Aufruf von evangelischem Pfarrer bringt Sanierung von katholischer Kirche voran
Spendenwelle für St. Katharina

"Ich find das echt toll." Zitat: Professor Hansjörg Biener

Hansjörg Biener wird sein Geld los. Der evangelische Pfarrer spendet 2000 Euro für die Sanierung der Friedhofskirche St. Katharina. Verantwortlich dafür sind die Amberger, die in den vergangenen sechs Wochen seine Herausforderung zur "Spenden-Challenge" annahmen.

"Für jeden Einzelspender, der zwischen dem 13. September und dem 15. November 50 Euro oder mehr für die Renovierung von St. Katharina gibt, lege ich zum Patrozinium 25 Euro drauf, maximal aber 2000 Euro", hatte Bieners Vorgabe gelautet. Seine Motivation dafür war die weiter bestehende Verbindung nach Amberg, wo er von 1995 bis 2000 die zweite Paulanerpfarrstelle innehatte. In dieser Funktion hielt er auch viele Trauergottesdienste in St. Katharina, wobei ihm das katholische Gotteshaus ans Herz wuchs. Heute ist der 54-Jährige Pfarrer im Schuldienst am Melanchthon-Gymnasium Nürnberg und außerplanmäßiger Professor für Religionspädagogik an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Die AZ berichtete am 13. September über Bieners Spenden-Verpflichtung. Seitdem zahlten 79 Privatleute und Firmen 7580 Euro auf das Konto ein. Zuletzt war es Stadträtin Emilie Leithäuser, die Geldgeschenke zu ihrem 75. Geburtstag in eine 750-Euro-Spende für die Kirche auf dem Katharinenfriedhof umwandelte.

Nicht kleinlich


Wer genau nachrechnet, kommt darauf, dass es eigentlich 80 Einzelspender bräuchte, um Bieners 2000-Euro-Obergrenze zu erreichen. Aber diese Form der Kleinlichkeit ist natürlich einem Mann fremd, der sich bei der tieferen Begründung seiner (jedes Jahr aufs Neue unter Beweis gestellten) Spendenbereitschaft auf die Bibel und deren Aussage "Der zehnte Teil gehört Gott" beruft. Noch vor den beiden Feiertagen Reformationstag und Allerheiligen anerkannte Professor Biener, dass die Amberger seine Vorgabe erfüllt haben. "Ich find das echt toll", reagierte er auf den Anruf der AZ. Das Geld will er in den nächsten Tagen überweisen.

Ich find das echt toll.Professor Hansjörg Biener

Fast fünfstellig


Damit sind es schon bald 9580 Euro auf dem Baukonto von St. Katharina. Sollten sich die Einheimischen dadurch angestachelt fühlen, die 10 000-Euro-Grenze noch zu knacken, hätte Biener natürlich auch nichts dagegen. "Aber ich kann kein weiteres Geld mehr versprechen", sagte er schmunzelnd.

Ihm wäre es ein Anliegen, dass die komplette Sanierung der seit 2012 gesperrten Kirche erfolgen könnte, ohne dass die bald notwendige Renovierung der Stadtpfarrkirche St. Georg hier zu einer Unterbrechung führt. Die genießt nämlich aus Sicht der Diözese Priorität, und dieser Umstand war den Ambergern von den Verantwortlichen in Regensburg als Grund genannt worden, warum man erst einmal nur die Außensanierung von St. Katharina genehmige. Deren Kosten schätzt man ebenso auf eine Million Euro wie die der Innensanierung. Und ohne die lässt sich Hansjörg Bieners Herzenswunsch erst einmal nicht erfüllen: "Es wäre schön, wenn die Kirche wieder geöffnet wäre."

Teilen statt Teilung Angemerkt von Markus Müller

Auf der Ebene der Kirchenführungen überlegt man noch, wie sich denn das Jubiläumsjahr des Lutherschen Thesenanschlags ordnungsgemäß mit der jeweils anderen Konfession feiern lässt (oder wo die Grenzen eines solchen Ansinnens sind). Derweil ereignet sich in Amberg etwas, das ökumenische Verbundenheit unter Christen mit einer wunderbaren Geste zum Ausdruck bringt: Ein evangelischer Pfarrer spannt sich selbst vor den Spenderkarren und versucht so, noch weitere Menschen in Richtung eines finanziellen Engagements für ein Gotteshaus zu ziehen, für dessen Erhalt eigentlich die katholische Kirche zuständig ist.

Weder Hansjörg Biener noch seine 79 Mit-Spender haben sich von den Berichten über den sagenhaften Reichtum des Bistums Regensburg davon abhalten lassen, Geld zu geben. Sie haben die Sache von St. Katharina zu ihrer eigenen gemacht und damit ein Zeichen gesetzt. Fast könnte man meinen, der Papst habe es gesehen. Denn Franziskus sagte am Montag in Schweden zum Auftakt der Feiern zum Gedenken an die Reformation, Katholiken und Protestanten dürften sich "nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurde". Wie anders wollte man das Trennende sicherer überwinden als durch das persönliche Beispiel?


Komplettsanierung oder Kosmetik?Wie geht es nun weiter mit der Sanierung von St. Katharina? Da Pfarrer Markus Brunner seit einigen Wochen die mündliche Zusage für die Umsetzung der Außenrenovierung hat, geht er davon aus, dass sie 2017 beginnt. Und dann? Erhält der Innenraum eine Komplettsanierung oder gibt es nur kosmetische Reparaturen? Da waren sich Pfarrei und Diözese zuletzt nicht einig. Bistums-Pressesprecher Clemens Neck konnte am Montag auch nichts Neues verraten: "Zurzeit liegen die Pläne und Anträge zur Finanzierung in der Bauabteilung, die alles gründlich prüft. Das ist wichtig, da ja Kirchensteuermittel ausgegeben werden sollen." Erst nach der Prüfung könne man die nächsten Schritte angehen.

Eine gute Nachricht hatte Neck für Sabine Walter. Sie hatte eine Unterschriftensammlung für die Sanierung initiiert und dabei 3135 Unterstützer gefunden. Sie möchte die Liste an den Bischof persönlich überreichen, hat aber auf ihr Schreiben von Anfang Oktober noch keine Rückmeldung erhalten. Laut Neck wird ihr darauf jetzt der Generalvikar eine Antwort schreiben.
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