Autos nach Tschechien verschoben
Räder im kriminellen Getriebe

Es geht um organisierte Kriminalität und um Automobile, die in Deutschland angemietet und in ehemalige Ostblockstaaten verschoben wurden. Vor dem Amtsgericht sitzen nun drei Randfiguren dieser Bande, die von Berlin aus ihre gewinnträchtigen Geschäfte betrieb.

Amberg/Schwandorf. (hwo) Vor dem Landgericht Berlin werden demnächst vier lange über Telefonüberwachung ausgeforschte Ausländer Platz nehmen. Die in U-Haft sitzenden Männer gelten als Drahtzieher einer kriminellen Vereinigung, die teure Fahrzeuge anmietete und vornehmlich nach Tschechien brachte. Dort verschwanden die Limousinen spurlos. Als nun mehrere Hundert Kilometer weiter südlich vor dem Amberger Schöffengericht ein Prozess gegen drei Leute aus Baden-Württemberg, Franken und aus dem östlichen Kreis Schwandorf begann, offenbarte sich: Da saßen Beteiligte, die offenbar als Räder im verbrecherischen Getriebe fungierten.

Drei Männer im gesetzteren Alter. Ein 58-Jähriger aus dem Raum Schwandorf, ein 55-Jähriger aus Baden-Württemberg und ein 44 Jahre alter Übersiedler aus Franken. Wie kamen sie zueinander? Offenbar - doch das wird wohl erst in einer weiteren Prozessrunde näher erörtert werden - kannten sich aus Spielcasinos im tschechischen Rozvadov - Zocker also, die sich an Automaten und beim Poker die Zeit vertrieben. Der Verdacht liegt nahe.

Die meist nach Nebeneinnahmen suchenden Leute wurden offenbar angesprochen und bekamen dem Vernehmen nach ein eher bescheidenes Honorar für ihre Bemühungen in Aussicht gestellt. Dann begann, wie Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier jetzt in seiner Anklageschrift feststellte, eine gewerbs- und bandenmäßig begangene Betrügerei.

In Amberg und im sächsischen Chemnitz wurden zwei nahezu neuwertige Autos angemietet. Sie hatten einen Wert von zusammen 75 000 Euro. Die Pkw kamen über die tschechische Grenze. Dann tauchten sie nie wieder auf. In einem weiteren Fall geht es darum, dass bei der Polizei in Waidhaus ein Auto als gestohlen gemeldet wurde, welches angeblich zwischen Pilsen und Prag an einem Rastplatz stand. Eine Finte, wie die Behörden überzeugt sind. Als nun die Verhandlung begann, gab es zunächst ein von den Verteidigern erbetenes Rechtsgespräch. Es dauerte nahezu eine Stunde und führte zu keiner Einigung im Hinblick auf die Strafen. Wieder im Sitzungssaal, legte nur einer der drei Beschuldigten ein Geständnis ab.

Der Mann aus Baden-Württemberg gab seine Mittäterschaft zu und machte gleichzeitig psychische Einschränkungen für die Tatzeit im August vergangenen Jahres geltend. Das war neu. Weil aber im Rechtsstaat alles seine Ordnung haben muss, wurde eine psychiatrische Begutachtung des 55-Jährigen vom Gerichtsvorsitzenden Markus Sand angeordnet. Erst wenn das Gutachten vorliegt, kann an eine weitere Verhandlung gedacht werden.
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