Bei Wind und Wetter im Wasser
450 Kilometer Fluss im Test

Ohne Gummistiefel, Wathose und Vermessungsstab kann Christopher Trepesch zurzeit nicht in die Arbeit. Bis März feilt er an einer Gewässerkartierung. Die Daten erfasst er für das Landesamt für Umwelt. Sie nutzen aber auch der Arbeitsgemeinschaft Vils-Allianz, die alle Akteure vereint: Fischereivereine, Angler, Bund Naturschutz, Kanuten, Arbeitsgemeinschaft Obere Vils/Ehenbach (AOVE), Alpenverein, Landesbund für Vogelschutz und Privatpersonen, zum Beispiel die direkten Anlieger.
 
An diesem Tag hat Christopher Trepesch Glück - weder Dauerregen noch Schneestürme erschweren seine Arbeit. Passt das Wetter, schafft er es, sieben bis acht Kilometer Fluss zu prüfen. Bilder: Wolfgang Steinbacher (4)

Normalerweise plant er öffentliche Parkanlagen, Hausgärten oder, wie zuletzt in Ursensollen, das Umfeld eines ehemaligen Bahnhofs. Als selbstständiger Landschaftsarchitekt steht Christopher Trepesch mit beiden Füßen im Leben - seit September regelmäßig aber auch im Wasser. Bis März muss er 450 Kilometer Fließgewässer untersuchen. 312 davon hat er schon.

Der 34 Jahre alte Amberger ist kaum zu übersehen. Das liegt nicht an seiner dunkelblau-orange-türkisen Strickmütze, seiner Tarnfarben-Brille oder dem Tablet, das er mit einem Band gesichert um den Hals trägt, sondern daran, dass außer ihm kein Mensch mit einem Vermessungsstab mitten in der Vils steht. Im Auftrag des Landesamtes für Umwelt erstellt Trepesch in Stadt und Landkreis eine Gewässerstruktur-Kartierung, die - mit Ausnahme der Wasserqualität - alle wesentlichen Daten der Flüsse und Bäche enthält. Denn die Vorgabe der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie ist eindeutig: Alle Fließgewässer sollen sich in einem möglichst guten Zustand befinden.

"Dafür muss man erstmal den Bestand aufnehmen", sagt Christopher Trepesch, der perfekt ausgestattet ist. Der wasserdichte Computer enthält historische Karten, etliche Luftbilder, die zur Orientierung dienen und ein GPS-Programm. Dadurch kann der Landschaftsarchitekt genau bestimmen, wo er Bach und Fluss untersuchen muss. Schließlich schreiben EU und Landesamt vor, dass alle 100 Meter ganz genau hingeschaut wird. "Ich mache auch Fotos. Die wollen jeden Parameter bewiesen haben."

Fisch soll laichen können


Es geht zum Beispiel darum, wie tief und breit ein Fließgewässer ist und wie groß sich das Verlagerungspotenzial darstellt. Mit anderen Worten: An jedem steilen Ufer gibt es Abtragungen, die sich an anderer Stelle wieder ablagern. Das wäre die natürliche Dynamik eines Fließgewässers. Trepesch: "Oft kommt es jedoch nicht dazu, weil Verbauungen das verhindern." Und genau das muss der 34-Jährige notieren. Gleiches gilt für die Beschaffenheit der Sohle: "Ich schaue vor allem, ob feiner Kies vorhanden ist, in dem die Fische ablaichen können. Bei einer glatten Betonsohle kann kein Fisch laichen."

Besonders spannend sind Stellen, in denen sich ein Querbauwerk im Wasser befindet - zum Beispiel das Drahthammer Wehr, das sich Trepesch gerade anschaut: "Dabei ist es wichtig, zu prüfen, ob es durchgängig ist." Soll heißen: Kommen Fische an dem Hindernis vorbei? In diesem Teil der Vils lautet die klare Antwort: Nein! Der Experte freut sich dennoch: "Zum Glück gibt es den Umgehungsbach. So können die Fische am Wehr vorbeischwimmen." Funktioniert das nicht, kämen die Tiere nicht weiter, der 34-Jährige müsste das notieren und dafür sorgen, dass Kommune oder Wasserwirtschaftsamt handeln - je nach Zuständigkeit. Am Drahthammer Wehr ist aber alles in Ordnung und der Landschaftsarchitekt zufrieden. Ähnlich verhält es sich mit dem Wehr in Kümmersbruck, wo die Fische in den Krumbach umgeleitet werden.

87,4 Kilometer Vils


Seit dieser Woche hat der Amberger 312 Kilometer hinter sich, also ist er 3120 Mal mit beiden Beinen ins Wasser gestiegen. Die Vils, die von Kleinschönbrunn bis zur Einmündung in die Naab bei Kallmünz exakt 87,4 Kilometer lang ist, gehört nicht allein zu Trepeschs Aufgabengebieten: Ammerbach und Fiederbach muss er genauso überprüfen wie die Lauterach, die Schmalnohe bei Vilseck und den Ringelmühlbach bei Freihung. Apropos Vilseck und Freihung - von dort aus ist es nicht mehr allzu weit bis zum Grafenwöhrer Truppenübungsplatz, durch den sich rund 35 Kilometer Fließgewässer schlängeln.

Ich mache auch Fotos. Die wollen jeden Parameter bewiesen haben.Christopher Trepesch über das Landesamt für Umwelt

Für Christopher Trepesch keine leichte Aufgabe, aber eine interessante: "Ein Bach geht komplett durch den Sicherheitsbereich eines Schießstandes, der dauernd benutzt wird." Also musste der 34-Jährige warten. Bis die Soldaten am 22. und 23. Dezember eine Pause machten. Dann durfte der Landschaftsarchitekt ins Gelände - begleitet von Sicherheitspersonal. Das für den Experten zufriedenstellende Übungsplatz-Ergebnis: "Der Bach hat sich sein eigenes Bett gesucht." Trepesch ist kein Freund von großen Eingriffen durch den Menschen: "Durch Begradigungen werden Fließgewässer immer tiefer. So tief, dass sie oft gar nicht mehr ausufern." Der Bruckwiesengraben bei Hiltersdorf sei so ein abschreckendes Beispiel: "Der ist komplett gepflastert." Der Graben und weite Strecken des Gebenbachs seien bei der Gewässerstruktur mit Stufe 7 bewertet - die schlechteste, die es gibt.

Aber an vielen Bächen seien Verbesserungen zu spüren - auch durch das Wirken der Vils-Allianz. Der bisher beste Bach (Stufe 1) ist die Frankenohe im Truppenübungsplatz Grafenwöhr. "Mal sehen, wie es dann am Forellenbach in Hohenfels aussieht" - der kommt als nächstes dran.
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