Anmeldezahlen an den Gymnasien in Amberg
Englisch lässt EG neu aufleben

Erasmus Gymnasium Amberg. Bild: Unger
 
Wir haben uns aus der Talsohle des letzten Jahres herausgearbeitet. Zitat: "Peter Seidl, EG"
 
Wir fischen in den ähnlichsten Teichen. Zitat: "Wolfgang Wolters, MRG, über die Konkurrenz mit dem EG"

Kaum steht die hohe Hürde Latein nicht mehr vor dem Eintritt ins Erasmus-Gymnasium, schon hüpfen die Anmeldezahlen gewaltig nach oben. Andere Gymnasien bezahlen den Preis dafür.

"Wir haben uns aus der Talsohle des letzten Jahres herausgearbeitet", ist Peter Seidl, der Leiter des EG, sehr zufrieden mit der Steigerung von 42 auf 61 Anmeldungen. Wobei er nicht einmal glaubt, dass dieses Plus von 45 Prozent allein auf die geänderte Sprachenfolge zurückgeht - man muss im EG jetzt nicht mehr mit Latein als erster Fremdsprache beginnen, sondern kann auch mit Englisch starten; Latein kommt dann in der 6. Klasse dazu. 29 der Neulinge haben sich tatsächlich für Englisch entschieden, 32 wollen es gleich mit Latein versuchen.

Seidl vermutet, dass sich etwa die Hälfte der Englisch-Gruppe ohnehin für das Humanistische Gymnasium entschieden hätte. Zum anderen sieht er den Anstieg auch als Ergebnis einer Gemeinschaftsanstrengung - des von den Eltern mit sehr viel Lob bedachten Info-Samstags: "Da haben wir sehr viel reingehängt, das halbe Kollegium war da."

Interessant ist für alle Neuen am EG noch das Ergebnis des Probeunterrichts, den vom 31. Mai bis 2. Juni 4 der 61 Angemeldeten absolvieren: Kommen alle durch, gibt es drei kleine Klassen; schafft es keiner, muss Seidl zwei große bilden.

Einer der Leidtragenden des EG-Aufschwungs ist das Dr.-Johanna-Decker-Gymnasium. Renate Gammel, die Leiterin der katholischen Mädchenschule, berichtet von einem Rückgang der Anmeldezahlen von 46 auf 30 (Probeunterricht: 5). Dass "grundständiges Englisch" das EG im Vergleich attraktiver macht, hält sie für eine plausible Erklärung. Doch auch eine andere Entwicklung, die sich seit einigen Jahren beobachten lasse: Die ständigen Diskussionen um das Gymnasium - Stichwort: G8/G9, früher Nachmittagsunterricht - verunsicherten die Eltern zunehmend. "Und in der Konsequenz schicken viele ihre Kinder mit Gymnasialeignung dann lieber auf die Realschule." Renate Gammel kann das im eigenen Haus beobachten: Die Dr.-Johanna-Decker-Realschule verzeichnet 42 Anmeldungen (2015: 46).

Das Max-Reger-Gymnasium stand im Vorjahr noch bei 73 neuen Fünftklässlern, heuer gibt es nur 56 Interessenten (8 davon müssen in den Probeunterricht). "Der Rückgang hat uns komplett überrascht", sagt MRG-Direktor Wolfgang Wolters dazu. In den vergangenen Jahren sei man sehr zufrieden gewesen, dass man sich als etwas exotisches Gymnasium - das MRG hat nur einen musischen Zweig - gut habe halten können. "Ich sehe nichts, was wir falsch gemacht hätten", will Wolters keine monokausale Erklärung für das schrumpfende Interesse einfallen. Aber das EG sei heuer in der Werbung wohl erfolgreicher gewesen - "und wir fischen in den ähnlichsten Teichen".

Keine Einbußen hat das Gregor-Mendel-Gymnasium zu verzeichnen. Mit 94 festen Anmeldungen und 9 Kindern im Probeunterricht kommt man exakt auf dieselbe Gesamtzahl wie 2015. Ebenso schon seit Jahren stabil ist das Interesse am Herzog-Christian-August-Gymnasium in Sulzbach-Rosenberg. Heuer sind es 76 Kinder, die hier ab September den Weg zum Abitur antreten. (Angemerkt/Im Blickpunkt)

Mädels sind gefragtÜber ein fast ausgeglichenes Verhältnis von Mädchen und Jungen bei den aktuellen Anmeldungen freuen sich sowohl Direktor Peter Seidl vom Erasmus-Gymnasium als auch sein Amtskollege Peter Welnhofer vom Gregor-Mendel-Gymnasium. Seidl sieht eine "gelungene Koedukation" als "gutes Markenzeichen unserer Schule".

