Attraktivität macht Lust auf mehr
Bauausschuss zieht klare Linie

Dann geht nichts mehr: Der Bebauungsplan Am Degelberg möchte mit der nicht mehr bewirtschafteten Hofstelle des Schimmelbauern (in Hintergrund) unterhalb des Mariahilfberges die höchstgelegene Bebauung festschreiben und unterhalb noch fünf Einfamilienhäuser zulassen. Der Rest wird als Biotop einer Streuobstwiese ausgewiesen. Ein Grundstückserbe möchte in Richtung Steingutstraße (rechter Bildrand) mehr. Bild: Steinbacher

Das frühere Gehöft ist so alt, dass es einen Hausnamen trägt - Schimmelbauer. Die aufgegebene Landwirtschaft in Ortsrandlage am südwestlichen Hang des Mariahilfbergs kann als Baugrund an Attraktivität nur schwer überboten werden. Das schafft Begehrlichkeiten.

Deshalb wurde schon 1997 vom Stadtrat ein Grundsatzbeschluss gefasst, die Wohnbauentwicklung in diesen Lagen geordnet zu beenden. Was die Flächen rund um den Schimmelbauern betrifft, ist das bis heute nicht geschehen. Mit dem Ergebnis, dass sich in dieser ebenso reizvollen wie teuren Gegend über Jahre hinweg nur wenig bis gar nichts tat. Jetzt greift der Stadtrat erneut an, die rund 1,8 Hektar in der Nordspitze der Gabelung Steingutstraße/Triftweg baurechtlich endgültig einzutüten.

Ich sehe hier kein Baurecht und wir werden hier keines schaffen.OB Michael Cerny

Ein Ortstermin fand bereits im Herbst statt. Am Mittwoch befasste sich der Bauausschuss abschließend mit der Aufstellung des Bebauungsplans Am Degelberg. Er soll regeln, was rund um das ehemalige Gehöft noch möglich ist. So viel, wie sich die Eigentümer - eine Erbengemeinschaft - erhoffen, wird es nicht werden, sollte der Stadtrat in seiner Sitzung am 1. Februar die Vorstellungen der Verwaltung bestätigen. Der Bauausschuss empfahl jedenfalls mehrheitlich mit sieben zu drei Stimmen, das zu tun.

Voraus ging eine ausgiebige Debatte, die widerspiegelte, weshalb ein schon 2008 gestarteter Anlauf, diesen Bereich leitplanerisch abzuschließen, am allerletzten Schritt des nötigen Stadtratsbeschlusses gescheitert ist. Denn die Fassung des dort noch gültigen Flächennutzungsplanes nährte Hoffnungen, am westlichen Grundstücksrand Richtung Steingutstraße mehr Wohnbebauung zuzulassen, als jetzt beabsichtigt.

Darauf verwies auch Stadtrat Dieter Amann (SPD), indem er nachfragte, ob es nicht einer Enteignung gleichkäme, dieses einmal als Bauland in Aussicht gestellte Areal nun als Biotop einer Streuobstwiese auszuweisen. Schließlich sei dem Eigentümer vor Jahren mitgeteilt worden, dass eine Bebauung lediglich an der nicht vorhandenen Erschließung scheitere.

Nie und nimmer


Das sah die Verwaltung ganz anders und erhielt Unterstützung von Oberbürgermeister Michael Cerny. Baureferent Markus Kühne unterstrich mehrfach, dass jemals für dieses Grundstück weder von dem bis 1990 amtierenden Oberbürgermeister Franz Prechtl, noch behördenseits Baurecht in Aussicht gestellt worden sei. Lediglich einer Teilungsgenehmigung für das Grundstück habe die Verwaltung einmal zugestimmt. Mehr nicht. Auch Cerny stellte klar: "Ich sehe hier kein Baurecht und wir werden hier keines schaffen."

Ich verstehe die Diskussion nicht. Beim Ortstermin war doch alles klar.Josef Lorenz (Amberger Bunt)

Nichts genommen


Der Vorwurf einer wie auch immer gearteten Enteignung durch die Hintertüre laufe deshalb völlig ins Leere. Cerny: "Es ist das hohe Gut des Stadtrates, Baurecht zu schaffen oder nicht." Genommen werde da niemandem etwas. Angesichts dieser Diskussion ruderte Amann etwas zurück und sprach nur noch von "einer Wertminderung". Josef Lorenz (Amberger Bunt) setzte dagegen: "Ich verstehe die Diskussion nicht. Beim Ortstermin war doch alles klar." Auch Helmut Weigl (CSU) appellierte, "wir sollten Farbe bekennen oder es seinlassen". Damit sprach er den Umstand an, dass ohne einen Bebauungsplan Am Degelberg durchaus noch die eine oder andere Einzelbaugenehmigung erteilt werden könnte. Das sei aber schon die zurückliegenden Jahre so gewesen, und es habe sich nicht viel getan.

Der beabsichtigte bauleitplanerische Schlusspunkt für das ausgedehnte Grundstück rund um den Schimmelbauern eröffnet die Möglichkeit, noch fünf Parzellen mit Einfamilienhäusern zu bebauen. Sie liegen unterhalb und auf in etwa gleicher Höhe der nicht mehr bewirtschafteten Hofstelle. Der Rest wird als Streuobstwiesen-Biotop (0,8 Hektar) ausgewiesen. Nach dem 7 : 3-Votum des Bauausschusses ist der Stadtrat in diesem Ansinnen nun wieder genauso weit wie 2011. Er muss nur noch zustimmen.
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