Christian Ude und Blechschaden im Amberger Kongresszentrum
Mit Krücke auf der Bühne

Christian Ude lacht nicht nur selber gern, er bringt auch andere zum Schmunzeln. So, wie vor zwei Jahren beim Feuerwehrfest in Mendorferbuch. Bild: Hartl

21 Jahre lang war er Münchens Oberbürgermeister. Am Montag, 21. Dezember, steht er als Kabarettist im ACC auf der Bühne: Christian Ude (68). Ein Interview über den Spannungsbogen zwischen Rathaus und Weihnachten.

Seine Frau Edith ruft ihn ans Telefon, weg vom Frühstückstisch. Die Udes - das verraten die Stimmen im Hintergrund - haben Besuch.

Herr Ude, wie lebt es sich im Ruhestand?

Ude: Ich muss sagen, das ist ein ganz prachtvoller Lebensabschnitt, den man nicht genug preisen kann. Er hält unüberschaubar große Freiheiten parat. Zum Beispiel auch die, sich dem Kabarett zu widmen. Leider bin ich dabei unlängst einen Schritt zu weit gegangen und von der Bühne gestürzt. Seitdem gehe ich an Krücken.

Auch bei Ihrem Auftritt in Amberg?

Ude: Bis dahin müsste es wieder besser gehen. Ich werde in Amberg höchstens noch mit einem Instrument auftreten, das man im Kassendeutsch Unterarmgehhilfe nennt.

Vermissen Sie nicht das Bürgermeisteramt? Das Anzapfen wenigstens?

Ude: Sie meinen, dass ich einen Verlust erlitten hätte, in ein schwarzes Loch gefallen wäre? Meine Erfahrung ist glattweg das Gegenteil. Alles, was mir früher schon Spaß gemacht hat, mache ich jetzt auch noch. Ich schalte mich in Diskussionen ein, halte Vorträge, begleite interessante Projekte. Doch alles, was mir mühsam und beladen vorkam, kann ich jetzt durch Freiheit ersetzen.

Das Programm für das ACC klingt nicht nach dem Klischee der staaden Zeit. Sind Sie gar ein Weihnachtshasser?

Ude: Es wird tatsächlich alles andere als ein besinnlicher Abend mit Weihnachtsgedichten und Stubenmusi. Blechschaden zeichnet sich nicht nur durch die musikalische Perfektion der Münchner Philharmoniker aus, sondern auch durch Eigenschaften wie Lust am Spaß, Witz, Humor und Selbstironie. Das Ensemble ist mittlerweile eine feste Größe in München. Die Mischung, die diese Musiker bieten, ist einmalig.

Dem Oberpfälzer wird ja ein spezieller Humor nachgesagt. Ist Ihnen bewusst, worauf Sie sich da eingelassen haben?

Ude: Ach, wir waren vor wenigen Tagen erst in Bayreuth zu Gast. Da ging es auch erst einmal abwartend los. Aber am Schluss gab es dann Standing Ovations. Das schaffen wir in Amberg auch.

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Amberg denken?

Ude: Natürlich mein ehemaliger Oberbürgermeister-Kollege Wolfgang Dandorfer. Er war ja lange Zeit im Leitungsgremium des Städtetags. Da sind wir immer glänzend miteinander ausgekommen. Ich denke außerdem an einige Auftritte in Amberg und Umgebung während meiner Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl. Was sich mir besonders eingeprägt hat: die schöne Altstadt.

Wie feiern Sie Weihnachten?

Ude: Bei uns ist das ja eigentlich immer etwas Größeres. Fünf unserer Kinder leben noch unter einem Dach. Heuer feiern wir aber in kleinerem Rahmen. Nur mit ein paar ganz engen, persönlichen Freunden.

Blechschaden und Christian UdeDer ehemalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude tritt am Montag, 21. Dezember, mit dem Bläser-Ensemble Blechschaden im Amberger Kongresszentrum auf. Es soll ein beschwingter, humoristischer Abend werden mit erstklassiger Blasmusik. In der Programmvorschau heißt es: "Das Advent, Advent, es weihnachtet sehr - und alle Menschen hoffen wieder, dass nach der staaden Zeit endlich Ruhe einkehren möge. Die Blechbläser der Münchner Philharmoniker sind da aus einem anderen Holz und blasen in ein anderes Horn: Es macht ihnen auch noch Spaß, das etwas andere Weihnachtskonzert ertönen zu lassen. Und ihr Publikum genießt in immer mehr Städten ihr Repertoire, ihre Virtuosität und ihren Witz."

Der 68-jährige Ude war nicht nur Politiker, sondern immer schon auch Kabarettist. Regelmäßig schreibt er Kolumnen in der Münchner Abendzeitung sowie im Wechsel mit Peter Gauweiler im Münchner Merkur. Zusammen mit seinem Nockherberg-Double Uli Bauer trat er schon vor zehn Jahren mit dem Kabarettprogramm "Der doppelte Ude" auf. Außerdem ist der in Schwabing geborene Münchner Mitglied des Sportvereins TSV 1860 München und saß 13 Jahre lang in dessen Aufsichtsrat. Er gehört zu den rund 4000 Mitgliedern des Münchner Vereins gegen betrügerisches Einschenken (VGBE). In der Disney-Produktion Himmel und Huhn lieh er dem Bürgermeister von Oakey Oaks seine Stimme.

Der kabarettistisch-musikalische Adventsabend im ACC beginnt um 20 Uhr. Karten gibt es zu Preisen von 39, 42 und 45 Euro am Ticketschalter der Amberger Zeitung, Mühlgasse 2, Tel. 09621/306-230. (upl)
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