Beim GMG lag die Mädchenquote früher im Bereich von 30 bis 35 Prozent. "Wir wurden halt in der Öffentlichkeit vor allem als naturwissenschaftliches Gymnasium wahrgenommen", vermutet Welnhofer als eine der Ursachen. Doch das GMG hat auch einen sprachlichen sowie einen wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Zweig.

Den zweiten Grund erkennt Welnhofer in der gelungenen Umgestaltung des Gebäudes. Statt der schauerlich-düsteren Gänge habe man jetzt ein helles Haus voller Farbe, das viel freundlicher wirke. "Wir merken bei den Rundgängen mit Viertklässlern, dass das vor allem die Mädchen anspricht."

Beim HCA-Gymnasium melden sich seit Jahren ähnlich viele Mädchen wie Jungen an. Das MRG verzeichnet heuer einen etwas ungewöhnlichen Überschuss der männlichen Interessenten. Der ist allerdings der Tatsache geschuldet, dass den Probeunterricht nur Jungs absolvieren - acht Stück. Bei den fest Angemeldeten sind es 24 von jedem Geschlecht. (ll)


Wir haben uns aus der Talsohle des letzten Jahres herausgearbeitet.Peter Seidl, EG


Wir fischen in den ähnlichsten Teichen.Wolfgang Wolters, MRG, über die Konkurrenz mit dem EG

Schlaglöcher im Königsweg

Angemerkt von Markus Müller

Zeitweise schien in Sachen Bildung die Devise zu gelten, dass der Mensch erst mit dem Abitur anfängt. Und der Königsweg dahin war das Gymnasium. Grundschullehrer können ein Lied davon singen, zu welchem Druck das in den vierten Klassen führte.

Sollte das Gymnasium durch das ständige Herumdoktern der Politik an Ausrichtung und Dauer tatsächlich an Attraktivität verloren haben, stünde dem auf der anderen Seite womöglich eine entspanntere Haltung der Eltern in Bezug auf die Schullaufbahn ihres Kindes als Gewinn gegenüber. Aber für die Gymnasien bedeutet das natürlich, dass sie sich neue Strategien überlegen müssen, um ihren Anteil vom schrumpfenden (Schüler-)Kuchen abzubekommen. Das ist auch eine Art Überlebenskampf, aber natürlich aus einer deutlich bequemeren Position heraus als bei den Mittelschulen.

markus.mueller@zeitung.org

Im Blickpunkt


Lieber auf die Realschule?

Scheuen tatsächlich viele Eltern davor zurück, ihre Kinder auf das Gymnasium zu schicken, weil sie die Realschule und die anschließende FOS als den leichteren Weg zum Abitur ansehen? MRG-Chef Wolfgang Wolters nimmt es öfter so wahr. Direktorin Renate Gammel von den Dr.-Johanna-Decker-Schulen sieht es ähnlich.

Aber nachdem ja die einzelnen Jahrgänge immer geringere Kinderzahlen aufwiesen, schlägt sich das zumindest nicht in steigenden Anmeldezahlen bei den Realschulen nieder: Die Schönwerth-Realschule in Amberg wird heuer nicht mehr auf die 135 Fünftklässler vom Jahr 2015 kommen. Neben 77 festen Anmeldungen gibt es dort 57 Kinder im Probeunterricht. An der Sulzbach-Rosenberger Walter-Höllerer-Realschule sind es 94 fest und 31 im Probeunterricht, ein paar Köpfe weniger als im vergangenen Jahr.

Direktor Dieter Meyer vom HCA-Gymnasium bedauert, dass in den Grundschulen im Landkreis die Übertrittsquote ans Gymnasium oft deutlich unter 30 Prozent liegt: "Das darf eigentlich nicht sein, unsere Kinder sind doch auch nicht weniger intelligent als die anderswo." Bayernweit betrage die Quote etwa 40 Prozent. Die Einschätzung, dass man über Realschule und FOS/BOS leichter zum Abitur komme, will Meyer nicht gelten lassen, zumindest wenn es um die allgemeine Hochschulreife geht. Die erreichten aus der gewaltigen Absolventenmenge dieser Schulart nur ganz wenige. "Es ist schade, wenn Kinder mit einem Schnitt von 1,33 oder 1,66 nicht aufs Gymnasium gehen. Da wünsche ich mir, dass die Eltern den Mut haben, ihr Kind zu uns zu schicken, wenn es geeignet ist."
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