Amberger Rechtsanwalt wegen angeblicher Umweltsünde vor Gericht
Teppich lässt Jurist nicht ausrutschen

Der Vorwurf war haarig. Weil es um einen Teppich ging und um einen Amberger Rechtsanwalt, der ihn illegal entsorgt haben soll. Diese Anschuldigung samt Bußgeld kehrte der Jurist nicht unter den Teppich, sondern rollte sie auf. Vor Gericht mit einer feingesponnenen Erklärung, die einem echten Perser zur Ehre gereicht hätte.

Wo wir schon von Persern reden - wie auf dem Basar ging es bei dem Prozess um diese Ordnungswidrigkeit am Amtsgericht nicht zu. Aber am Ende kam eine Art Handel heraus, der den Bußgeldbescheid der Stadt Amberg reif für die Papierentsorgung machte. Weil Juristen in ihrem Fachgebiet eben sehr feinsinnig sind und Argumentationsketten knüpfen können, wie sie sonst nur als perfekte Webmuster orientalischer Teppichspinner entstehen. Wobei der Bezug zu 1001 Nacht hier rein sprachlich und nicht im Bezug auf die verhandelte Sache gewählt ist.

Denn da ging es real und sehr ernst um ein Geschehnis am Wertstoffcontainer-Standort an der Bergauffahrt. Hier fuhr der Rechtsanwalt Mitte August mit seinem Auto vor und tat nach eigener Schilderung Folgendes: Er hob einen etwa 2,5 x 3 Meter großen Teppich - "ein Tunesier oder Marokkaner" - aus dem Kofferraum und legte ihn wenige Meter neben seinem Wagen ab. Dann wollte er noch eine Tüte mit gebrauchten Anziehsachen aus dem Pkw holen, um beides zu den hier stehenden Altkleidercontainern des BRK zu bringen.

Da kommt der Kontrolleur


In diesem Moment sei ein städtischer Bediensteter aufgetaucht und habe ihm vorgehalten, er habe den Teppich hingeworfen und illegal außerhalb der Container entsorgt. Der Anwalt ließ sich nach eigener Auskunft auf keine große Diskussion ein, lud den "Tunesier oder Marokkaner" wieder ein und brauste davon.

Vor Gericht erklärte er, er habe den Teppich tatsächlich nicht in den Container stecken wollen - dafür war er zu groß. Aber er hätte ihn ein Stück weitertragen und daneben hinstellen wollen, damit er quasi wie die Altkleider durch das Rote Kreuz einer Wiederverwendung zugeführt werde. Ein früherer BRK-Chef habe ihm einst auf Nachfrage versichert, dass man das mit dem Nebendran-Abstellen von Teppichen durchaus so machen könne. Darauf verließ sich der Rechtsanwalt nach eigener Darstellung bis dato - besser gesagt, bis ihm der Stadt-Mitarbeiter das verbot. Auf dessen Vorwurf und die angeblich nicht gerade freundliche Art der Anrede reagierte der Jurist so sauer, dass er den Teppich anschließend nicht mehr spenden wollte, sondern direkt zum Wertstoffhof zur Entsorgung brachte. Das bewahrte ihn jedoch nicht vorm Bußgeldbescheid.

Ungewöhnlicher Vergleich


Was die Teppich-Sache darin betrifft, unterstellte es Richterin Kathrin Rieger als wahr, dass ihn der Anwalt zur Wiederverwertung bringen und nicht als Müll loswerden wollte. Von einer geplanten Abfallentsorgung nach den Paragrafen des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, die im Bescheid zitiert wurden, könne also keine Rede sein. Nur die städtische Abfallwirtschaftssatzung blieb nach Anschauung der Richterin übrig, nach der kein angeliefertes Gut neben den Sammelbehältern zurückgelassen werden darf. Angesichts der Tatsache, dass die Auslegware ja wieder mitgenommen wurde, regte sie die Einstellung des Verfahrens an.

Das gefiel dem Anwalt des Anwalts - der Amberger ließ sich von einem Berufskollegen verteidigen - zunächst nicht. Denn er knüpfte seine Strategie daran auf, dass der Teppich faktisch ja nicht mal zurückgelassen wurde. Der Jurist verglich das sogar mit dem Aussetzen eines Kindes, das erst dann ausgesetzt sei, wenn die böse Stiefmutter weggefahren ist und somit die Tat vollendet hat.

An dem Punkt jedoch ließ sich die Richterin nicht weichklopfen. Sie meinte, dass das ja wohl das Einschreiten des Mitarbeiters verhindert habe. Dass der Teppich ansonsten dageblieben wäre - mutterseelenallein wie ein ausgesetztes Kind am Altkleidercontainer -, hielt sie für möglich und ließ damit auf ein eventuelles Urteil blicken.

Weichgeklopft, ausgefranst


So ließ sich am Ende auch der Anwalt breitschlagen wie einst sein Marokkaner oder Tunesier, wenn er zum Ausklopfen über der Teppichstange hing. Er verzichtete auf den erhofften Freispruch und akzeptierte die Einstellung des Verfahrens. In Anwesenheit eines städtischen Mitarbeiters, der am Ende etwas betreten dreinschaute. Wohl weniger wegen der Teppich-Niederlage, sondern wegen der juristischen Feinweberei, die behördliche Bußgeldbescheide ausfransen kann wie einen alten Teppich.
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