Bilanz der Hilfsorganisation Sea Eye
Im Sommer 4000 Leben gerettet

Volker Ignatz von der Hilfsorganisation Sea Eye freute sich über den 1500-Euro-Scheck von Sparda-Bank-Filialleiterin und Sabine Seberak. Mit diesem Betrag kann ein Tag auf hoher See finanziert werden. Bild: wpt

Ein Fischkutter hat eine Besatzung von fünf Mann. Wird er als Flüchtlingsboot verwendet, "dann werden dort 130 bis 140 Menschen eingepfercht", stellte Ignatz Volker gegenüber. Der Amberger warb im Kunstkombinat für seine Organisation Sea Eye.

Amberg. (wpt) "Der Verein wurde von Leuten gegründet, die selbst gerne Urlaub am Mittelmeer machen und denen ziemlich schnell bewusst wurde, dass sich große Dramen nur wenige hundert Kilometer vor der Küste Italiens abspielen", erklärte Volker Ignatz. Im Herbst 2015 erwarb die Initiative um den Regensburger Unternehmer Michael Buscheuer einen alten Fischkutter aus der ehemaligen DDR und rüstete ihn für den Zweck der Seenotrettung um. Seitdem hält die Sea Eye Ausschau nach überfüllten und seeuntüchtigen Booten, die Gefahr laufen zu kentern.

"Die Boote, die wir dort im Mittelmeer antreffen, kann man leider nur noch als fahruntüchtige Seelenverkäufer bezeichnen. Es sind teilweise Schlauchboote, die bis zu 140 Menschen an Bord haben, was verheerende Folgen haben kann. Da reicht ein winziges Loch oder eine kleine Welle, damit Panik ausbricht", schilderte Volker Ignatz. Die Crew der Sea Eye versorgt Menschen im Wasser mit Rettungswesten und versucht, die instabilen Boote mit Rettungsinseln zu entlasten. "Alle Mitglieder, die bei Sea Eye aktiv sind, opfern ihre eigene Zeit und investieren ihr eigenes Geld, um nach Malta zu fliegen und dort Menschen in Not zu helfen. Das Schöne ist, dass sich Menschen aus ganz Deutschland und aller Altersklassen engagieren." Die Bilanz der Arbeit von Sea Eye könne sich sehen lassen. Bis zum 31. August dieses Jahres war es der Initiative möglich, knapp 4000 Menschen zu retten.

"Die Organisation ist komplett von Spenden finanziert. In diesem Jahr benötigen wir rund 250 000 Euro, um für Diesel, Logistik, Unterkunft, Verpflegung und vieles mehr aufzukommen. Das ist eigentlich nicht viel, wenn man bedenkt, dass dafür 4000 Menschenleben gerettet werden konnten", erklärte der Amberger.

Ein Tag auf hoher See kostet im Schnitt circa 1500 Euro. "Leider ist noch lange kein Ende in Sicht. Jeden Tag riskieren Menschen alles, um über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen, weil sie es in ihrem eigenen Land nicht mehr aushalten", betonte Volker Ignatz. Sabine Seberak, Filialleiterin der Sparda-Bank, hatte eine besonders freudige Überraschung für den Verein parat. "Weil wir es sehr wichtig finden, was Ihre Initiative tut, haben wir uns dazu entschlossen Ihnen einen Tag auf hoher See zu finanzieren", sagte sie und überreichte Volker Ignatz einen Spendenscheck über 1500 Euro.
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