Archäologe Dr. Mathias Hensch entlockt dem Bürgerspitalgelände seine Geheimnisse
Wo Steine sprechen

Die Archäologen haben inzwischen freigelegt, was früher den Keller des Bürgerspitals bildete und noch vor zwei Jahren im Erdreich unter dem Gebäude verborgen war. Bilder: Hartl (4)
 
Beim Säubern des Pflasters nimmt der Archäologe gerne mal den Staubsauger zur Hand. Dieser Keller weist eine typische Bodenpflasterung aus Braun- oder Roteisenstein auf. Genauso sahen früher auch die Straßen aus.

"Da ist mehr drin als gedacht." Dr. Mathias Hensch ist sehr zufrieden mit den Grabungen auf dem Bürgerspitalgelände. Er findet hier 2500 Jahre alte Spuren der Kelten genauso wie Hinterlassenschaften deutlich jüngerer Trinkbrüder.

Für die Kelten hat der Archäologe Hensch mit einer Pfostengrube und Keramikscherben erstmals eine Besiedlung des nachmaligen Amberger Stadtgebiets nachgewiesen (AZ berichtete). Er hofft aber, im nördlichen Bereich des Grabungsgeländes (Richtung Ringtheater) noch mehr Spuren von ihnen zu finden. "Der Teil war nämlich nicht so stark überbaut wie der vordere."

Dort will Hensch aber erst in zwei Wochen mit weiteren Freilegungen anfangen, wenn die Arbeiten im südlichen Areal bei der Spitalkirche abgeschlossen sind. Vorerst zeigen auf dem vom Bagger grob freigeräumten Boden nur herumliegende Planen an, wo die Wissenschaftler noch in die Tiefe gehen wollen: "Die Abdeckung haben wir drauf, damit die Erde nicht austrocknet. Die wird sonst knochenhart."

Eisen bringt Wohlstand


Einiges weiß Hensch aber schon von diesem Areal: "Bei der Laterne sind mindestens fünf Rennfeueröfen in der Erde." Das macht noch einmal deutlich, wie sehr der frühe Wohlstand Ambergs im Mittelalter auf der Eisenverhüttung gründete. Weiter hinten hat Hensch einen Zweikammerofen entdeckt, der möglicherweise im 13. Jahrhundert für Keramikherstellung verwendet wurde. In einer großen massiven Grube daneben könnten noch mehr Erkenntnisse auf ihn warten. "Wenn man mit der Hand abzieht, stößt man oft auf überraschende Details, weil man da viel mehr sieht."

Das gilt etwa für die verfüllte Zisterne aus dem 16. oder 17. Jahrhundert, die bis ins 19. Jahrhundert genutzt worden sein könnte. Sie gab unter anderem eine Glasscherbe frei, die aus der Zeit um 1800 stammen dürfte und eine Beschriftung aufweist ("Laben" ist lesbar), die auf einen Weintrinker hinweist.

Wie geschaffen für König


Im vorderen Bereich legten Hensch und seine Kollegen die Überreste eines Ständerbaus frei - ein Holzgebäude auf einem Sandsteinsockel. Es ist abgebrannt, weshalb Teile davon noch gut erhalten sind. Etwa der Kachelofenboden, auf dem sich auch Becherkacheln aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts fanden.

Schlussfolgerung des Archäologen: "Das war wohl ein Gebäude für höhere Ansprüche." Es könnte sogar das Relikt eines Königshofes sein - der dann abbrannte, wonach König Ludwig der Bayer ihn nicht mehr aufwendig wiederaufbauen wollte, sondern das Areal der Stadt Amberg überließ, so dass dort ab 1319 das Bürgerspital entstehen konnte, sieht Hensch hier eine mögliche Vorgeschichte der Spitalgründung angedeutet. Denn die Steinmauern, die jetzt das Ausgrabungsgelände optisch prägen, waren Teil eines Gebäudes, das unmittelbar nach dem Brand entstand. "Es gehört wohl zur Grundausstattung des Spitals", vermutet Hensch.

Die erste Vorstadt


Ansonsten legen die aktuellen Funde nahe, dass dieses Gelände bereits in karolingisch-ottonischer Zeit kontinuierlich genutzt wurde, unter anderem auch handwerklich, obwohl es damals noch außerhalb der Stadtmauern lag. Hensch spricht von einer "vorstädtischen Struktur". Auch das wäre eine neue Erkenntnis.

Ich bin besonders gespannt, was in der riesigen Grube auf uns wartet.Dr. Mathias Hensch
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