Amberger Nischen - Teil 6
Von Österreich an den Roßmarkt

(Foto: Günter Moser)
Amberg. Enge Gassen, versteckte Winkel und dunkle Ecken prägen die Altstadt – aber auch rund 120 Heiligen-Nischen in den Häusern. Eine der größten Figuren – nach Metern – schmückt das Gebäude an der Ecke Steinhofgasse/Roßmarkt. Fast lebensgroß steht der Hauspatron da und wir können ihm bei seiner anstrengenden
Löscharbeit zusehen.

Interessant ist, dass am Anfang der kultischen Verehrung Florians von Schutz vor Feuer keine Rede ist. Florian soll der Legende nach ein römischer Heeresbeamter in Österreich unter dem Kaiser Diokletian (284 bis 305) gewesen sein. Als Christ bemühte er sich, gefangene Glaubensbrüder zu befreien, wurde aber selbst ergriffen und schrecklich gefoltert.

Als letztes Martyrium wurde er mit einem Stein um den Hals in die Enns geworfen und ertrank. Schon sehr früh gibt es erste Verehrungen des Märtyrers, der für seinen
Glauben starb: Um 800 entsteht über dem Grab Florians in Oberösterreich ein erstes Kloster und sein Martyrium wird in der sogenannten Passio floriani, einer Handschrift aus dem 9. Jahrhundert aufgeschrieben.

Im Mittelpunkt steht das Bekenntnis zum christlichen Glauben bis in den Tod. Bis in diese Zeit wird Florian als Ritter in Rüstung oder als römischer Legionär dargestellt. Oftmals steht schon damals ein kleiner Wasserkübel neben dem Heiligen; allerdings
dient dieser lediglich als Hinweis, dass Florian seinen Tod durch Ertränken gefunden hat. Bis ins 14. Jahrhundert fehlt auf Wand- und Buchmalereien jegliche Anspielung
auf Feuer und Brände.

Eine kleine Geschichte, wonach Florian in seiner Jugend ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben soll, entwickelte sich dann zu seinem Erkennungszeichen und bildete die Grundlage für seine Schutzherrschaft bei Bränden. Erst im 15. Jahrhundert wird der bei Florian oftmals abgebildete Wasserkübel, der bis dahin den Tod durch Ertränken versinnbildlichte, durch das Hinzufügen eines brennenden Hauses zum Helfer bei Feuer. Die Barockzeit brachte dann einen wahren Florian-Boom, der auch vor Amberg nicht haltmachte.
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