Barbara-Grundschule feiert 50-Jähriges und übt auch Kritik
Fest mit Frust, Dank und Lob

254 Buben und Mädchen hat die Barbara-Grundschule in Ganztags- und Regelklassen. Ferner gibt es drei Übergangsklassen für Kinder mit Migrationshintergrund. Dass die Integration klappt, zeigten viele beim Schulfest, als sie zum Beispiel ein Memory mit Amberger Motiven spielten.
 
Neben Barbara-Spiel der Kinder, Poesie und Musik blickten die Ex-Lehrerinnen Margret Möbius und Annette Weber launig auf ihre Schulzeit zurück.

"Wir wollen aufsteh'n, aufeinander zugeh'n, voneinander lernen, miteinander umzugeh'n." Das sangen die Buben und Mädchen der Barbara-Grundschule am Freitagmorgen zu Beginn ihres Schulfestes, in das sie mit einem interkulturellen Gebet starteten.

Damit drückten sie die Vielfalt der Nationen und Religionen aus, die hier seit 50 Jahren versammelt sind. Tatsächlich hat die Barbaraschule durch ihr Einzugsgebiet mit dem internationalen Bergsteig und Milchhof-Viertel sowie der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber seit Jahrzehnten ein multikulturelles Schülerspektrum. Das kam beim Schulfest und schon bei Aktionen für die Kinder während der ganzen Woche zum Ausdruck. Dabei standen Spiel und Verständigung im Mittelpunkt, die diese Schule besonders prägen.

50 Jahre Barbaraschule: Das ist natürlich ein Grund zum Feiern. Das Jubiläum bot für die neue Chefin Elke Schmidt aber auch Gelegenheit, Kritik anzubringen. Sie sieht eine gewisse Ungleichbehandlung ihrer Schule gegenüber anderen. Das schrieb sie den Vertretern von Stadt und Politik beim Festakt am Donnerstag ins Stammbuch.

Moment: Was heißt Politik? Bis auf Martin Preuß (CSU), der als Bürgermeister kam und weniger als Repräsentant seiner Partei, glänzten alle Fraktionen im Stadtrat mit Abwesenheit. Auch das monierte Schmidt und wunderte sich über die nach ihrer Auskunft (private) Aussage eines Ratsmitglieds, dem der veränderte Eingangsbereich der Schule "nicht sonderlich sinnvoll und optisch gelungen" erschien. Dort waren laut Schmidt wegen Sicherheitsmängeln "im Schnellstverfahren" tatsächlich eher billige Platten verlegt worden, die den zitierten Stadtrat ans "östliche Europa" erinnerten, ebenso der unrenovierte erste und zweite Stock mit zahlreichen offen sichtbaren Kabelkanälen. "Aber wir sind dankbar", meinte Schmidt, die dennoch weitere Beispiele zum "Ist-Zustand" der Grundschule anfügte, "die seit etlichen Jahren auf ihre Generalsanierung wartet".

Nicht falsch verstehen


So dürfe die "riesengroße Eingangshalle trotz ganztägiger Anwesenheit von Kindern nicht für irgendetwas Sinnvolles wie wenigstens Sitzgelegenheiten oder einen Kicker genutzt werden". Das sei erst möglich, wenn bei einer umfassenden Sanierung auch das Brandschutzkonzept geändert werde. "Bitte verstehen Sie mich nicht falsch", betonte die Konrektorin, die im März offiziell die Nachfolge des in den Ruhestand verabschiedeten Berthold Göttgens angetreten hat. "Aber nach vier Monaten in der Schulleitung und den durchlebten Erfahrungen halte ich es für meine Aufgabe, die Situation ehrlich zu schildern: Wir haben mit den Beamern und Dokumentenkameras ein wunderbares Geschenk erhalten, aber es gibt hier noch viel zu tun."

Ein Beispiel dafür waren die angeschlagenen Decken, an denen die neue Technik nur mit Mühe und Kostenüberschreitungen von 40 Prozent befestigt werden konnte. Letztere seien aus dem eigenen Etat beglichen worden, "der auch für Spielgeräte im Pausenhof verwendet werden könnte". "Wen wundert es, dass Frust Einzug hält, wenn die Stadt den Gerechtigkeitsfaktor anlegt, der besagt, dass jede Schule - egal, ob renoviert oder nicht, egal, wie der Grundzustand ist - bei der Mittelverteilung gleichgesetzt wird", warf sich Schmidt für ihr Haus in die Bresche und erntete von ihren Kollegen viel Beifall für ihre engagierte Rede - auch beim anschließenden Empfang. (Angemerkt)

Hintergrund"An unserer Schule gibt es zahlreiche Kinder, die Dinge erleben müssen, die wir selbst als Erwachsene nicht erleben wollen. Es gibt Kinder, die Gewalt erfahren, die mit großer Sorge um die Eltern, mit Beziehungsschwierigkeiten im oft alleinerziehenden Elternhaus und auch mit finanziellen Nöten aufwachsen müssen." Auch das verhehlte Elke Schmidt beim Festakt nicht, die es trotz aller genannten Probleme schaffte, ein positives Bild ihrer Schule zu zeichnen.

"Wir haben hier ein Kollegium, das mit hohem Ethos und enormer Verantwortung bei der Förderung unserer Kinder tätig ist", lobte sie ihre Lehrkräfte, die zusammenhielten, "damit unsere Kinder Bildungs- und Persönlichkeitskompetenzen erlangen". In diesem Kontext dankte Schmidt auch den Kooperationspartnern im Ganztagsunterricht, der Jugendsozialarbeit, den Leiterinnen der drei Hausaufgabengruppen für Kinder mit Migrationshintergrund und den ehrenamtlichen Lesepaten. Sie alle zeigten ihre Überzeugung, dass folgendes Zitat von Nelson Mandela zutreffe: "Bildung ist das wirkungsvollste Mittel, um die Welt zu verändern." An der Barbarschule kommt das soziale Lernen hinzu, das für Schmidt "ein wesentlicher Kern unserer Arbeit ist". (ath)
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