Amtszeit der ÄLRD endet nach fünfeinhalb Jahren
Bittere Pille für drei Ärzte

An Schweinerippen trainierten die Teilnehmer des Dreikönigssymposiums heuer an der OTH in Amberg in einem Workshop, wie eine Drainage in den Brustraum gelegt wird. Mit dieser medizinischen Maßnahme wird ein Lungenkollaps behandelt. Bild: Michael Dittmar
 
Privatdozent Dr. Michael Dittmar, Marc Bigalke und Privatdozent Dr. Torsten Birkholz (von links) bedauern, dass ihre Amtszeit als Ärztliche Leiter Rettungsdienst nach fünfeinhalb Jahren endete. Grund dafür ist, dass diese Ämter bayernweit neu strukturiert werden. Künftig soll nur noch ein ÄLRD pro Rettungsdienstbereich eine halbe Stelle besetzen. Bilder: Sandig (2)/hfz (1)
 
Privatdozent Dr. Michael Dittmar, Marc Bigalke und Privatdozent Dr. Torsten Birkholz (von links) bedauern, dass ihre Amtszeit als Ärztliche Leiter Rettungsdienst nach fünfeinhalb Jahren endete. Grund dafür ist, dass diese Ämter bayernweit neu strukturiert werden. Künftig soll nur noch ein ÄLRD pro Rettungsdienstbereich eine halbe Stelle besetzen. Bilder: Sandig (2)/hfz (1)
 
Privatdozent Dr. Michael Dittmar, Marc Bigalke und Privatdozent Dr. Torsten Birkholz (von links) bedauern, dass ihre Amtszeit als Ärztliche Leiter Rettungsdienst nach fünfeinhalb Jahren endete. Grund dafür ist, dass diese Ämter bayernweit neu strukturiert werden. Künftig soll nur noch ein ÄLRD pro Rettungsdienstbereich eine halbe Stelle besetzen. Bilder: Sandig (2)/hfz (1)

Mit viel Herzblut haben drei Anästhesisten ihr Amt als Ärztliche Leiter Rettungsdienst ausgefüllt - fünfeinhalb Jahre lang. Einige ihrer Projekte fanden bayernweit Beachtung. Dass sie wegen eines politisch gewollten Paradigmen-wechsels jetzt aufhören müssen, ist eine bittere Pille.

Künftig soll es nämlich nur noch einen Ärztlichen Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) pro Rettungsdienstbereich (insgesamt 26 in ganz Bayern) geben. Dieser wird eine 0,5-Stelle besetzen. Und das ist für die bisherigen ÄLRD, Marc Bigalke (Amberg), Privatdozent Dr. Torsten Birkholz (Sulzbach-Rosenberg) und Privatdozent Dr. Michael Dittmar (Schwandorf), nur noch schwer leistbar. Die drei Anästhesisten arbeiten Vollzeit in Krankenhäusern: Marc Bigalke wird ab 1. September die Zentrale Notaufnahme von St. Marien leiten, Dr. Torsten Birkholz ist Oberarzt am Universitätsklinikum Erlangen, Dr. Michael Dittmar ist an der Uniklinik Regensburg tätig.

Alle hätten weitergemacht


Die drei Mediziner, die auch langjährige und erfahrene Notärzte sind, bedauern, dass ihre Amtszeit nun zu Ende ist und sie die Verlängerung ihre Ämter aufgegeben haben - wenn auch schweren Herzens. Alle drei betonen, dass sie gerne in der bisherigen Konstellation weitergemacht hätten.

Vor der Einführung der Ärztlichen Leiter Rettungsdienst hatte es eine zwölfjährige Pilotphase an verschiedenen Standorten (Regensburg, Hof und Rosenheim) gegeben, blickt Dr. Torsten Birkholz zurück. Die Empfehlung im Abschlussbericht sei deutlich gewesen: Weisungsfreie ÄLRD-Teams in Bayern zu installieren. In der Folge waren die Zusammensetzung, die Arbeitsweise und die Ergebnisse inhomogen, erklärt der Privatdozent.

