Brigadekommandeur übergibt Kommando im Oktober
Von Amberg nach Afghanistan

Brigadegeneral André Bodemann war gerne in Amberg. "Da kann ich auch für meine Frau sprechen, wir haben uns hier sehr wohlgefühlt", sagt er. Im Oktober wird sich der gebürtige Westfale aus der Oberpfalz verabschieden und für ein Jahr nach Afghanistan gehen. Bild: Hartl

Wer Abschied nehmen muss, spricht häufig von einem lachenden und einem weinenden Auge. André Bodemann weiß, dass es bei ihm anders sein wird. Er gehe mit zwei weinenden Augen. "Ich habe mich hier immer wohlgefühlt", bekennt der scheidende Kommandeur der Panzerbrigade 12.

Am 31. Juli 2014 hat André Bodemann die "Zwölfer" übernommen, am 11. Oktober wird er sie abgeben. Auch wenn er weiß, dass man als Brigadekommandeur das Kommando im Schnitt zwei, maximal drei Jahre hat, fällt ihm der Abschied dennoch schwer. Und daraus macht er auch überhaupt kein Hehl. "Ich war genau im Zeitplan", sagt er über seine Verwendung an der Spitze der Panzerbrigade 12 Oberpfalz. Außerdem sei er dankbar, dass er sogar länger als sein Vorgänger in der Leopoldkaserne sein durfte.

Von Amberg wird André Bodemann (51), der verheiratet und Vater einer Tochter ist, nach Afghanistan gehen, für ein Jahr nach Masar-i-Sharif, im Norden des Landes gelegen. Seine Frau sei davon nicht sehr begeistert gewesen, gibt er unumwunden zu. "Eine lange Trennung ist nie schön", sagt er. Und natürlich sei auch die Angst da. Bei ihm selbst sei es nicht Angst, "sondern Respekt vor der Aufgabe". In dem Land am Hindukusch wird er ein Kontingent mit rund 2000 Soldaten aus 20 Nationen führen. Wesentlicher Auftrag sei, die afghanischen Streitkräfte zu beraten.

"Wir führen keine eigenen Operationen durch." Das heißt aber nicht, dass der Einsatz gänzlich ungefährlich ist. "Wir sind auch temporär in Kundus, einer Stadt, die erneut umkämpft ist." Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen, die greifen, ist dem General eines bewusst: "Man kann sich nie zu 100 Prozent vor terroristischen Angriffen schützen." Über Afghanistan heiße es oft, dass dort alles schlecht sei, viel Schlimmes passiere. Doch Bodemann wirbt auch darum, gerade für dieses Land Geduld mitzubringen. "Die Bundeswehr, wie wir sie heute kennen, ist auch nicht von heute auf morgen entstanden."

Beruhigendes Gefühl


Für Soldaten, die im Auslandseinsatz sind, ist es nach Angaben des Kommandeurs ein beruhigendes Gefühl, zu wissen, dass sich daheim jemand um ihre Angehörigen kümmert. Die Familienbetreuungszentren zum Beispiel. Kontakt zur Heimat zu halten, ist wichtig. Heutzutage geht das problemlos, per E-Mail, übers Telefon, über Skype. "Das ist natürlich schön", sagt der Kommandeur.

"Der eine oder andere Soldat greift aber auch wieder zu Kugelschreiber und Füller und schreibt Briefe", weiß Bodemann aus Erfahrung. Und natürlich freuen sich die Bundeswehr-Angehörigen über Post aus der Heimat. "Der Vorteil von einem Brief ist, dass man ihn immer und immer wieder lesen kann." Auslandsmissionen verändern auch die Wahrnehmung, die Wertschätzung für alltägliche Dinge wird größer. "Wenn man zurück kommt aus dem Einsatz, weiß man Kleinigkeiten wieder zu schätzen: In einem Straßencafé zu sitzen, ohne sich bedroht zu fühlen."

Keine Hinterwäldler


André Bodemanns Erfahrung ist, dass die deutschen Soldaten in Afghanistan einen guten Ruf haben. "Man muss vernünftig mit den Menschen umgehen", wirbt er um Verständnis für die dortige Bevölkerung. "Man darf sie nicht behandeln als wären sie Hinterwäldler wie vor 200 Jahren." Eine andere Kultur, die ein anderes Verständnis erfordert: Bodemann erklärt es am Beispiel der Korruption. Afghanen empfinden Bestechlichkeit als nichts Verwerfliches, sondern sehen darin einen ganz normalen Tauschhandel: "Ich gebe dir was, dafür kriege ich was", schildert der 51-Jährige.

Die Mehrheit der afghanischen Bevölkerung steht laut Bodemann den deutschen Soldaten sehr positiv gegenüber. Anders sieht es bei den Taliban und deren Anhängern aus. "Aber auch sie sind Teil der afghanischen Bevölkerung", erklärt der Brigadegeneral. "Sie sind gegen uns, weil sie nicht wollen, dass ausländische Streitkräfte im Land sind."

"Eine tolle Gegend""Amberg ist schön", sagt André Bodemann und schwärmt davon, wie toll die Stadt, die Natur, die Biergärten und Cafés, die Einkaufsmöglichkeiten hier sind. Er gesteht, dass zuvor die Oberpfalz und der Bayerische Wald für ihn ein weißer Fleck auf der Landkarte gewesen seien. "Ich wusste zwar, das gibt's, aber ich war noch nie zuvor hier." Der 51-Jährige ist voll des Lobes: "Eine tolle Gegend, wird leisten dort Dienst, wo andere Urlaub machen."

Gedanken habe er sich im Vorfeld gemacht, wie er als gebürtiger Nordrhein-Westfale wohl hier aufgenommen werde. Jetzt, nach gut zwei Jahren, sagt er: "Ich bin überall sehr herzlich aufgenommen worden." Nicht nur er, sondern auch seine Frau habe sich hier wohlgefühlt. "Ich werde mit Sicherheit wiederkommen, wenn auch nicht dienstlich, aber sicher privat." Das Kommando über die Panzerbrigade 12 Oberpfalz wird er am Dienstag, 11. Oktober, in der Leopoldkaserne an seinen Nachfolger übergeben. (san)


Wenn man aus dem Auslandseinsatz zurückkommt, weiß man Kleinigkeiten wieder zu schätzen: In einem Straßencafé zu sitzen, ohne sich bedroht zu fühlen.General André Bodemann
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