Amberg und Weiden im Vergleich
Zwei Innenstädte im Wandel

Ein modernes Gesicht soll die Neue Münze in Amberg prägen. Das ehemalige Kaufhaus Forum in der Bahnhofstraße wird abgerissen und durch einen futuristischen Neubau ersetzt. Entwurf: Wittfoht-Architekten

Mit Amberg und Weiden ist es manchmal wie bei den Nachbarn in der Siedlung. Wenn der eine baut, rührt auch der andere den Mörtel an. In beiden Städten entstehen gerade für viele Millionen Euro neue Einkaufszentren. Ein Vergleich.

Wettbewerb belebt das Geschäft. Das gilt schon immer auch für die etwa gleich großen Nachbarstädte Amberg und Weiden. Beide Kommunen stellen gerade mit beachtlichen Investitionssummen die Weichen für die Entwicklung ihrer Innenstädte.


Weiden


Lang dauerte es, bis die Weidener einen Investor für würdig erachteten, ihr Traditionskaufhaus "Hertie" zu ersetzen. Bis zum offiziellen Startschuss der Stadtgalerie mit angegliedertem Parkhaus war es ein zähes Ringen. Ein Investor sprang ab, Bürger und Einzelhändler äußerten Ängste vom "Tod der Innenstadt", Besitzer wehrten sich gegen den Abriss für notwendige Bauflächen. Langsam aber sicher entsteht nun eine "neue Kathedrale des Handels" zwischen Luitpold-, Sedan- und Ringstraße.

Die Bauherren:

Investor ist das Münchener Familienunternehmen Fondara mit den Geschäftsführern Thomas Schumacher und Franz Humplmair. Mit ihrem Konzept konnten sie die Bedenkenträger besänftigen, die sich gegen die Mega-Pläne des vorherigen Interessenten Sonae Sierra, einer portugiesischen Investorengruppe, aufgelehnt hatten. Über die Auftragsvergabe für die Fassadengestaltung entschied ganz demokratisch eine zehnköpfige Jury bestehend unter anderem aus namhaften Architekturprofessoren und Vertretern der Fraktionen. Gewinner sind die Meck-Architekten aus München.

Das Konzept:

Die Stadtgalerie soll nicht mehr und nicht weniger als der Einkaufsmittelpunkt der ganzen Region werden. 12 000 Kunden sollen dort täglich einkaufen. Der Bauplatz umfasst 18 950 Quadratmeter. 13 700 Quadratmeter sind nach dem letzten Stand für Ladenflächen geplant. Das Parkhaus wird vermutlich 481 Stellplätze haben. Die Meck-Architekten hüllen das Gebäude in ein "Kleid aus Keramik". Weiß glasierte Keramikelemente prägen die Fassade und nehmen damit die Porzellanindustrie-Tradition Weidens auf. Fondara-Chef Schumacher spricht von einem optischen "Perlmutt-Effekt". Lichterbänder verbinden Einkaufshaus und Parkdeck optisch miteinander.

Die Kosten:

Der Investor Fondara will die Kosten von 100 Millionen Euro nicht überschreiten.

Der Zeitplan:

Archäologische Untersuchungen, Regenwasser in der Baugrube und nun Probleme beim Trockenlegen - mittlerweile nennt selbst Projektbetreuer Philipp Hlousek das Eröffnungsziel im Oktober 2017 "sportlich". Grundsteinlegung ist im Herbst diesen Jahres. Dann will Fondara den offiziellen Namen des Einkaufszentrums verkünden. Die Geschäfte, die einziehen werden, gibt die Firma etwa ein Vierteljahr vor Eröffnung bekannt.

Der Knackpunkt:

Während auf der Baustelle des Parkhauses Hochbetrieb herrscht, stehen die Maschinen auf dem Gelände des geplanten Einkaufszentrums seit einiger Zeit weitgehend still. Grund ist das Sediment in der Baugrube, das nur mit sehr hohem Aufwand trocken zu legen ist. Der Zeitplan ist in Gefahr.

Amberg



Die Stadt Amberg schickt sich gerade an, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Neben der Wiederbelebung des ehemaligen Kaufhauses Forum (vormals Storg) in der Bahnhofstraße steht die Bebauung des brachliegenden Bürgerspital-Areals auf der Straßenseite gegenüber auf der Tagesordnung.

Die Bauherren:

Auch wenn der Stadtrat immer betont, dass beide Projekte im Zusammenhang zu sehen sind, steht jedes für sich. Für das neue Leben im alten Kaufhaus Forum ist die Gewerbebau - eine städtische Tochtergesellschaft - zuständig. Den Gebäudekomplex am Bürgerspital-Areal baut die niederländische Ten-Brinke-Gruppe. Der Clou: Beide Bauherren haben den selben Architekten verpflichtet, das Büro Wittfoht, Stuttgart.