"In der Pilotphase waren verschiedene Modelle ausprobiert worden", ergänzt Marc Bigalke und zählt auf: Ärztliche Leiter Rettungsdienst als Gruppe, angegliedert an eine Organisation wie beispielsweise das Rettungszentrum Regensburg oder ein einzelner ÄLRD auf einer halben Stelle. "Man hat sich dann auf die Gruppen festgelegt. Und genau das wird jetzt wieder abgeschafft."

Nach Angaben von Dr. Michael Dittmar war bezüglich der ÄRLD eine Vereinbarung zwischen den Zweckverbänden und den Kostenträgern, also den Krankenkassen, geschlossen worden. "Die Kostenträger haben diese zum 31. Dezember 2015 gekündigt." Im Mai 2011 waren die drei Anästhesisten für den Rettungsdienstbereich Amberg (kreisfreie Stadt Amberg und die beiden Landkreise Amberg-Sulzbach und Schwandorf) als ÄLRD installiert worden, ihre reguläre Amtszeit wäre nach fünf Jahren (heuer im Mai) abgelaufen, übergangsweise waren sie noch bis zum 31. Juli im Amt. Wäre die bisherige Konstellation beibehalten worden, hätten sie erneut bestellt werden können, wiederum für fünf Jahre.

Großer Pool an Ärzten


Die drei Mediziner bedauern sehr, dass dies nicht mehr möglich ist. Sie sahen große Vorteile im bisherigen System. "Es hat Leuten, die im Berufsleben sind, die Möglichkeit gegeben, sich einbringen zu können, ohne beruflich kürzer treten zu müssen", sagt Dittmar. "Es gab einen großen Pool an Ärzten, die mitgemacht haben." Zum 31. Juli sind die drei Anästhesisten ausgeschieden. "Es ist jetzt ein Stillstand der Arbeit", erklärt Dr. Michael Dittmar aus Schwandorf. Künftig soll es eine 0,5-Stelle geben, doch bislang ist diese noch nicht einmal ausgeschrieben. "Die Pause ist für dieses Amt äußerst ungünstig", findet Privatdozent Dr. Torsten Birkholz. Er spricht in diesem Zusammenhang von einem Paradigmen-Wechsel: "Ein völlig weisungsfreies System weicht einer an staatlichen Organisationen angepassten Hierarchie". Für den Oberarzt der Universitätsklinik Erlangen war bisher ein weiteres Aufgabenfeld damit verbunden: Er hatte sich in verschiedenen Gremien auf Landesebene (unter anderem im Vorstand der bayerischen ÄLRD) eingebracht. Mit der Neustrukturierung ist es für alle ehemaligen ÄLRD möglich, sich wieder auf die dann ausgeschriebenen Positionen zu bewerben.

Alle drei Anästhesisten, die eine Leidenschaft für Notfallmedizin eint, haben nicht nur viel Herzblut investiert, sondern auch enorm viel Zeit geopfert - allein schon für die Qualifizierungsmaßnahme, die sie mit der medizinischen Zusatzbezeichnung "Ärztliches Qualitätsmanagement" abschlossen. "Wir haben es gerne gemacht", bilanziert Marc Bigalke. "Und wir haben persönlich sehr profitiert", fügt Torsten Birkholz an.

Große ProjekteVieles, was die Ärztlichen Leiter Rettungsdienst in den vergangenen fünf Jahren auf den Weg gebracht haben, ist mittel- bis langfristig angelegt und nachhaltig. Eine kleine Auswahl:

Rasche Hilfe nach Unglück

Um den Massenanfall von Verletzten (MANV) nach Unglücken besser bewältigen und mehr Menschen das Leben zu retten, entwickelten die ÄLRD ein Konzept zur Vorsichtung der Verletzten durch nichtärztliches Personal, sprich Rettungsassistenten. Dieses Modell habe sich zwischenzeitlich landesweit etabliert, erklärt Dr. Torsten Birkholz. Dass es eine so große Akzeptanz bei den am Rettungsdienst beteiligten Hilfsorganisationen fand, macht Dr. Michael Dittmar vor allem daran fest, dass alle mit im Boot waren. "Wir haben eine gemeinsame Lösung erarbeitet."

