Amberger Fasching vor 60 Jahren
Legendäre Bälle

Amberg: Stadtarchiv |

Heute exportieren die Oberpfälzer die Altneihauser Feierwehrkapell'n nach Franken. Früher kamen die Faschingskracher von dort. Der "Nürnberger Trichter" sorgte vor fast 60 Jahren im Josefshaus für Furore.

Als die sieben Männer der Nürnberger Garde als Babys verkleidet das Tanzparkett stürmten, gab es im Publikum kein Halten mehr. "Das muß man gesehen haben - zu schildern ist das nicht", schrieb die Amberger Zeitung hinterher über den Auftritt der Karnevalsgesellschaft. Er war einer der Höhepunkte des Faschingstreibens 1957.

Christine Widder vom Stadtarchiv hat die Dias von damals digitalisiert und recherchiert, wie die fünfte Jahreszeit Ende der 50er-Jahre in der Stadt gefeiert wurde. Beim Stadtball im Josefshaus ging es - abgesehen von der Baby-Einlage und ein paar Küsschen für das Amberger Prinzenpaar - ziemlich gesittet zu.

Auf der Bühne stand eine Musikkapelle, die deutschlandweiten Ruhm genoss. Es spielte das Bläser-Ensemble von Barnabas von Gezcy, einem der bekanntesten Kapellmeister der 20er- und 30er-Jahre. Die Band war das Hausorchester des berühmten Café Luitpold in München.

Fontäne und Trocadero


Der Fasching 1957 begann wegen der politischen Ereignisse in Ungarn (Volksaufstand) und Nahost (Kriege in mehreren Ländern) erst am 12. Januar mit der Inthronisation des Prinzenpaares Dieter I. und Prinzessin Rotraut. Beide waren 19 Jahre alt und auch im wirklichen Leben ein Paar. "Die Bewerber sollten über ein ansprechendes Aussehen, saubere Vergangenheit sowie eine gewisse Redegewandtheit verfügen", hat Widder herausgefunden. Trotz des verkürzten Starts standen noch rund 75 Veranstaltungen in damals wohlbekannten Lokalitäten wie Civil-Casino, Josefshaus, Trocadero, Bierhalle, Café Mühldorfer, in den Brauhaus-Sälen sowie in der Fontäne bevor.

Sprechende Wahrzeichen


Ein Höhepunkt beim Stadtball im Josefshaus waren auch die "Torgespräche": zwei als Nabburger-Tor-Türme verkleidete Amberger unterhielten sich über das Stadtgeschehen. "In humorvoller und geistreicher Rede plauderten sie über die Vorkommnisse in unserer Stadt, über den Goldenen Sonntag, über die Explosion im Gaswerk, über den Berufsschulbau, über das Josefshaus, über die Bundestagskandidaten, über die neuen Kraftfahrzeugschilder und über verschiedene Persönlichkeiten. Sie waren trefflich informiert und erhielten für ihr munteres Gespräch auch lebhaften Beifall", schrieb die AZ. Am 3. März gab es auch einen Faschingszug durch die Stadt mit 50 Gruppen.
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