Amberger Spitalkirche wird profaniert
Letzte Messe schon gelesen

Die Geschichte der sakralen Nutzung der Spitalkirche neigt sich ihrem Ende entgegen. Das Gotteshaus soll profaniert und an die Stadt verkauft werden. Bild: Hartl
 
Der Innenraum der Spitalkirche mit dem gotischen Gewölbe. Bild: Hartl
Amberg: Spitalkirche |

Nach mehr als 200 Jahren steht im Herzen Ambergs wieder die Profanierung eines Gotteshauses an. Die Spitalkirche soll eine weltliche Nutzung erfahren - ihre Würde als sakraler Raum jedoch behalten.

Dort, wo einst das Allerheiligste wohnte, hocken jetzt Stammtischbrüder beim Kartenspielen. Das Casino-Wirtshaus war vor langer Zeit Altarraum. 1802 wurde die damalige Franziskanerkirche am Schrannenplatz profaniert. Mehr als 200 Jahre später soll wieder ein Kirchenraum in der Altstadt für eine weltliche Nutzung umgewidmet werden - diesmal die Spitalkirche in der Bahnhofstraße.

Stadt soll kaufen


"Wir haben der Profanierung zugestimmt", erklärt Stadtpfarrer Franz Meiler auf Nachfrage und betont: "Der sakrale Charakter soll aber unangetastet bleiben." Das heißt: Die Altäre, die farblich gestalteten Fenster und andere sakrale Gegenstände im Kirchenraum sollen nach Meilers Vorstellungen nicht verändert werden. Eigentümer und Hausherr ist aber die Bürgerspitalstiftung, deren Vorsitzender Oberbürgermeister Michael Cerny ist. Mit ihm herrsche Einigkeit, dass eine angemessene Nutzung gefunden werden soll, unterstreicht Meiler.

Bei einer Profanierung entfernt ein Priester normalerweise die Reliquiensteine aus dem Altar. In der Spitalkirche gibt es drei davon. Allerdings will Meiler diese Steine trotz Profanierung in dem Gotteshaus belassen, "um die Würde der Historie" sichtbar zu machen. "Das schulden wir dem Raum", sagt der Geistliche. Die endgültige Entscheidung darüber, was mit den Reliquien geschehen soll, liegt aber beim Bischof in Regensburg. Auf einen entsprechenden Bescheid wartet die Pfarrei noch. Einen feierlichen letzten Gottesdienst - wie er mit Profanierungen üblicherweise einhergeht - hält der Stadtpfarrer unterdessen nicht für erforderlich. "Die letzte Messe ist schon gelesen worden", sagt er.

Als Trauraum nutzen


Oberbürgermeister Cerny verweist darauf, dass das Bauwerk dringend saniert werden muss. "Die Stiftung kann sich die Renovierung nicht leisten", erklärt er. "Deshalb denkt man aktuell über einen Verkauf an die Stadt nach." Sollte die Kommune das profanierte Gotteshaus erwerben, sei eine breite öffentliche Nutzung vorstellbar. Es könne beispielsweise als Kunstgalerie oder Vortragsraum dienen. "Aber auch einfach als Raum der Stille im Trubel der Altstadt." Weitere Ideen gingen dahin, den Sakralbau als Startpunkt für Stadtführungen zu nutzen. "Zusätzlich überlegen wir, ob wir die Kirche auch als Trauraum für standesamtliche Hochzeiten widmen."

Die Stadt sei sich mit der Pfarrei einig, dass die Kirche in kommunaler Hand bleiben, saniert und das Gebäude dann stärker als bisher genutzt werden soll. "Exotische Nutzungen sind dabei ausgeschlossen", betont der Oberbürgermeister in diesem Zusammenhang.

Die Kirche spiele eine sehr wichtige Rolle bei der Entwicklung des Bürgerspital-Areals. "Mit den geplanten Neubauten stellt sich natürlich die Frage, welche Identität der dort entstehende Platz hat. Da ist die Kirche für mich der entscheidende Mittelpunkt." (Angemerkt)

Die Reliquiensteine sollen in dem Gotteshaus belassen werden, um die Würde der Historie sichtbar zu machen. Das schulden wir dem Raum.Stadtpfarrer Franz Meiler


Profanierung der SpitalkircheDie Spitalkirche ist um die 800 Jahre alt und zählt damit nicht nur zu den ältesten Gotteshäusern in der Altstadt - sie hat auch eine bewegte Geschichte. Von dieser Kirche ging 1538 die Reformation in Amberg aus. Magister Andreas Hügel hielt hier den ersten lutherischen Gottesdienst.

Nach Auffassung der katholischen Kirche wird ein Gebäude mit der Kirchenweihe zum sakralen Ort. Die Profanierung stellt das Gegenstück dazu dar. Allerdings ist für die Entweihung eines Raumes kein bestimmter Ritus vorgesehen. Jedes Bistum gestaltet Profanierungen auf andere Art und Weise. In der Diözese Regensburg ist es üblich, dass ein letzter feierlicher Gottesdienst gehalten wird, bei dem ein Geistlicher den Reliquienstein aus dem Altar entfernt. Die Reliquie geht dann in die Obhut des Ordinariats über, das sie verwahrt und gegebenenfalls anderen Kirchen verleiht.

Die Spitalkirche wurde bis vor wenigen Monaten regelmäßig für Gottesdienste und Andachten genutzt - vor allem von der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ). Irritationen hatte es im Herbst vergangenen Jahres gegeben, als der Lintacher Pfarrer Robert Kratzer zusammen mit den Patres vom Mariahilfberg wieder regelmäßig Gottesdienste anbieten wollte. Die Bürgerspitalstiftung hat diese Nutzung untersagt. (upl)
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