Auftakt zur Serie über Amberger Altstadt-Nischen
Der Florian von der Unteren Nabburger Straße

Sankt Florian mit dem Löschkübel über dem Haus. So wird der Heilige gerne dargestellt. Bild: Moser

Eine Hausnische gehört zu einem Altstadthaus wie Hänsel zu Gretel. Zu sehen sind die meist rundbogigen Aussparungen in der Hausfassade aber nicht unten in der Ladenzone, sondern im ersten Obergeschoss, zwischen den Fenstern oder an den Hausecken. Insgesamt 120 solcher Heiligen-Nischen bereichern auch heute noch das Straßenbild. Ab heute stellen wir eine erlesene Auswahl dieser Figuren in der Amberger Zeitung vor. Samstags und immer auf den Stadt-Seiten.

Die Figuren sind zwar stumme Zeugen der Volksfrömmigkeit, können aber oft viel von der Geschichte des Hauses, den Namen oder sogar den Vorlieben der Hausbesitzer erzählen. An der Ecke Untere Nabburger Straße/Münzgäßchen entdecken wir einen Heiligen Florian. In voller Aktion sehen wir ihn mit seinem Wasserkübel über einem Haus. So wird er üblicherweise dargestellt.

Seit dem 15. Jahrhundert war Florian der Heilige, dessen Anrufung Schutz vor Brandschaden verhieß. Bis heute ist er als Schutzpatron vor Bränden in der Bevölkerung verankert, wozu die Feuerwehren als "Floriansjünger" vieles beigetragen haben. Die Hausgeschichte des Anwesens Untere Nabburger Straße 17 weist 1793 tatsächlich einen großen Brandschaden auf, so dass die Aufstellung einer Figur des Heiligen nach dem Wiederaufbau sinnfällig gewesen wäre.

Aber so einfach sind Nischengeschichten nicht. Kein Florian, sondern eine gipserne Madonna zierte die Nische bis 1976. Erst vor 40 Jahren, als das barocke Haus abgebrochen wurde und ein Neubau in ähnlichen Formen entstand, wurde die wiedererrichtete Nische mit der Floriansfigur bestückt. Auf Anregung des damaligen Stadtbrandrates Hans Platzer. Er beauftragte den Referendar für Kunsterziehung Berndt Trepesch (heute bekannter Künstler), einen Florian zu schnitzen.

Trepesch besaß den Stamm einer alten Linde vom Mariahilfberg, aus der er kunstfertig die Figur des Heiligen arbeitete. Das "gstandne barocke" Mannsbild mit dem nachgebildeten Haus zu seinen Füßen wurde dann im November 1979 statt der schadhaften Madonna aufgestellt und hat gottlob seinen Dienst seither klaglos und zur vollsten Zufriedenheit verrichtet.

Die Serie Amberger Nischen erscheint ab sofort immer samstags auf den Amberger Stadtseiten. Wenn Sie auch Nischen mit besonderen Geschichten kennen, melden Sie sich bei der Redaktion: redaz@zeitung.org
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