Amberg feiert das Reinheitsgebot
Im Himmel der Bierliebhaber

Bild: Petra Hartl

Am Tag des Bieres (Samstag, 23. April) beginnt auf der Bleichwiese neben dem ACC ein zweitägiges Bierfest. Aus gutem Grund: Amberg gilt immer noch als Stadt mit der größten Brauereidichte. Eine Bestandsaufnahme mit den sechs aktiven Brauern.

Bierstadt Amberg


Amberg ist Bierstadt. Mit seinen sechs Braustätten, die allesamt in Familienbesitz sind, gibt es beim Lieblingsgetränk der Bayern eine immense Sortenvielfalt an der Vils. Laut Braumeister Franz Kummert, können die Biertrinker aus der Region auf insgesamt 47 unterschiedliche Biere aus Amberg zurückgreifen - die Spezialitäten aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach nicht mitgerechnet.

Dieser Sortenreichtum kommt nicht von Ungefähr. Laut Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger hatten in der Frühzeit alle Amberger Bürger das Recht, Bier - auch gewerbsmäßig - zu brauen und auszuschenken. "Es ist anzunehmen, dass in der Frühzeit die Bürger in ihren Häusern mit relativ bescheidenen Einrichtungen ihr Bier selbst gesotten haben", schreibt Laschinger im Amberger Bierführer. Das allgemeine Braurecht der Amberger Bürger unterstreicht auch eine im Stadtarchiv verwahrte vom Rat 1456 erlassene Ordnung, in der es heißt: .... und es mag ein jeglicher, der hier wohnt, er sei Handwerksmann, Bierbrauer oder ein anderer, auf das Jahr allsoviel Bräu tun und bräuen lassen allsoviel einer vermag." Erst später wurde das Brauwesen strenger reguliert und die Biermenge beschränkt. In der Mitte des 16. Jahrhunderts gibt Bürgermeister und Chronist Michael Schwaiger die Zahl der Bier- und Weinschenken mit 200 an.

Auch in Amberg waren es Mönche, die das Brauwesen kultivierten. Die älteste Klosterbrauerei betrieben die Franziskaner, die sich 1452 in Amberg ansiedelten. Ihre Braustätte besteht in Form der Brauerei Bruckmüller in der Vilsstraße bis zum heutigen Tag fort. Die Jesuiten erhielten 1693 die Braukonzession. Nach der Auflösung des Ordens (1773) führte ab 1781 der Malteser-Ritterorden und später der bayerische Staat die Braustätte neben der Georgskirche fort. Vor einigen Jahren schloss die Malteserbrauerei für immer ihr Sudhaus. Ihr Bier produziert heute die Regensburger Brauerei Bischofshof. Die Paulaner, die 1692 mit dem Bau von Kirche und Kloster in Amberg begonnen hatten, errichteten 1717 ebenfalls eine Brauerei. In dieser war auch Frater Barnabas als Braumeister tätig, der während seines Aufenthalts im Münchener Paulanerkloster den berühmten Salvator erfand.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dienten auch noch sechs "bürgerliche Brauhäuser", ein Kommunbrauhaus der Hausbrauer und schließlich das Brauhaus des Königlichen Studienseminars der Versorgung der Amberger Bevölkerung mit Bier. Bis Mitte der 80er-Jahre bestanden in Amberg noch folgende Brauereien: Brauhaus Amberg AG, Bruckmüller, Falk, Jordan, Kummert, Malteser, Schießl, Sterk, Wingershof und Winkler.

Kummert


Es muss nicht gleich ein Hundertwasser-Turm sein, so wie er auf einem Brauerei-Gelände im niederbayerischen Abensberg steht. Für Bräu Franz Kummert zeigt Amberg mit den Themenführungen, dem Bierkennerdiplom und der Bierverkostung auf den Vilsplätten bereits Flagge. "Eine Attraktion wäre ein originelles Biermuseum", meint er. "Das Luftmuseum hat ja gezeigt, wie erfolgreich man pfiffige Ideen vermarkten kann." Insgesamt aber will sich Kummert über das Bier-Image in der Stadt nicht beschweren. "Die Wertschätzung von regionalem Bier steigt."