Das Konzept:

Oberstes Ziel war und ist die Belebung der östlichen Altstadt. Dazu soll auf beiden Seiten der Bahnhofstraße ein Mix aus Einzelhandel, Dienstleistungsangeboten und Wohnen dienen. Das ehemalige Kaufhaus Forum (im Mittelalter eine Münzprägestätte) soll als "Neue Münze" wiedereröffnen. Im Portfolio: ein größeres Textilgeschäft im Erdgeschoss und eventuell im ersten Stock, die Büros des städtischen Baureferats und Wohnungen obendrüber. Der Bürgerspital-Komplex auf der anderen Seite soll mindestens einen Lebensmittler plus Drogeriemarkt, Platz für Büros und Praxen sowie Wohnungen beherbergen.

Die Kosten:

Insgesamt wollen die Bauherren rund 45 Millionen Euro für beide Projekte investieren. Die "Neue Münze" ist auf etwa 20 Millionen Euro veranschlagt. Ten Brinke hat für das Bürgerspital-Projekt erst vor wenigen Tagen 25 Millionen Euro als Hausnummer genannt.

Der Zeitplan:

Die Gewerbebau dürfte zuerst Hand anlegen. Laut Geschäftsführer Karlheinz Brandelik soll Anfang 2017 mit dem Teilabriss des ehemaligen Kaufhauses Forum begonnen werden. Er rechnet mit einer Bauzeit von etwa zwei Jahren. Ten Brinke braucht zunächst einmal einen Bebauungsplan. Bis dieser wirksam wird, vergeht laut Baureferent Markus Kühne mindestes ein Jahr. Durchaus möglich, dass es bis 2020 dauert, bis dann auch das zweite Haus seine Pforten öffnet.

Der Knackpunkt:

Umstritten ist in Amberg vor allem die Einfahrt zu den geplanten Tiefgaragen. Die Investoren beider Vorhaben gehen davon aus, dass die Erschließung über eine gemeinsame Zufahrt in der Bahnhofstraße erfolgen kann. Dagegen regt sich Widerstand der Bürgerinitiative Menschengerechte Stadt. Sie droht sogar mit einer Klage.

Den Nachbarn mitnehmen - Angemerkt von Uli PiehlerLeerstände, demografischer Wandel, Einkaufen im Internet: Die nördliche Oberpfalz stemmt sich mit aller Macht gegen das Ausbluten der Innenstädte. Rund 150 Millionen Euro fließen in den kommenden Jahren in die Projekte Stadtgalerie Weiden, Neue Münze und Bürgerspital Amberg. Das Weidener Projekt ist stärker als das Amberger auf die Belebung des Einzelhandels ausgerichtet und mit einer Investitionssumme von rund 100 Millionen Euro eine ganze Nummer größer.

Etwas kleinere Brötchen bäckt der Stadtrat an der Vils. Dennoch sah sich das Gremium vor der großen Herausforderung, die Wünsche zweier Investoren aufeinander abzustimmen. Die Konzepte für das Bürgerspital-Areal und die Neue Münze sollen sich nicht in die Quere kommen. Ein Ansatz, der nachvollziehbar ist und durchaus auf die parallel laufenden Planungen in Amberg und Weiden hätte erweitert werden können. Wenn es um Arbeitsplätze und die Lebensqualität in der nördlichen Oberpfalz geht, stehen die beiden Nachbarstädte längst nicht mehr in Konkurrenz, sondern sind vielmehr aufeinander angewiesen.

Die Ostbayerische Technische Hochschule exerziert seit Jahren vor, dass es sich lohnt, regionale Synergien zu nutzen. Auch und vor allem zwischen Amberg und Weiden. Wenn die Stadtplaner und Investoren das noch berücksichtigten, hätten die Projekte zur Belebung der Innenstädte das beste Rüstzeug für die Zukunft.



Einkaufszentren in den Region



  • Donau-Einkaufszentrum Regensburg : Eröffnung 1967. 135 Handels- und Dienstleistungsunternehmen auf 82 000 Quadratmeter. Rund 30 000 Besucher täglich. 3000 kostenlose Parkplätze.

  • Arcaden Regensburg: Eröffnung 2002. 95 Geschäften auf 30 000 Quadratmetern. Rund 40 000 Besucher täglich. 1500 Parkplätze.

  • Neuer Markt Neumarkt : Eröffnung 2015. 40 Geschäfte auf 13 100 Quadratmetern. Rund 550 Parkplätze. Multiplex-Kino mit sieben Sälen.

  • Rotmain-Center Bayreuth : Eröffnung 1997. 80 Geschäfte auf 20 000 Quadratmeter. Rund 22 000 Besucher täglich. 1150 Parkplätze.

  • Kösseine-Einkaufs-Center Marktredwitz : Eröffnung 1999. 40 Geschäfte auf einer Gesamtfläche von 25 570 Quadratmetern. Rund 8500 Besucher täglich. 800 kostenfreie Parkplätze. Kino Cineplanet. (we)



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