Amberger Kindertheaterfestival geht in letzte Runde und kürt Sieger
Drachenrotz statt Feuertaufe

Der kleine Drache Floritzel bittet die magische Schildkröte Cassandra um Hilfe. Sie soll ihn größer zaubern, damit er endlich Feuerspucken und einen Ritter zu Tode erschrecken kann. Bild: Steinbacher

Sein Drachenrotz fliegt bis ins Publikum, als der kleine Floritzel versucht, Feuer zu spucken. Das klappt ja gar nicht, vielleicht ist er erkältet. Zum Glück kennen die Zuschauer ein Mittel dagegen - Drachenkraut. Außerdem reiben die Kinder so fest ihre Hände aneinander bis der Funke auf die Bühne überspringt.

Und dann spuckt der Drache mit 499 Jahren zum ersten Mal Feuer. Von seinem Abenteuer handelt die letzte Aufführung des 12. Theaterfestivals im Jugendzentrum. Kurz vor seinem 500. Geburtstag erfährt der kleine Floritzel nämlich, dass er eine Prüfung ablegen muss, die zeigen soll, ob er furchteinflößend ist. Obwohl er eigentlich viel lieber Gänseblümchen pflücken und Schmetterlinge jagen will. Doch jetzt soll er einen Ritter zu Tode erschrecken und sogar Feuerspucken. Mit Hilfe des jungen Publikums und der magischen Schildkröte Cassandra gelingt es ihm, diese Beweise zu erbringen.

Mittendrin statt nur dabei


Kirsten Roß vom Puppentheater Pulcinella spielt die, von ihr erfundene, Geschichte beim Kinder-Theaterfestival. Im Jugendzentrum tritt sie mit Handpuppen und einer Fadenmarionette auf. Die Bielefelderin baut ihre Figuren selbst. Seit 16 Jahren steht sie mit ihrem freien Theater auf sämtlichen Bühnen Deutschlands, aber auch in der Schweiz und in Luxemburg ist sie aktiv. "Ich spiele vor allem für Kinder. Das liegt daran, dass ich mich damals durch ein Praktikum für Figurentheater entschieden habe und hier die Nachfrage von Erwachsenen sehr gering ist", erklärt die Darstellerin.

Mit ihrem Mitmach-Puppentheaterstück begeistert sie die Kleinen am letzten Tag der Festival-Woche. Ihre Aufführung ist bereits für Kinder ab drei Jahren geeignet. Ein tapferer Ritter aus der Zuschauermenge durfte sogar auf die Bühne, um Floritzel bei seiner "Erschreck-Prüfung" zu helfen. Außerdem sind die Kinder stets mit hilfreichen Tipps zur Stelle. Als sich zum Beispiel der Riese langweilt, ruft ein Bub aus der Zuschauermenge: "Dann guck doch Fernseh!"

Am Freitag wurde nach einer Woche Theater der Sieger gekürt. Mehr dazu im Infokasten links.

Der Sieger steht fest15 Mal ist der Vorhang auf der Bühne des Jugendzentrums diese Woche gefallen. Nun steht der Sieger des 12. Kinder-Theaterfestivals fest: "Das doppelte Lottchen hat uns allen am besten gefallen", gibt Romy das Urteil der Kinder-Jury bekannt. Die zehnjährige erklärt, dass auf Platz zwei und drei Räuber Hotzenplotz und der gestiefelte Kater liegen.

"Mir hat das mit den Zwillingen besonders gut gefallen, weil ich selber auch ein Zwilling bin", fügt sie noch hinzu. Maxi schildert, was das Besondere am Siegerstück ist: "Sie haben so viele Rollen gespielt und verschiedene Stimmen gemacht. Licht und Musik waren besonders gut."

Auch die ganz Kleinen konnten ihre Meinung durchsetzen", freut sich Jury-Betreuerin Elisabeth Kraus. "Ich finde es so schön, dass die Zwillinge am Ende wieder zusammen waren", sagt die fünfjährige Lulu. Der gleichaltrige Andreas fügt hinzu: "Die Luise hat so lustig gekocht."

Kulturfachkraft Marina Auer zeigt sich "absolut beeindruckt" von der jungen Jury: "Die Gruppe ist an ihren Aufgaben gewachsen. Die Großen haben die Kleinen stets unterstützt." Das Sozialverhalten der Kinder sei sehr ausgeprägt. "Sie haben sehr genau beobachtet und kritisch bewertet", lobt Kraus: "Sie halten uns mit ihrer Ehrlichkeit den Spiegel vor."

Tania Feodora Klinger und Ute von Koerber vom Theater Feuer und Flamme werden nun mit dem "KIT", einer bunten Glasfigur, ausgezeichnet und dürfen nächstes Jahr das Kinder-Theaterfestival eröffnen. Wer also das doppelte Lottchen verpasst hat, hat nächstes Jahr noch einmal die Chance, das Stück anzusehen.
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