewegung kommt bei den Bächen in die Sache. Der Hochwasserschutz an Gewässern dritter Ordnung (Krumbach, Fiederbach, Ammerbach, Hockermühlbach) fällt in die Zuständigkeit der Kommune. Den Krumbach nördlich der Hallstätter Straße hat die Stadtverwaltung als aktuellen Brennpunkt identifiziert. "Ein Schutz ist hier durch eine Erhöhung der westlichen Uferbefestigung denkbar", heißt es in dem Sachstandsbericht. "Funktionieren kann das aber nur mit dem Hangwasserschutz Raigering-West."

Schlimmer sind Sturzfluten


Die gravierendsten Schäden gab es in den vergangenen 20 Jahren nicht wegen Hochwassers in den Flüssen, sondern aufgrund von Sturzfluten. Gut in Erinnerung ist noch der 2. September 2011. Damals ergossen sich nach einem Starkregen über dem Norden der Stadt Wassermassen über den Wagrain, Ammersricht und Neumühle. Auch Raigering ist ein gebranntes Kind. "Da sich die Bebauung nicht überall wie im Fall des alten Raigeringer Sportheimes rückgängig machen lässt, steht die Stadt vor der Herausforderung, die in den meisten Fällen an falscher Stelle bestehende Bebauung gegen Starkregenereignisse zu schützen." Rückhaltebecken empfiehlt das Baureferat als wichtigsten Lösungsansatz.

Im Osten von Raigering sind solche Schutzvorkehrungen bereits getroffen. Für den Wagrain, Raigering-West und Ammersricht sind sie in Planung. Wichtigste Voraussetzung ist der Grunderwerb durch die Stadt. Bei der Umsetzung könnten aus Jahren leicht Dekaden werden, falls es "Planfeststellungsverfahren gegen die Interessen der beteiligten Eigentümer" gibt, warnt das Baureferat. (Angemerkt)

Antrag für mobile SpundwändeBraucht Amberg ein mobiles Hochwasserschutz-System? Metallplanken, wie sie zum Beispiel in Regensburg die historische Wurstkuchl gegen die Donau-Fluten schützen? Die Stadträte Josef Lorenz und Aydin Ayten (Amberger Bunt) machen sich für ein solches Bollwerk gegen die Vils stark. "So könnten wir vorbeugend und kurzfristig auf Gefahren reagieren", schreiben sie in einem Antrag an Oberbürgermeister Michael Cerny. Ihnen schwebt vor, bei Bedarf zwischen Martinskirche und Bleichwiese beim ACC mobile, wasserdichte Spundwände aufzustellen. Dabei handelt es sich um eine Strecke von rund 480 Metern. Im Haushalt 2017 solle Geld für die Planung und die Kostenermittlung durch die Fachbehörden zur Verfügung gestellt werden. "Dem Antragssteller ist bewusst, dass als existenzielle Voraussetzung für einen wirksamen Hochwasserschutz ein Rückhaltedamm oberhalb Neumühle errichtet werden muss", heißt es in dem Antrag weiter. "Die Realisierung dieses Projekts kann aber noch viele Jahre dauern. Mobile Schutzwände in der Altstadt könnten aber bereits zeitnah ein wirksamer Schutz sein." (upl)
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