Caritas kümmert sich um traumatisierte Flüchtlingskinder
„Hölle von Donezk“ überlebt

Rafael (links) und seine Mutter Rimma (rechts) beim Plätzchenbacken. In Amberg haben die Ukrainer gelernt, wieder Spaß am Leben zu haben. Die Traurigkeit ist dennoch ein treuer Begleiter. Der Vater gilt als vermisst. Bild: brf

Von Antoine de Saint-Exupéry stammt nicht nur der "Kleine Prinz", sondern auch "Die Kunst der kleinen Schritte". In einer Art Gebet bittet der Schriftsteller "um Kraft für den Alltag". Um Alltag und die überaus wichtigen kleinen Schritte geht es auch bei den Flüchtlingen. Diese hier kommen nicht aus Syrien, sie sind Europäer.

Von Friedrich Brandl

Amberg. Rafael, erst zehn Jahre alt, in sich gekehrt und mit traurigem Blick sitzt er da. Er spricht kaum. Seine Augen mustern die Runde, mustern die kleinen selbst gebackenen Plätzchen. Die Runde, die sich bei der Caritas trifft, das sind noch drei andere Kinder und vier Erwachsene, alle aus der Ukraine, alle aus der Millionenstadt Donezk. Doch kennengelernt haben sie sich erst hier in Amberg. Zwei ehrenamtliche Helfer vervollständigen den Kreis, um Plätzchen zu backen.

Vor etwas mehr als einem Jahr kamen Rafael und seine Mutter Rimma nach Deutschland. Hinter ihnen lag "die Hölle von Donezk", wie sie es formulieren, der sie entfliehen konnten. Mehr als acht Monate wohnten sie in Kellern von Ruinen. Beim Schlafen hatte sie immer ihre Kleidung an. Aus Angst wieder aufgeschreckt zu werden. Eine Bombe hatte das Haus, hatte das Kinderzimmer zerstört. Rafael hatte auch mit ansehen müssen, wie zwei seiner Klassenkameraden auf dem Schulhof durch eine Bombe getötet wurden. Stundenlang musste er oft anstehen, um aus Tankwagen Trinkwasser zu erhalten. Der Vater wurde von Separatisten verschleppt. Er weiß nicht, ob er noch am Leben ist.

Zuerst in Zirndorf


Im Dezember 2014 kamen Rafael und seine Mutter in die Erstaufnahmestelle nach Zirndorf. Grau war diese Vorweihnachtszeit, grau der Alltag. Seit Ende Januar des Jahres sind die beiden in Amberg. Und hier wurde ihr Alltag heller. Hier leben sie mit anderen Flüchtlingen aus der Ukraine in einer Unterkunft und haben dort ein Zimmer. Das ist nicht viel. Aber es ist ein Zimmer. In einem Haus in einer Stadt ohne Krieg, ohne Bomben. Und es gibt hier Menschen, die helfen. Unspektakulär, ohne große Worte. Das sind zu einem Mitarbeiterinnen der Caritas, die sich um sie kümmern. Das sind aber auch Privat- und Geschäftsleute, die unbürokratisch helfen, wie die Ehrenamtliche, die Rafael und seiner Mutter immer mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn es um Fragen der Gesundheit, der Schule oder um einen Ämterbesuch geht.

Als Rafaels Mutter eine Vorladung zum Jugendamt erhielt, bekam sie es mit der Angst zu tun. Dort erlebte sie aber eine Überraschung. Verständnis wurde ihr entgegengebracht, Unterstützung und Hilfe. Hilfe vor allem für ihren traumatisierten Sohn. Der benötigt psychotherapeutische Betreuung. Er braucht Erfolgserlebnisse, wie es die Einzelbetreuung zum Beispiel bei einem Schwimmkurs vermitteln kann. Rimma hat mittlerweile Hoffnung geschöpft. Bei der Caritas besucht sie einen Sprachkurs. Sie möchte möglichst schnell Deutsch lernen, damit sie vielleicht in absehbarer Zeit in einem Restaurant als Köchin arbeiten kann. Sie hat eine neue Brille bekommen. Bei den anfallenden Kosten kam ihr der Optiker entgegen und half so.

Auch die Kosten für den Einzelunterricht beim Schwimmen samt Jahresbeitrag hat ein Ehepaar aus Amberg übernommen, genauso wie den Einkauf fürs Plätzchenbacken.

Viele kleine Schritte


Die Mutter von Rafael möchte sich auf diesem Weg bei den vielen Menschen bedanken, die ihr und ihrem Sohn bisher schon geholfen haben. Nicht die großen Reden sind es, auch nicht Benefizveranstaltungen, sondern es sind die kleinen Schritte.
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