Ambergerin und Projekthilfe Dr. Luppa helfen in Slumgebiet auf den Philippinen
Menschen, die vom Müll leben und wie Abfall behandelt werden

 
Endlich mal wieder satt essen: Das können die Kinder von Kilicao nicht jeden Tag, weshalb sie hier bei Reis mit Fleischstückchen und Soße ordentlich zulangen. Obwohl die Mahlzeit einfach ist, strahlen die Buben und Mädchen zufrieden in die Kamera. Dankbar sind sie auch, weil sie wissen, dass diese Hilfe aus Amberg keine Eintagsfliege ist. Bilder: ath (10)
 
Neben den Lions und anderen namhaften Gebern hat zuletzt auch der Rotary Club Amberg Marilou Amann eine größere Spende anvertraut. Bei der Verteilung der davon gekauften Hilfsgüter gibt sie regelmäßig die Namen der heimischen Unterstützer bekannt, hier auf einem Plakat im Hintergrund in der Nähe von Sorsogon...

Sie leben wie Ausgestoßene. In bitterer Armut am Rande der Gesellschaft, die nichts für sie übrig hat. Bis auf eines: Abfall. Ihn dürfen die Menschen von Kilicao sammeln und für Centbeträge verkaufen - ihre einzige Chance, zu überleben, mehr schlecht als recht.

/Daraga. Das Geld reicht meist nur für eine Handvoll Reis und ein Stück Trockenfisch. Es muss täglich aufs Neue stundenlang erklappert werden auf den Müllhalden der Stadt und vor den Häusern der Reichen, wo sich die Abfälle mit den erhofften Wertstoffen türmen. So karg wie der Lohn und die Mahlzeit ist das Leben der Menschen hier "ganz unten" auf den Philippinen.

Wir sind bei den Müllsammlern von Kilicao, eines der vielen Armenviertel im Land. Es liegt ganz am Ende der 120 000-Einwohner-Stadt Daraga im Süden der Nordinsel Luzon, unweit von Sorsogon, wo Amberg früher schon viel geholfen hat. Bezeichnenderweise wurden die rund 300 hier lebenden Menschen an den Rand der Provinzmetropole gedrängt, fast schon in den Wald und auf die Felder nahe des aktiven Vulkans Mayon.

Kluft Arm und Reich riesig


Erschütternd bricht sich hier das Elend Bahn, das in der Stadt keiner haben will. Lieber soll dieser "Menschenmüll" abseits weit draußen vegetieren, wo ihn keiner sieht. "Reicht schon, wenn die Armen in ihren zerlumpten Kleidern in die Vorstadt kommen und dort unseren Müll durchwühlen." So denkt ein Teil der philippinischen Gesellschaft, in der die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird. Das liegt auch an der Bevölkerungsexplosion und dem Mangel an Jobs, die das Land für so viele Menschen nicht bieten kann.

In den vergangenen 25 Jahren ist die Zahl der Einwohner von gut 80 auf mittlerweile rund 100 Millionen angestiegen. Das bedeutet, Kinder und junge Leute allerorten. Es reicht längst nicht mehr für alle im Inselstaat, weshalb so viele gezwungen sind, ins Ausland zu gehen und dort ihr Glück zu versuchen. Das heißt, selbst in den nicht ganz so armen Familien schafft diesen Sprung wegen der hohen Anfangskosten für Reise, Aufenthalt und Jobsuche oft nur ein einziges Mitglied, das dann das hoffentlich verdiente Geld für Eltern und Geschwister nach Hause schickt.

Die Menschen von Kilicao sind weit von dieser Möglichkeit entfernt. Sie leben von der Hand in den Mund. Ihr winziger Lohn reicht nur fürs tägliche Auskommen in den elenden Hütten aus Bambus und Wellblech, die sie Wohnung nennen. Die Müllmenschen fühlen sich selbst schon fast wie Müll, ausgestoßen und gefangen in der Armutsspirale. Der durch und durch korrupte Staat tut kaum etwas für sie. Sozialhilfe wie in Deutschland gibt es nicht. Jeder muss selbst schauen, wo er bleibt und wie er seine Existenz halbwegs sichert.

In Kilicao gelingt das nur mit viel Solidarität. Jeder hilft jedem, teilt notfalls seine wenigen Nahrungsmittel mit dem Nachbarn, wenn der beim Müllsammeln nichts gefunden hat. So gelingt das Überleben, aber eben auf unterster Stufe. Ausgegrenzt und in Dunkelheit, in die erst seit vier Jahren etwas Licht fällt. Seit eine Ambergerin und die Projekthilfe Dr. Luppa auf dieses Gebiet aufmerksam geworden sind.

Orden als Partner vor Ort


Die gebürtige Filipina Marilou Amann hat nämlich hier in Daraga eine Cousine, die seit einem Vierteljahrhundert als Ordensschwester tätig ist. Maria Lani Saligumbas Kongregation der Mägde vom Heiligsten Herzen Jesu kennt Kilicao durch regelmäßige Katechese und kleine Alltagshilfen gut. Als Marilou Amann von dieser engen Beziehung erfuhr und fragte, was man mehr tun könne, entwickelten die Schwestern den Plan zu einer möglichst ganzheitlichen nachhaltigen Hilfe in mehreren Stufen.

