Angeklagter (26) räumt beschämt ein
Motiv: "Jung und dumm"

(Foto: dpa)

Solide ausgebildet, tappt ein heute 26-Jähriger erst in die Konsum- und dann voll in die Schuldenfalle. Seine Suche nach einem Ausweg reißt ihn erst richtig rein.

Jetzt ist Sören M. (Name geändert) zweimal wegen Eigentumsdelikten vorgeahndet. Eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, soll die letzte Chance sein, um noch einmal um eine Haft herumzukommen. Was ihn dann erwartet, weiß der 26-Jährige durchaus. Wieder einmal völlig klamm, saß er eine gegen ihn verhängte Geldstrafe von 120 Tagessätzen teilweise ab, weil er den säumig gebliebenen Betrag nicht aufbringen konnte. Das soll jetzt alles ganz anders werden, beteuerte Sören M., ein gelernter Steuerfachgehilfe. Er hat wieder eine Stelle als Auslieferungsfahrer gefunden, war bei der Schuldnerberatung und hat sich für diesen Prozess einen Strafverteidiger gespart. Der junge Mann zog vor, zu gestehen, was ihm in der Anklage vorwarf: veruntreuende Unterschlagung und schwerer Diebstahl.

Welch ein Zufall


Alles wollten ihm Amtsrichterin Julia Taubmann und die Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft (davon ein Referendar) nun auch nicht unhinterfragt abnehmen. Etwa, dass er eher zufällig aus einem Schreibtisch-Rollcontainer im Dezember 2015 knapp 270 Euro entnommen habe, weil angesichts von 15 000 Euro Schulden Gelegenheit halt Diebe mache. Das aus einer Nachnahme-Zustellung stammende Geld war dort über das Wochenende deponiert. Um fast 1300 Euro ging es bei einer Nachnahme-Lieferung, die Sören M. im November selbst erledigt hatte. Er arbeitete damals auch als Auslieferungsfahrer, stritt jedoch lange ab, das Geld eingesteckt zu haben. Sein damaliger Chef glaubte die Ausflüchte nicht, hielt den 26-Jährigen für überführt, beließ es jedoch mit einer Abmahnung und wollte dem jungen Mann eine zweite Chance geben.

Doch nach dem zweiten Vorfall mit dem Rollcontainer wenige Wochen später war Schluss. Der Arbeitgeber zeigte Sören M. an. Bei der Hauptverhandlung stellte sich zudem heraus, dass der Beschuldigte nicht zum ersten Mal in die Kasse gegriffen hatte. 2014, damals war er als Tankwart beschäftigt, zahlte er zweimal die Tageseinnahmen von insgesamt 4300 Euro nicht ein, sondern behielt sie. Das Amtsgericht Schwandorf ahndete diese Unterschlagung mit einer Geldstrafe über 120 Tage. Nicht nur einmal schüttelte angesichts der eigentlich sehr soliden beruflichen Ausbildung von Sören M. und dessen Werdegang die Strafrichterin laut den Kopf, wie so ein Abstieg eigentlich passieren könne. "Jung und dumm", antwortete der Angeklagte offensichtlich beschämt knapp.

Hauptsache vorbei


Zuvor hatte er mehrfach zu verstehen gegeben, diesen Prozess eigentlich nur irgendwie überstehen zu wollen, um danach sein Leben neu zu ordnen. Diese Chance wollte ihm die Staatsanwaltschaft nicht verbauen, sah die erhobenen Vorwürfe weitgehend als bewiesen an und plädierte auf eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Die Einzelrichterin folgte diesem Antrag in vollem Umfang und erlegte Sören M. zudem auf, den auf 1550 gerundeten Schaden des früheren Arbeitgebers begleichen, sprich, in Raten von 100 Euro abstottern zu müssen.
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