Bei Oranje sieht er Rot

Portugal mag er. Auch dem Britischen Königreich ist der Amberger verbunden. Wenn er aber von Holland und dessen Bürgerschaft hört, gehen sämtliche Gäule mit ihm durch. Das hat nun wieder einmal die Justiz beschäftigt.

Richterin Roswitha Stöber und mit ihr zwei Schöffen der 2. Strafkammer hatten da jemand vor sich, der mit seiner Bildung nicht hinter dem Berg hielt. Der Mann, mehrerer Fremdsprachen kundig, gab Kostproben seiner Portugiesisch-Kenntnisse, er sprach auch von Ihrer Majestät der englischen Königin und brachte die Rede auf Kaiser Wilhelm II. seligen Angedenkens. Damit wurde allerdings abgeschweift von eigentlichen Thema. Es lautete: Die Niederlande und ihre Bewohner.

Wenn es um Oranje geht, hört für den 65-Jährigen jeglicher Spaß auf. In Amberg weiß man das schon. Vor Jahren bereits hatte der Mann Schreiben an Leute wie Landrat Richard Reisinger und den Nürnberger OB Ulrich Maly verschickt, um sie zur "Erschießung" des damals 107 Jahre alten und am Starnberger See wohnenden Operettensängers Johannes Heesters einzuladen. Die Briefe waren unterzeichnet mit "Union der Niederländer-Hasser", sie kamen angeblich von der "Unterabteilung Lauterachtal". Heesters kam damals unter Dauerbewachung der Polizei.

Schon seinerzeit hatte ein Amtsrichter dem der Volksverhetzung angeklagten Amberger gehörig die Leviten gelesen und eine Haftstrafe mit Bewährung verhängt. Zur Ahndung gehörten in diesem ersten Verfahren auch Todesdrohungen gegenüber der holländischen Monarchin Beatrix und die Ankündigung von Attentaten auf oberpfälzische Campingplätze, die gerne von Urlaubern aus den Niederlanden besucht werden.

Flugblätter voller Hass


Die verbalen Ausuferungen gingen weiter. Im letzten Jahr lagen plötzlich handgeschriebene Flugblätter in acht Briefkästen an der Marienstraße. Darauf stand sinngemäß, es bedürfe dringend "der Deportation aller Holländer in Konzentrationslager wie Auschwitz". Der Urheber war, weil amtsbekannt, rasch ausgemacht und wurde vor das Amtsgericht zitiert. Ergebnis: 14 Monate ohne Bewährung, "da unbelehrbar." Samt seinem Anwalt Jürgen Mühl ging der Rentner in Berufung zum Landgericht. Dort gab er seine Abneigung gegenüber den Menschen aus den Niederlanden unumwunden zu, machte das an der unliebsamen Begegnung mit einem Holländer während einer Urlaubsreise fest und erzählte wortreich, wie auch schon seine Cousine aus Gelsenkirchen, die "mit diesen Leuten schlechte Erfahrungen gemacht hat".

Ganz zu schweigen von einem Finanzamts-Bediensteten, der ihm erzählt haben will, irgendwo zwischen Amsterdam und Maastricht keinen Film für seine Kamera bekommen zu haben. Da, floss in die Debatte ein, sehe man, wie es um das Volk der Niederländer bestellt sei.

Die Richterin bremste den Redefluss bisweilen und warf ein, dass es solchermaßen keinesfalls zugehen könne. Dies unterstrich der 65-Jährige reumütig und bedeutete der Vorsitzenden, wohl wieder einmal eine "emotionale Entgleisung" hingelegt zu haben. Nicht lange danach hörte die Strafkammer von dem Psychiater Thomas Lippert: "Ein Mann mit krankhafter seelischer Störung und einer Wahnvorstellung gegenüber Holländern". Staatsanwältin Franziska Bücherl beharrte darauf: "14 Monate Haft ohne Bewährung." Im Gegensatz dazu war Verteidiger Mühl der Ansicht, man könne seinem Mandanten eine letzte Chance geben. Die bekam er dann auch.

Die Richter verhängten ein Jahr Haft mit Bewährung, schickten den Mann zu 200 gemeinnützigen Arbeitsstunden und gaben ihm auf, regelmäßig einen Nervenarzt zu konsultieren. Das will er tun, sich künftig zurückhalten und - wenn überhaupt angesichts seiner kargen Rente - "Urlaub im schönen Portugal machen."

Rieu mag er auch nicht


Beim Abgang schrieb Richterin Stöber dem beschwingt zur Saaltür strebenden Mann ins Stammbuch: "Wenn das jetzt nichts hilft, ist es endgültig aus. Dann müssen sie rein." Kaum war er fort, wurde kurz noch darüber diskutiert, dass Johannes Heesters ja gestorben ist und Königin Beatrix ihr Amt abgegeben hat. Aber André Rieu lebt. Den Geigenmeister, so hatte sich im Prozess herausgestellt, kann der Amberger auch nicht leiden. Dafür aber Peter Alexander und Roy Black.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.