Hilfe baut aufeinander auf


Doch sie mussten ganz unten anfangen. Es gab noch nicht einmal eine funktionierende Trinkwasserversorgung in dem Slumgebiet. Erste Aufgabe also: der Bau von Pumpen. Etwas später folgte ein Waschhaus mit Gemeinschaftsduschen und Toiletten, die die Hygienesituation der Einwohner deutlich verbesserten. Durch diese Maßnahmen der Projekthilfe Dr. Luppa kam schließlich auch eine Stromleitung ins Viertel. Doch es bedurfte erst des Anstoßes von außen, von einer deutschen Entwicklungshilfeorganisation, damit Gemeinde und Provinzregierung auf Kilicao aufmerksam wurden und zum ersten Mal handelten, berichtet Schwester Maria Lani.

Das findet sie einerseits traurig, andererseits ist sie froh, dass sich endlich etwas tut. "Vor allem Amberg machte weiter", freut sich die Ordensfrau, denn außer der privaten Hilfsaktion von Marilou Amann (siehe unten) setzte die Projekthilfe Dr. Luppa ihre Unterstützung heuer mit dem Bau eines kleinen Kindergartens und einer Krippe fort.

In dem einzig ordentlich aus Stein gebauten Haus werden Zwei- bis Siebenjährige tagsüber betreut, damit ihre Eltern dem Müllsammeln nachgehen können. Vorher waren die Buben und Mädchen stundenlang alleine zu Hause, allenfalls von kaum älteren Geschwistern betreut, wenn diese nicht in der Schule waren. Ein in Deutschland unvorstellbarer und riskanter Zustand, die Kinder in diesem Alter quasi sich selbst zu überlassen. Doch den Eltern blieb nichts anderes übrig beim täglichen Kampf ums Überleben.

Jetzt wird der Nachwuchs im "Day Care Center" direkt in Kilicao beaufsichtigt und betreut, das die Projekthilfe auch mit Unterstützung einer großen Einzelspende von 5000 Euro ihres zweiten Vorsitzenden Dr. Ulrich Schmid errichtet hat. Die Freude darüber ist groß, sagt Maria Lani, weil die Menschen sehen, dass sie endlich nicht mehr alleine gelassen sind. Sie erkennen, dass sich ihnen trotz ihrer elenden Verhältnisse - oder gerade deswegen - jemand zuwendet. Dass sie nicht mehr nur lästiger Müll der Gesellschaft sind, auch wenn sie weiter Müll sammeln müssen. Zumindest vorerst.

Näherei für mehr Würde


Denn Schwester Lani und ihr Orden haben schon das nächste Projekt geplant, das sich nahtlos in diese Kette sinnvoll strukturierter Hilfe einreiht: den Bau einer Nähstube, wo nach Firmenaufträgen, die die Ordensfrauen werben wollen, Stoffe bearbeitet werden könnten. Das würde wenigstens den Frauen des Viertels die Chance verschaffen, nicht mehr Müll sammeln zu müssen, sondern auf andere, menschwürdigere Weise Geld verdienen zu können.

Armenspeisungen und Schulpatenschaften helfen weiterMit der Weihnachtsspendenaktion von Marilou Amann fing alles an. Die seit 25 Jahren in Amberg lebende Filipina verteilt regelmäßig zum Christfest Lebensmittel an arme Familien in ihrer alten Heimat. Seit 2011 tut sie das auch in Kilicao. Bei persönlichen Besuchen vor Ort erlebte sie das Elend der Einwohner hautnah und sie überzeugte durch ihre guten Kontakte die Projekthilfe Dr. Luppa, hier tätig zu werden (siehe oben).

Neben dieser "baulichen" Unterstützung, die eine Privatperson alleine kaum mehr leisten kann, wollte die Ambergerin aber auch selbst mehr tun. Sie fing an, aus ihrer Lebensmittelspendenaktion regelmäßige Armenspeisungen zu machen, die mittlerweile mehrmals im Jahr stattfinden. Vor allem in der Regenzeit ist diese Hilfe sinnvoll, weil die Müllsammler im durchweichten und verschlammten Abfall kaum brauchbare Wertstoffe finden und dadurch weniger Einkommen haben. Zumindest einmal am Tag bekommen sie bei der Speisung ein warmes Essen, das sie sich in dieser Zeit kaum leisten könnten. Und noch ein zweites Standbein ihrer mittlerweile von einigen Spendern unterstützten Hilfsaktion hat Marilou Amann geschaffen. Sie rief Schulpatenschaften ins Leben für besonders begabte Jugendliche in Kilicao, die mit einer weiterführenden kostenpflichtigen Ausbildung einen ordentlichen Beruf erlernen sollen. Dadurch haben sie später eher die Chance, einen Job zu finden und nicht wie ihre Eltern nahezu ohne Bildung vom Müllsammeln leben zu müssen.

Wer die Projekte von Marilou Amann unterstützen will (Armenspeisung oder Schulpatenschaft) kann auf ihr dafür eingerichtetes Konto spenden (Iban: DE04 7608 0040 0701 2317 00, Bic: DRESDEFF 760). Vor allem für Fragen zu Patenschaften (50 Euro monatlich für ein vom Missionsorden ausgewähltes Kind) ist die Ambergerin zu erreichen unter 0175/744 52 44 oder: marialouie27@gmail.com
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