Ammersrichter Pfarrer Michael Jakob liebt Tiere
Entspannen mit neun Hühnern

In seiner Freizeit kümmert sich der Ammersrichter Geistliche Michael Jakob um seine gefiederten Freunde. In seinem Garten leben neun Hühner und zwei Gockel. Bild: Bistum Regensburg

In vielen Pfarreien grüßt vom Kirchturm ein stolzer Hahn. In der Pfarrei St. Konrad im Stadtteil Ammersricht findet man gleich zwei sehr lebendige Exemplare im Pfarrgarten. Pfarrer Michael Jakob hält dort zwei Gockel - und obendrein neun Hühner.

Viele Lieder, Sprüche und Episoden ranken sich um das Huhn beziehungsweise das Ei. Ob nun "Ich wollt, ich wär ein Huhn", "Ei, ei, ei - Verpoorten" oder der mit dem Feldhautpmann Seyfried Schweppermann, des bekanntesten Ritters im Heer des Bayernherzogs Ludwig IV., verbundene Spruch "Und jeder Mann bekommt ein Ei, der brave Schweppermann kriegt zwei": Das Huhn und sein Produkt sind in Musik und Literatur viel beschrieben, ungeachtet der Frage, was zuerst da war. Doch in der Bibel gibt es nur eine Stelle, in der das Huhn vorkommt: "Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir gesandt sind. Wie oft wollte ich deine Kinder um mich sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt; aber ihr habt nicht gewollt." (Matthäus 23, 37).

Weit mehr als diese Stelle hat Pfarrer Jakob als katholischer Geistlicher, der täglich sein Brevier betet, daraus einige Aussagen über den Hahn parat: "Der Hahn, des Tages Herold, ruft, der Wächter in der Finsternis. Sein Schrei trennt von der Nacht die Nacht, dem Wanderer zur Nacht ein Licht. (...) So stehet rasch vom Schlafe auf: Der Hahn weckt jeden, der noch träumt. Der Hahn bedrängt, die säumig sind, der Hahn klagt die Verleugner an". Und natürlich lässt Simon Petrus grüßen: "Noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen". (Matthäus 26, 34)

Von Großeltern gelernt


Die Liebe zu Tieren ist dem 45-jährigen, aus Mammendorf (Landkreis Fürstenfeldbruck) stammenden Geistlichen schon von seinen Großeltern, die eine Landwirtschaft betrieben haben, übermittelt worden. "Wer die Tiere nicht liebt, der liebt die Menschen auch nicht", zitiert Pfarrer Jakob seinen Großvater. Und so war bei ihm der Wunsch stets latent vorhanden, Tiere zu halten. Und da kamen in Erinnerung an den großelterlichen Bauernhof eben Hühner in Frage. Während seines Theologiestudiums in München sowie bei seinen Kaplanstellen in Deggendorf und Weiden war dies wegen fehlender Gärten nicht möglich. Realisieren konnte Jakob dies nun in Ammersricht, wo er seit 1. Januar 2011 Seelsorger ist und wo ein großer Garten zum Pfarrhof gehört - ideale Voraussetzung fürs Hühnerhalten.

Natürlich hat sich Pfarrer Jakob in dieser Zeit bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung der Hühner von fünf Jahren schon von ein paar verabschieden müssen. Seine ersten drei Hennen benannte er übrigens nach den heiligen drei "Maderln" Katharina, Barbara und Margaretha. Auch die weiteren Tiere bekamen und bekommen Namen entsprechend der Heiligen, die um das Schlüpfdatum herum im Kalender stehen. So heißen die derzeitigen zwei Gockel Eustachius und Ulrich, die Hennen und Küken zum Beispiel Imma, Birgitta, Theresia, Konrada (nach dem Pfarrpatron), Fidelis und Josefa. Alle neun Tiere sind im Pfarrgarten geschlüpft und mit Ausnahme von Imma, der ältesten, gehören alle der Hühnerrasse "Vorwerk" an - gelber Körper mit schwarzem Hals und Schwanz. Die neun Hühner und zwei Gockel haben im gesamten Garten Auslauf, sie können sich unter Sträuchern verstecken oder ein schattiges Plätzchen unter Bäumen suchen. Das Hühnerhäuschen zum Schlafen öffnet und schließt sich bei Tagesbeginn und bei Dämmerung automatisch, die Tiere sind in Sicherheit. Mittelfristig muss sich Pfarrer Jakob jedoch von einem der beiden Hähne trennen, bevor es zu den bekannten Hahnenkämpfen kommt.

Da Hühner bekanntlich erst ab dem Alter von sechs Monaten Eier legen, liefern derzeit nur die drei erwachsenen Hühner. Aber die Eier sind für den Geistlichen ohnehin nur ein schöner Nebeneffekt. "Die Hühner sind oft ein schöner Einstieg in Gespräche bei der Kontaktaufnahme mit Leuten", erklärt Pfarrer Jakob. Und er bestätigt, dass viele dieser Gesprächspartner sich darüber freuen, "wenn man mit der Natur und den Tieren lebt". Auch die Mädchen und Buben von Kindergarten und Kinderkrippe schauen gerne vorbei und lernen etwas vom Leben dieser Tiere.

"Bester Ausgleich"


Ein Rundgang am frühen Morgen, um Wasser und Futter zu bringen; am Abend dann, um nachzusehen, ob Eier gelegt wurden und alles in Ordnung ist, sind der Aufwand, den Michael Jakob mit den Hühnern hat. Dazu noch am Samstag das Reinigen des Häuschens - damit ist es getan. Zum Fressen bekommen die Tiere Biofutter und Wasser, zwischendurch auch geriebenen Käse. Ansonsten dient das Gras im Garten als Nahrung. "Im Sommer, nach getaner Arbeit, ist das Zuschauen, wie sie picken und scharren, der beste Ausgleich und eine schöne Entspannung", fasst der Pfarrer zusammen.

Die Hühner sind oft ein schöner Einstieg in Gespräche bei der Kontaktaufnahme mit Leuten.Pfarrer Michael Jakob
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