Das E-Bike macht nicht nur Senioren wieder mobil
Neue Bein-Freiheit

Peter Stadler fährt mit seinem E-Bike täglich ins Geschäft: "Ein wunderbares Freiheitsgefühl." Bild: Herda

Für Peter Stadler ist das E-Bike ein Glücksfall. "Wir hatten noch nie so eine glückliche Kundenschicht", sagt der Seniorchef. "Man bekommt so viel Freude zurück." Dabei sind die elektrisch unterstützten Fahrräder eigentlich im asiatischen Raum daheim, wo der Trend bereits vor 15 Jahren begann. "In Tokyo sind 90 Prozent aller Zweiräder E-Bikes."

Wann begann das Interesse am E-Bike und wann der Boom - kennen Sie die aktuellen Zahlen?

Peter Stadler: Wir haben seit 30 Jahren ein Herkules Sachs mit E-Unterstützung. Der eigentliche Boom begann aber so vor 3 Jahren - da lag der Anteil noch bei 5 Prozent. Der Trend ist paradoxerweise in Großstädten schwächer, in Mittelstädten stärker. Im gesamtdeutschen Markt lagen die E-Bikes 2009 bei 150 000, 2015 schon bei 535 000 bei insgesamt 4,1 Millionen verkauften Fahrrädern.

Das bedeutet, dass es immer weniger normale Räder gibt?

Nein, die Zahl bleibt stabil.

Wie groß ist der Anteil verkaufter E-Bikes bei Ihnen?

Rund 50 Prozent.

Wie verändert es den Fahrradmarkt, wenn der Kunde bereit ist, immer mehr Geld für ein hochwertiges Zweirad auszugeben?

Die Gewinnspanne ist bedeutend geringer, dieses Segment ist sehr beratungsintensiv. Der Kunde will mindestens zweimal beraten werden. Das Internet spielt dort eine geringere Rolle, ohne Service geht gar nichts. Man sollte den Motor regelmäßig updaten. Man kann die optimale Leistung an den jeweiligen Typus anpassen. Wir empfehlen alle drei Monate eine Inspektion, um wegen der größeren Belastung alle Schrauben nachzuziehen.

Was sind die Ursachen für diesen Trend - bis vor kurzem galten E-Bikes als peinliche Krücken für kniekranke Senioren. Warum sind sie plötzlich trendy?

Wir bringen für viele Menschen die Mobilität zurück. Früher war die Hauptkäufergruppe 70, jetzt 50, Tendenz sinkend. Und als immer mehr E-Biker auftauchten, fühlten sich die normalen Radfahrer in Grund und Boden gefahren und erkundigten sich auch nach den Wunderrädern.

Kann dieser Klimawandel das Mobilitätsverhalten der Deutschen nachhaltig verändern - hin zu umweltbewusster, gesünder, leiser?

Käufer von E-Bikes erleben das Dasein neu - verloren geglaubte Eindrücke, der Geruch von Feldern, Wäldern. Sie sind nicht im Auto eingesperrt. Auch Landrat Reisinger fährt leidenschaftlich gerne mit seinem E-Bike. Ich bin überzeugt, dass es das Verhalten der Menschen verändert.

Inwiefern?

Sie kommen nicht mehr verschwitzt und abgekämpft am Ziel an, ob in der Arbeit oder in der Kneipe. Deshalb ist es eine echte Alternative zum Auto. Schauen Sie, ich arbeite zwölf Stunden am Tag, und freue mich dann aufs Heimfahren mit dem E-Bike. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, kann man endlich wieder raus. Ich habe Probleme mit dem Knie - aber nicht beim Radeln. Der Aktionsradius wird wieder größer.
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