Aufreizendes Plakat an Hauswand in Amberg
Sittenwächterin legt nach

Die Nutzung als Etablissement ist Geschichte - darauf weisen die Plakate hin, die an dem Gebäude in der Sulzbacher Straße hängen. Das Transparent links im Bild ist nun zum zweiten Mal von einer selbsternannten Sittenwächterin attackiert worden. Bild: Steinbacher

Die Astsäge hat nur bis zur Hälfte gereicht. Deswegen mussten ein langer Besenstiel und ein Farbroller her. Die 53-Jährige, die bereits im November mit einem Gartengerät gegen ein Plakat in der Sulzbacher Straße vorging, wurde erneut aktiv.

Selten hat ein Plakat an einer Hauswand in Amberg solche Aufmerksamkeit erregt: Nachdem das Banner mit der leicht bekleideten Dame erst im November einem Anschlag zweier selbsternannter Sittenwächterinnen zum Opfer fiel (wir berichteten), wurde es in der Nacht auf Montag erneut beschädigt. Und zwar wieder von einer der beiden 53-jährigen, die bereits vor einigen Wochen zur Tat schritten.

Gleich zugegeben


Das weiß inzwischen Dietmar Weiß, Marketingleiter der Firma Kreativ Wohnbau, die das ehemalige Etablissement in der Sulzbacher Straße gekauft hat. Das Wohnungsbauunternehmen entkernt das marode Gebäude gerade, errichtet im nächsten Jahr auf der Rückseite einen Neubau, um 16 Eigentumswohnungen zu schaffen. Mit dem Transparent, das eine freizügig gekleidete Frau und den Slogan "Ich war gestern!" zeigte, wollte Kreativ Wohnbau bewusst zweideutig auf die Geschichte des Hauses und seine neue Nutzung hinweisen.

Zwei 53 Jahre alten Frauen - eine davon aus dem westlichen Landkreis Amberg-Sulzbach und eine aus dem Kreis Neustadt - ging diese Art der Werbung zu weit. Sie sahen sich gar zum Handeln gezwungen: Eine Polizeistreife überraschte sie in der Woche nach Allerheiligen nachts dabei, wie sie das Plakat mit einer Astschere bearbeiteten.

Am Montagmorgen nun war das, was von dem Fahnentuch übrig blieb, mit blauer Farbe beschmiert. Weiß schöpfte natürlich sofort Verdacht und rief bei der ihm inzwischen bekannten Rädelsführerin an, die die neuerliche Aktion seinen Worten zufolge auch gleich zugab. An dem zweiten Banner, das ein paar Meter tiefer hängt und gleichfalls tief blicken lässt - es zeigt ein Dekolleté mit den Worten "Wir bauen mit Balkon" - hatte die Sittenwächterin nichts auszusetzen. "Im Gegenteil. Das hat ihr gefallen", berichtet Weiß. Ob es an der Dirndltracht liegt? Auf eine Strafanzeige hat Kreativ Wohnbau verzichtet. Der Schaden war nach der ersten Attacke bereits beglichen worden.
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