Baby ohne Geburtsurkunde
Lange Wartezeiten

Vier Wochen wartete der kleine Benjamin auf seine Geburtsurkunde, obwohl alle Unterlagen vollständig beim Standesamt waren. Die Stadt begründete die lange Zeit mit personellen Engpässen und der Zunahme an Auslandsbeteiligungen, die aufwendige Nachfragen erfordern würden. Bild: roa

Benjamin schläft selig und gibt ein seufzendes Geräusch von sich. Als wenn das Baby wüsste, was sich derzeit um seine Person abspielt. Vier Wochen mussten die Eltern auf seine Geburtsurkunde warten, obwohl sie bereits direkt im Krankenhaus alle Unterlagen vollständig abgegeben hatten.

"Wie kann das sein?", fragt seine Mama Sandra (Name geändert). Warum dauert es so lange, eine Geburtsurkunde auszustellen? Ihr Baby kam an einem Donnerstag Mitte Mai im Klinikum St. Marien auf die Welt. Noch von der Geburt ihrer Tochter vor drei Jahren hatte sie im Gedächtnis, dass relativ zeitnah die Geburtsurkunde am Standesamt abgeholt werden könne. Gleich am Montag ging ihr Mann zur Behörde. Dort habe er allerdings die Auskunft erhalten, dass noch 50 Geburtsurkunden vor ihm dran wären. Er solle in drei Wochen wiederkommen, sei ihm gesagt worden, erklärt Sandra. Zum vereinbarten Zeitpunkt rief die junge Mutter wieder auf dem Amt an. "Dann hat es geheißen, dass noch 23 vor uns dran wären. Was ist das für ein Bearbeitungsschnitt am Tag? Ich weiß nicht, was so umständlich an so einer Urkunde ist", ärgert sie sich.

Ohne Urkunde kein Geld


Die Bescheinigung ist natürlich nicht nur wichtig für das Familienstammbuch, sondern wird auch benötigt, um Anträge, beispielsweise für das Elterngeld, zu stellen. Ohne diese ausgefüllten Formulare gibt es auch keine Moneten. "Ich kann mir vorstellen, dass das viele Eltern ärgert, zumal manche ja auch darauf angewiesen sind, dass das Geld pünktlich überwiesen wird", sagt die Mutter.

Stadt-Pressesprecherin Susanne Schwab bestätigt die langen Wartezeiten. "Das liegt an mehreren Dingen, unter anderem an personellen Engpässen", erklärt sie. Krankheiten und Urlaubszeit nagen derzeit an den Mitarbeiter-Ressourcen. "Hinzu kommt, dass die Bearbeitungsdauer für einzelne Urkunden immer mehr Zeit in Anspruch nimmt. Es sind schwierige Fälle dabei, solche die Nachfragen erfordern, zum Beispiel bei Auslandsbeteiligungen." Der Umfang nehme immer weiter zu. "Die schaffen es momentan einfach nicht schneller", gibt Schwab unumwunden zu. Zwar seien bereits personelle Aufstockungen in Planung, jedoch könne ihrer Aussage nach der Amtsleiter nicht versprechen, dass sich die Situation in den nächsten beiden Monaten verbessern werde.

Per Einschreiben zugestellt


Für den kleinen Benjamin hat sich die Sache allerdings mittlerweile erledigt. Am selben Tag, als sich seine Mutter an die Amberger Zeitung wandte, bekam sie die Urkunde zugestellt - per Einschreiben.

So läuft's im KlinikumKommt ein Kind im Klinikum St. Marien auf die Welt, führt der erste Weg der Eltern - meistens des Vaters - in das im Haus befindliche Geburtenregister. Damit nach der Entbindung die Geburtsurkunde für das Baby beantragt werden kann, benötigen ledige Mütter die eigene Geburtsurkunde und Verheiratete das Stamm- oder Familienbuch. Im Geburtenregister werden alle Unterlagen gesammelt und an das Standesamt weitergeleitet. Fehlen Dokumente, sind vonseiten des Standesamtes aufwendige Nachfragen erforderlich. (roa)
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Karl-Heinz Gleißner aus Mitterteich | 19.06.2016 | 21:31  
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