Amberger Gefängnis in der Schusslinie
Geschlossene Gesellschaft

"Wir sind nicht Gänseblümchen", beschrieb einmal ein aus der Haft vorgeführter, russlanddeutscher Angeklagter vor dem Amberger Amtsgericht die Atmosphäre hinter Gittern. Man sieht es. Bilder: Huber/Diana K. Weilandt

Zwei Gerichtsverfahren haben in den vergangenen Wochen verschämte Gucklöcher in die Mauern der JVA gebohrt. Was zu sehen war, ist irritierend. Denn es ging nicht nur um den Klassiker: Strafgefangener wird erneut straffällig.

Es gilt als eines der Schlüssel-Werke der dramatischen Literatur des Existenzialismus'. "Geschlossene Gesellschaft" von Jean-Paul Sartre wurde 1944 in Paris uraufgeführt. Die sich gegenseitig zerfleischenden zwei Frauen und ein Mann kommen zu der zentralen Erkenntnis: "Die Hölle, das sind die anderen." Es hätte keinen überrascht, wenn dieser Satz in einem von zwei Strafprozessen gefallen wäre. Der eine drehte sich um eine am Ende nicht nachgewiesene Tätlichkeit unter JVA-Bediensteten (Freispruch). Der andere um einen 25 Mal vorbestraften Senior (62), der nach seiner letzten Haftentlassung für zwei Jahre eines der zentralen Rädchen der Drogenbeschaffungs-Maschine für Gefangene war (vier Jahre Haft).

Beide Gerichtsverfahren warfen kein gutes Licht auf die hiesige JVA. Bei einem Gefängnis überrascht das nicht. Haftanstalten gelten als notwendiges Übel und nicht trocken zu legender Hort der Kriminalität. Ein weit verbreiteter gesellschaftlicher Konsens ist neben der kollektiven Verdrängung des Problems des Umgangs mit Straftätern die Auffassung, dass der Staat seine Gefangenen viel zu sanft anpacke. Anders sieht das der Buchautor Dr. Thomas Galli. Sein Werdegang begann in Amberg, heute ist er Gefängnisdirektor in Sachsen.
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