„Benefizspiel des Jahres“ für Bundesverband Schädel-Hirnpatienten in Not
Das Schicksal verbindet mit Rennfahrer Michael Schumacher

Der ehemalige Landtagsabgeordnete und Amberg-Sulzbacher Landrat, Armin Nentwig, blättert nachdenklich in alten Unterlagen. Er dokumentierte das Schicksal seines Sohnes Wolfgang. "Auch im Wachkoma fühlte, lebte und spürte er." Bild: Fütterer
 
Ein Bild aus besseren Tagen: Michael Schumacher (rechts) und Renn-Kollege Sebastian Vettel von den "Nazionale Piloti" jubeln zusammen am 18. Juli 2012 beim "Kick für Kinder" in der Commerzbank-Arena in Frankfurt am Main nach einem Treffer. Archivbild: dpa

Sekunden, die alles ändern. Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher (47) erlitt beim Skifahren im Dezember 2013 schwerste Kopfverletzungen. Wolfgang Nentwig (24) starb 1988 an den Folgen eines Lawinenunglücks. Sein Vater Armin Nentwig macht die Versorgung von Schädel-Hirn-Patienten zur Lebensaufgabe. Die Familie Schumacher krönt die Arbeit des Ambergers.

"Herrgott, das versprech' ich dir: Diesen Zustand ändere ich." In Armin Nentwig werden die Erinnerungen an jene dramatischen Wochen im Frühjahr 1988 gegenwärtig, als sich kein einziges Krankenhaus in Deutschland in der Lage sah, seinen Sohn Wolfgang als Wach-Koma-Patienten aufzunehmen.

Der damalige Landtagsabgeordnete kämpfte im Alleingang für eine flächendeckende medizinische Versorgung der Gehirn-Verletzten. Heute gibt es in Deutschland mehr als 250 Kliniken, die sich dieser Patienten annehmen. "Die sogenannten Apalliker waren damals zum Tod verurteilt. Sie landeten meistens in den geschlossenen Abteilungen der Psychiatrie und starben elend." Der hartnäckige Einsatz des Ambergers bewirkte in der Folge eine "raketenhafte Entwicklung" der neurologischen Reha-Maßnahmen.

Nentwig gründete - mit Sitz in Amberg - den Bundesverband Schädel-Hirnpatienten in Not. In rund 50 000 Fällen leistete der Verband seitdem mit detaillierten Beratungsangeboten konkrete Hilfe und Begleitungen bis hinein in die einzelnen Reha-Phasen. Die NT/AZ vorliegende umfangreiche "Erstinformation für Angehörige von Menschen mit schwersten Schädel-Hirnverletzungen und Menschen im Koma/Wachkoma und danach" ging auch an die Familie Schumacher.

"Champions for Charity"


Daraus entwickelte sich ein Kontakt zur langjährigen Managerin und Medienberaterin Michael Schumachers, Sabine Kehm. "Es ist sicher im Sinne der Familie Schumacher, unseren Verband beim Charity-Fußballspiel am 27. Juli in Mainz zu berücksichtigen", bestätigt Nentwig auf Nachfrage.

Quasi als "Warm-up" für das Formel-1-Spektakel am 31. Juli am Hockenheimring steigt das Promi-Match mit Zehntausenden Zuschauern. Der Reinerlös des Fußballfests geht - je zur Hälfte - an Dirk Nowitzkis Initiative BasKIDball von iSo e.V. und an den Verband Schädel-Hirnpatienten in Not, dessen Vorsitzender Armin Nentwig von Anbeginn ist. Zu Ehren Michael Schumachers, der bis zu seinem Unfall passioniert bei den "Nazionale Piloti" kickte, tritt die "Fußballnationalmannschaft der Rennfahrer" mit Kapitän Sebastian Vettel gegen "Dirk Nowitzki all Stars" an.

Mick Schumacher spielt


Bei dem Benefizspiel (Anpfiff am 27. Juli um 19 Uhr) "Champions for Charity" schnüren die Fußballstiefel u.a. Lukas Podolski, Ski-Ass Felix Neureuther, Fernando Alonso, die Boxer-Legende Henry Maske, Paulo Sérgio, Sven Hannawald, Gerald Asamoah, Felipe Massa und Mika Häkkinen. Sozusagen in die Fußstapfen seines berühmten Vaters auf dem Rasen tritt Formel-4-Rennfahrer Mick Schumacher (17), der erstmals das Trikot der "Nazionale Piloti" trägt.

Am 30. Juni traf sich Nentwig mit Schumacher-Beraterin Sabine Kehm in München-Schwabing. "Das Benefizspiel ist ein wunderschönes, menschliches und solidarisches Dankeschön der Familie Schumacher an die Schicksalsgemeinschaft der Schwerst-Betroffenen. Dies ist für unseren Selbsthilfe-Verband ein großartiges Geschenk."

Bundesverband Schädel-Hirnpatienten in NotAnnähernd 3000 Mitglieder zählt der Bundesverband Schädel-Hirnpatienten in Not e. V., darunter die Liedermacher Reinhard May und ehemalige Handballspieler Joachim "Jo" Deckarm. Jährlich einmal finden sich zu der mehrtägigen Hauptversammlung in Amberg Neurologie-Kapazitäten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum ein. "Ich konnte aus meiner persönlichen Betroffenheit heraus etwas bewegen", sagt der Gründer Armin Nentwig rückblickend. Der heute 72-Jährige bewerkstelligte in zähem Ringen den kompletten, flächendeckenden und durchgängigen Aufbau der neurologischen Rehabilitation in Deutschland. Nentwig: "Es gab hier nichts." Er ist überzeugt, dass die Therapeuten und die aktiven Pflegekräfte die Hauptarbeit bei der Reha leisten.

Der durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanzierte Bundesverband hat seinen Sitz in der Bayreuther Straße 33 in Amberg. (cf)


Das Benefizspiel ist ein wunderschönes, menschliches und solidarisches Dankeschön der Familie Schumacher an die Schicksalsgemeinschaft der Schwerst-Betroffenen.Armin Nentwig, Vorsitzender des Bundesverbands Schädel-Hirnpatienten in Not e. V. (Amberg)
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