Neuer Notarzt-Standort

Die ÄLRD haben auch kräftig mit angeschoben, damit Hirschau einen eigenen Notarzt-Standort bekommt. Wie Privatdozent Dr. Torsten Birkholz ausführt, war dort bislang ein niedergelassener Mediziner als sogenannter Außenarzt tätig. Das heißt, er rückte zu Notfällen im Raum Hirschau/Schnaittenbach aus. Doch im Laufe der Jahre wurde die Belastung für ihn durch steigende Einsatzzahlen immer größer. "Er konnte das nicht mehr in dieser Form leisten", so Birkholz. Er und seine ÄLRD-Kollegen unterstützten den Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) in einem Antrag bei den Kostenträgern, damit Hirschau einen eigenen Notarztstandort bekommt. Dies wurde bewilligt. (san)

Für jedes Jahr hatten die Ärztlichen Leiter Rettungsdienst ein Schwerpunktthema ausgewählt und dazu dann auch eine eintägige Fortbildung für Notfallmediziner und Rettungsdienstmitarbeiter abgehalten: das Dreikönigssymposium. "Wir wollten hier in unserem Rettungsdienstbereich eine Fortbildung mit hohen wissenschaftlichen Ansprüchen anbieten", so Dr. Michael Dittmar aus Schwandorf. Die in der Notfallmedizin tätigen Menschen sollten nicht weite Strecken fahren müssen, "um eine richtig gute Fortbildung zu bekommen".

Für die vier Dreikönigssymposien hatten die drei Anästhesisten Marc Bigalke, Privatdozent Dr. Torsten Birkholz und Privatdozent Dr. Michael Dittmar stets hochkarätige Referenten in die Region geholt. "Das sind Leute, die im In- und Ausland sehr gefragt sind", weiß Bigalke. "Sie hatten alle immer bereitwillig zugesagt", freut sich Torsten Birkholz. Einer der Referenten war sein Oberarzt-Kollege der Universitätsklinik Erlangen, Dr. Michael St. Pierre. Er sprach 2015 in Theuern über Crew Ressource Management, ein ursprünglich aus der Luftfahrt stammendes System zur Vermeidung wiederkehrender Fehler.

Heuer war der Leiter der chirurgischen Notaufnahme des Klinikums rechts der Isar als Hauptreferent zu Gast: Professor Dr. Karl-Georg Kanz, der Mitautor der S 3-Leitlinie Polytrauma (eine regelmäßig aktualisierte Handlungsempfehlung der medizinischen Fachgesellschaften zur Versorgung Schwerstverletzter) ist. Sehr dankbar sind die drei ÄLRD dem Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF), der einen Großteil der Kosten für die Symposien übernommen hatte.

DreikönigssymposiumAuch wenn ihre Amtszeit zum 31. Juli endete, richten die Ärztlichen Leiter Rettungsdienst noch das Dreikönigssymposium im nächsten Jahr aus. Als Thema für die eintägige Fortbildungsveranstaltung für Notfallmediziner und Rettungsdienstmitarbeiter haben Marc Bigalke, Privatdozent Dr. Torsten Birkholz und Dr. Michael Dittmar die Herz-Lungen-Wiederbelebung ausgewählt. Das Symposium geht am Samstag, 14. Januar, in der Oberpfalzhalle in Schwandorf über die Bühne. Bisherige Veranstaltungsorte waren die Feuerwache Amberg, die Schwarzachtalhalle in Neunburg vorm Wald, das Kulturschloss Theuern und die OTH Amberg. Die Organisatoren brachten nicht nur hochkarätige Referenten in die Region, sondern legten auch großen Wert darauf, dass die Teilnehmer in verschiedenen Workshops ihre Fertigkeiten praktisch trainieren konnten. (san)

