Auf den Spuren des mittelalterlichen Spitals
Keimzelle des Sozialwesens

Mauerreste des alten Bürgerspitals haben die Archäologen auf der Baustelle zwischen Spitalgraben und Bahnhofstraße freigelegt. Bild: Hartl

Hier könnte nicht nur Ambergs älteste Siedlung gelegen haben: Das Bürgerspital, dessen Grundmauern derzeit archäologisch untersucht werden, war auch eine Keimzelle des Sozialwesens.

Auf dem Gelände an der Bahnhofstraße laufen seit Ende August Ausgrabungen unter Leitung des Archäologen Dr. Mathias Hensch. Eine relativ große Fläche, die bislang noch nicht derart untersucht worden ist - umso interessanter ist sie für die Experten. Hier sei "sehr viel archäologische Substanz erhalten", kann Hensch jetzt schon sagen.

Auf Spuren des Königs


Sein Team hat Reste der Grundmauern des 1319 von König Ludwig dem Bayern gegründeten Spitals freigelegt. Zu diesem gehörte auch die noch erhaltene Spitalkirche. "Von der man vermutet, dass sie Nachfolgebau einer Anfang des 14. Jahrhunderts genannten Kirche St. Johannes der Täufer ist." Für Hensch ein interessanter Anhaltspunkt: "Die Gründung durch Ludwig den Bayern sagt uns, dass das hier Königsgrund gewesen sein muss."

Sollte an dieser Stelle früher tatsächlich schon eine Kirche gestanden haben, dann könnte das ein Hinweis dafür sein, "dass es hier Strukturen gibt, die sehr viel älter sind als die Nutzung, die durch das Spital eingeläutet wird". Außer der Information zur Gründung sei wenig zum Spital überliefert. Die Archäologie könnte dazu weitere Erkenntnisse bringen. Das Areal soll bekanntlich neu bebaut werden. Damit biete sich jetzt "die allerletzte Chance, hier noch Neues herauszufinden - sowohl über das mittelalterliche Spital als auch über eine Vornutzung des Areals". Auf Letztere lassen erste Funde schließen: Hensch und seine Mitarbeiter haben unter anderem drei Keramikscherben entdeckt, die sie "der Zeit vor 1000" zuordnen. Spannend sei, ob sich Spuren eines Königshofs in Amberg finden lassen, meint Hensch: Hinweise darauf gebe es, aber bislang keinen eindeutigen Beweis. Ein solcher Hof könnte bis in die Karolingerzeit zurückreichen.

Dazu würden auch Funde in Kümmersbruck passen - Überreste einer großen Verhüttungs- und Schmiedeanlage. Eine Einrichtung solchen Ausmaßes müsse von einem Königshof organisiert worden sein, sagt Hensch. Darauf deute auch die Urkunde von 1034 hin, in der Amberg erstmals schriftlich erwähnt ist: Darin schenkt Konrad II. dem Bistum Bamberg etliche herzogliche und königliche Rechte - etwa den Mühlen-Betrieb und die Erhebung von Passierzoll für Vils-Schiffe: "Auch das ist ein ganz konkreter Hinweis, dass es hier ein ausgedehntes Königsgut gegeben hat."

Wie lange die Grabungen dauern, kann Hensch noch nicht sagen. Da sie aber frühzeitig mit eingeplant wurden, bedeuten sie laut Anne-Katrin Kluth (Stadtplanungsamt) keine Verzögerung für die weitere Entwicklung des Areals. Eine solch gute Kooperation sei "nicht die Regel", sagt Hensch: "Ich habe das Gefühl, dass vonseiten der Stadt ein echtes Interesse besteht, hier etwas über die eigene Geschichte zu erfahren."

Ich habe das Gefühl, dass vonseiten der Stadt ein echtes Interesse besteht, hier etwas über die eigene Geschichte zu erfahren.Dr. Mathias Hensch


"Historisch gesehen von großer Bedeutung"Das mittelalterliche Spitalwesen sei für die Entwicklung der Städte von großer Bedeutung, betont Archäologe Dr. Mathias Hensch - und auch "für die Entwicklung des Kommunalwesens in Europa".

Armenfürsorge sei vorher fast ausschließlich in Klöstern betrieben worden. "Mit dem Aufkommen der Spitäler im späten 12., frühen 13. Jahrhundert ändert sich das: Die entstehenden Städte und Bürgerschaften kümmern sich um die eigenen Kranken und Armen." So entwickle sich ein Sozialwesen, das auch kommunal gesteuert ist. "Insofern sind archäologische Reste des mittelalterlichen Spitals auch für die Stadt Amberg historisch gesehen von großer Bedeutung."

Bei Abbrucharbeiten auf dem Gelände in den 60er-Jahren seien die alten Keller verfüllt worden, so dass "die Umfassungsmauern des spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Spitals noch ganz gut erhalten" seien. Dass "so viel Massivbausubstanz vorhanden ist", sei schon eine Überraschung gewesen - zumal das Gelände von vielen Kanälen und Leitungen durchzogen sei.

Erste Funde, die älter sind als das Spital, gibt es bereits. Für Hensch ein Hinweis auf eine frühere Nutzung, "über die wir noch nichts sagen können, wie sie ausgesehen hat. Aber das finden wir schon noch raus". Der Experte hält es für denkbar, dass dieses Areal im Vorfeld der eigentlichen ältesten Amberger Siedlung liegt, mit einem Halbkreiswall nach Westen zur Vils angelehnt. Daraus habe sich die hochmittelalterliche Stadt entwickelt. Eine erste Erweiterung habe es nach Osten, Richtung St. Georg, gegeben, die dann mit einbefestigt worden sei. Eine zweite Erweiterung im 14. Jahrhundert habe auch den Spitalbereich mit einbezogen. (eik)
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