Angeklagter streitet alles ab
Falschgeld im Nachbarland

Der Mann sagt, er sei es nicht gewesen. Deswegen muss nun ein Experte kommen, der darin geübt ist, Personen so zu identifizieren, dass es gerichtsverwertbar ist. Bis dahin bleibt der Fall ebenso ungewöhnlich wie spannend.

Amberg. (hou) Vor dem Schöffengericht geht es um falsche 50-Euro-Scheine, die an Tankstellen im Nachbarland Tschechien in Zahlung gegeben wurden. Auf der Anklagebank sitzt ein Amberger. Er soll es gewesen sein, der die Blüten auf eine Reihe von Tresen legte. Doch der 27-Jährige bestreitet das und wird darin durch seinen aus Bremen in die Oberpfalz gereisten Anwalt Hans Meyer-Mews bestärkt. Er zählt zu den prominentesten Strafverteidigern der Republik.

Auf Video festgehalten


Wie kamen deutsche Behörden zu der Aufgabe, in dieser Causa von Falchgeldverbreitung zu ermitteln? In Tschechien waren Anzeigen erstattet worden. Die Polizei im Nachbarland kümmerte sich, sammelte Unterlagen und schickte sie, weil ein Amberger Autokennzeichen ins Spiel kam, in die Oberpfalz. Dabei war unklar, wer die Scheine gefälscht hatte. Gleichwohl aber gab es Videofilme, aufgenommen von Überwachungsanlagen, die darauf hindeuteten, dass ein junger Mann aus Amberg zumindest für die Verbreitung sorgte.

Die aus Tschechien übersandten Sequenzen zeigen einen Mann mit Kurzhaarschnitt und ohne Brille. Vor das Schöffengericht wurde nun einer geholt, der sich mit längeren Haaren und Sehhilfe präsentierte. Die Frage lautete deshalb: Haben die Richter mit ihm den Täter vor sich? "Ich bin das nicht", wurde im Prozess mitgeteilt. Fest steht aber, dass der Beschuldigte zur fraglichen Zeit bei der Bundeswehr diente. Heute ist er in einem Angestelltenberuf tätig.

Fortsetzung folgt


Die Beweisführung muss akkurat und verwertbar sein. Deswegen wurde das Verfahren abgebrochen. In der Neuauflage, die 2017 stattfindet, dürfte es hochinteressant werden. Dann kommt ein Gutachter, der sich darauf versteht, das jetzige mit dem damaligen Aussehen zu vergleichen. Erst dann wird man wissen, ob da jemand auf der Anklagebank sitzt, den man zur Verantwortung ziehen kann.
Weitere Beiträge zu den Themen: Gericht (569)Justiz (111)Falschgeld (10)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.