Schloderer


Gerhard Schmidkonz fühlt sich pudelwohl am Sudkessel mitten in seinem Erlebniswirtshaus. "Dass die Biertradition in Amberg hochgehalten wird, hat man ja erst wieder in der Bockbierzeit gesehen", sagt er. Er schätzt die Gemütlichkeit, mit der die Stadt und ihre Bewohner dem edlen Gerstensaft frönen. "Etwas wie der Kuchlbauer-Turm würde mir für Amberg nicht gefallen, da es auf Massenabfertigung angelegt ist", sagt er. Und so hält er auch nicht viel von den sogenannten "Craft-Bieren". "Bleiben wir doch beim Reinheitsgebot. Man kann auch mit Sondermalzen und verschiedenen Hopfensorten außergewöhnliche Biere brauen."






Sudhang


Er ist der Chef der kleinsten Amberger Brauerei: Arno Diener , der Bräu des nur in kleinen Chargen hergestellten Sudhang-Gerstensaftes. "Bierbrauer ist einer der ältesten Handwerksberufe der Welt. In dieser Tradition zu arbeiten, macht einfach Freude", bekennt er und verweist auf die lange Biergeschichte Ambergs. Auch Diener plädiert dafür, das Thema Bierstadt mit dem Luftkunstort zu kombinieren: "Aus einem leeren Bierglas, die Luft rauslassen. Das sagt doch schon alles." Diener hat auch schon mal Sude für neuartige Kreationen angesetzt. "Aber solche Biere lassen sich in der Oberpfalz noch kaum verkaufen", sagt er.






Sterk


Wasser, Hopfen, Malz, Hefe - die vier Zutaten sind es, die Martin Sterk faszinieren. "Es ist immer wieder eine Herausforderung, mit diesen eingeschränkten Mitteln, bekömmliche, süffige Biere mit verschiedenen Charakteren herzustellen", sagt der Brauereichef aus Raigering. Für Sterk geht der Bierabsatz Hand in Hand mit dem örtlichen Brauchtum. Das Mariahilfbergfest und die Kirwa sind für ihn die wichtigsten Termine im Jahr. Natürlich setzt er dabei auf die Liebhaber seiner Biere aus Raigering. Für sie gibt es dann auch einen speziellen Trank - das "Pandurenblut".






Winkler


Auch am Schanzgäßchen ist Bierbrauen Familienangelegenheit. Das betonen Josef und Angelika sowie Sohn Maximilian Winkler. Der Junior-Chef hat sich erst vor kurzem in Irland Anregungen für sein Handwerk geholt. "Während des Studiums habe ich schon öfter mal ein Pale-Ale eingebraut", erzählt er. Ein Pale-Ale ist eine für Großbritannien, Irland und die USA typische, helle Biersorte. Natürlich bleiben die Winklers aber der Oberpfälzer Bier-Tradition treu. Sie sehen sich beflügelt, denn "der Trend geht schon seit Jahren zu regionalen Herstellern. Das hilft uns sehr."






Bruckmüller


Bei der Brauerei Bruckmüller hält Firmenchef Anton Bruckmüller das Heft in der Hand. Er ist froh über die Kunden in der Region, "die sich immer mehr für regionale Produkte entscheiden". "Ich werte das als Zeichen der Anerkennung, da wir auch Handwerker und Zulieferer aus der Region beauftragen." Das Reinheitsgebot ist laut Bruckmüller das wichtigste Qualitätsmerkmal - an ihm sollte nicht gerüttelt werden, auch wenn mit den sogenannten "Craft-Bieren" immer mehr neuartige Varianten auf den Markt drängen.

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