Dreier-Team als bewährtes Modell

Amberg. (san) Als Dreier-Gruppe waren Marc Bigalke (Amberg) und die Privatdozenten Dr. Torsten Birkholz (Sulzbach-Rosenberg) und Dr. Michael Dittmar (Schwandorf) in ihrer fünfjährigen Amtszeit als ärztliche Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) tätig. Unisono sagen sie, dass sich diese Teamarbeit bewährt hat, sie mit der bisherigen Konstellation nur gute Erfahrungen gemacht haben: "Man diskutiert in der Gruppe und entscheidet gemeinsam", sagt Dittmar.

Seine Meinung, dass diese Aufteilung zielführender war, teilen die beiden Kollegen. "Wir haben das als sehr vorteilhaft wahrgenommen", erklärt Torsten Birkholz. Der Privatdozent findet, dass alle voneinander profitierten. "Das Ergebnis war besser, als wenn einer das im stillen Kämmerlein ausbaldowert hätte."

"Wir haben Spuren hinterlassen"

Amberg, (san) Obwohl die Ärztlichen Leiter Rettungsdienst zu dritt im Einsatz waren, war es dennoch viel Arbeit für jeden Einzelnen. "Wir waren stets bemüht, allen Einladungen nachzukommen", erklärt Marc Bigalke aus Amberg. Ihm, aber auch seinen beiden Kollegen, den Privatdozenten Dr. Torsten Birkholz aus Sulzbach-Rosenberg und Dr. Michael Dittmar aus Schwandorf, war es sehr wichtig, bei den offiziellen Terminen Präsenz zu zeigen. "Einer von uns war immer da", sagt Michael Dittmar. "So bekommt man die Probleme vor Ort direkt mit."

Dies sei sehr hilfreich für die ÄLRD-Arbeit gewesen, ergänzt Torsten Birkholz. Auch wenn die drei ärztlichen Leiter Rettungsdienst mit großem Wehmut aus dem Amt geschieden sind, so spüren sie auch die Zufriedenheit, etwas bewegt zu haben. "Wir haben Spuren im Rettungsdienst hinterlassen", urteilt Marc Bigalke und erwähnt als Beispiel die vielen Qualitätsmanagements-Gespräche mit den Hilfsorganisationen, aber auch mit den Krankenhäusern.

"Das Vertrauen, das uns entgegengebracht wurde, hatten wir uns erst erarbeiten müssen", erklärt Dr. Michael Dittmar. Zum Ende der Amtszeit durfte sich das Trio über rührende Abschiedsschreiben freuen. "Da wurde sehr deutlich, dass ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis bestand", zeigt sich der Schwandorfer auch ein bisschen stolz.

Idee wird in ganz Bayern umgesetzt

Amberg. (san) Eine Idee, die Dr. Michael Dittmar hatte, wird jetzt sogar bayernweit umgesetzt: eine Regelung zum Transport von heimbeatmeten Patienten. Mussten vorher Menschen, die zuhause gepflegt werden, aber an ein Beatmungsgerät angeschlossen sind, ins Krankenhaus, in eine andere Klinik oder nach Hause gefahren werden, so war dies früher ein Notarzteinsatz oder ein Intensivtransport. "Das war ein großer organisatorischer Aufwand, verbunden mit hohen Kosten für die Krankenkassen", sagt Dittmar.

Die ÄLRD setzten sich mit allen Beteiligten zusammen und arbeiteten ein Konzept aus. "Jetzt übernehmen Pflegekräfte, die den Patienten und dessen Gerät kennen, die Begleitung", schildert Dittmar die Neuerung. "Dieses Konzept findet inzwischen bayernweit Anwendung", ergänzt Privatdozent Dr. Torsten Birkholz und spricht von einem "Consultingprojekt mit ziemlicher Nachhaltigkeit".
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