Archäologen graben Kohlenmeiler aus
Brennpunkte am Erzberg

Der Kohlenmeiler, der vor rund 1300 Jahren auf dem Drillingsfeld stand, hatte einen Durchmesser von rund vier Metern. Hier verkokelten die Köhler Holz. Bild: Landesamt für Denkmalpflege

In Amberg ist die Welt noch einigermaßen in Ordnung. Wenn es Brennpunkte gibt, dann keine sozialen, sondern eher archäologische: Auf dem Drillingsfeld haben Geschichtsforscher einen imposanten Kohlenmeiler ausgegraben.

Kreisförmig haben sie sich in die Erde eingebrannt - die Holzkohlefabriken des Frühmittelalters. Jetzt haben Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege auf dem Gelände des neuen Baugebietes am Drillingsfeld den Standort einer weiteren solchen Einrichtung ausgegraben. "Die vorliegende Altersanalyse datiert sie ins 8. Jahrhundert", sagt Referatsleiterin Dr. Silvia Codreanu-Windauer. "Das ist sensationell, denn der Meiler ist zusammen mit den Schmiedegruben aus Kümmersbruck der bislang älteste Beleg für die Eisengewinnung und -verarbeitung im Raum Amberg."

Bauplan der Geschichte


Im Laufe des Jahres stünden auf dem Areal am Fuße des Erzberges weitere Grabungen an. Die Archäologen vermuten ähnliche Funde, die Rückschlüsse auf die Anfänge der Eisenindustrie in der Region zulassen könnten. Zusammen mit den imposanten Schmieden im fünf Kilometer Luftlinie entfernten Kümmersbruck zeichnet sich immer mehr der Ur-Bauplan der Oberpfälzer Montaggeschichte ab. "Aufgrund der Nähe zum Erzberg muss man davon ausgehen, dass die hier produzierte Holzkohle vorrangig für das Schmelzen des Erzes in Rennöfen verwendet wurde", erklärt Codreanu-Windauer. Die in diesen Öfen gewonnene Schlacke wurde dann in Schmieden wie denen in Kümmersbruck weiterverarbeitet.

Nach wie vor werfen die Archäologen auch ein Auge auf eine der größten Baustellen der Stadt - das Bürgerspital-Areal. Überraschungen allerdings erwartet Codreanu-Windauer bei den weiteren Untersuchungen nicht. Konkret ist geplant, im Laufe des Jahres Restflächen entlang des Spitalgrabens unter die Lupe zu nehmen. Hier könnte sich das Graben lohnen, denn dieser Bereich ist bislang nicht modern unterkellert worden. "Wahrscheinlich stößt man dort auf die Reste der Spitalgebäude, die im Urkataster eingetragen sind. Vermutlich mitsamt möglicher Anlagen in den ehemaligen Höfen, wie etwa Brunnen oder Latrinen", erklärt die Expertin. "Vermutlich wird dann auch die Außenkante des älteren Stadtgrabens fassbar." Von ihm kommt ja auch die Straßenbezeichnung Spitalgraben.

Von Kellern zerstört


Die Stadt habe die Bodendenkmalpflege auf dem Bürgerspitalgelände von Anfang an berücksichtigt. "Fast alle Erdarbeiten wurden von Archäologen begleitet." Was dazu geführt hat, dass zwischen Wirtschaftsschule und Ring-Theater einige kleinere Funde dokumentiert wurden. "Leider war ein Großteil der Flächen durch moderne Unterkellerung bereits zerstört", bedauert die Referatsleiterin beim Landesamt. (Angemerkt)
Das ist sensationell, denn der Meiler ist zusammen mit den Schmiedegruben aus Kümmersbruck der bislang älteste Beleg für die Eisengewinnung und -verarbeitung im Raum Amberg.Dr. Silvia Codreanu-Windauer, Landesamt für Denkmalpflege
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