Das Studienseminar Amberg erstmals in privater Hand
Komplex der Kompromisse

Dieser Blick bietet sich bis dato nur den Besuchern, die in den ansonsten abgesperrten Innenhof des Jesuitenkollegs dürfen. Die Rückseite der Gaststätte (rechts) wird sich der historischen Fassade anpassen. Weichen muss der Küchenanbau (Bildmitte). Er ist ein Schandfleck, der noch dazu ohne Genehmigung errichtet worden war. Bild:gf
 
Was wirklich schwierig werden wird, ist die Sanierung im Denkmal. Das wird sehr kompliziert und aufwendig.

Jesuiten, Malteser und bis zuletzt der Freistaat: In seiner 390-jährigen Geschichte befand sich das Studienseminar nie in privater Hand. Das ist jetzt anders. Hans Hornauer und Johann Kiener wollen auf 3600 Quadratmetern Platz für Wohnungen und Gewerbe schaffen. Doch das ist gar nicht so einfach.

Amberg. (tk) "Allein die Klingel in jedes Appartement zu bringen, ist eine Herausforderung", sagt Hans Hornauer, der mit seinem Geschäftspartner am Malteserplatz zum Käufer geworden ist. Bis dato gibt es für den Komplex nur eine Anlage. Gleiches gilt für Strom, Heizung und Wasser.

"Das läuft hier alles jeweils über nur einen Zähler", ergänzt Johann Kiener, der in dem Gebäude aus dem frühen 17. Jahrhundert Platz für 40 Wohn- und drei Gewerbeeinheiten schaffen möchte. Brandschutz und modernste Technik inklusive. Ohne bauliche Veränderung wird das aber nicht umsetzbar sein. Das Stichwort heißt Denkmalschutz.

"Was wirklich schwierig werden wird, ist die Sanierung im Denkmal. Das wird sehr kompliziert und aufwendig", gibt Hans Hornauer zu bedenken, der bereits in engem Kontakt mit dem Landesamt steht. Eine erste Einschätzung: "Es wird eine Anreihung von Kompromissen. Von beiden Seiten." Großartige Veränderungen werde es aber nicht geben. Das historische Mauerwerk bleibe ebenso erhalten wie die für das Areal typische Fassade. Mit einer Ausnahme: Die nicht verputzte Rückseite der Gaststätte wird sich dem einheitlichen Erscheinungsbild anpassen.

Pachtvertrag bis 2018


Apropos Gastronomie: Der Pachtvertrag läuft laut Kiener bis September 2018. Jetzt liege es an der Brauerei Bischofshof. Sollten sich die Regensburger zurückziehen wollen, greife Plan B. Dann würden zusätzliche Wohnungen oder Flächen für Dienstleister entstehen. Wie Hornauer sagte, werde der Küchenanbau im Innenhof so oder so verschwinden.

An dieser Stelle werde sich nach Abschluss der Arbeiten (geplant ist 2017) der Aufzug befinden, der West- und Nordtrakt barrierefrei macht. Der Südflügel (Provinzialbibliothek) verfügt bereits über einen Lift. Im westlichen Seitenbau, in den Studenten einziehen sollen, "dürfen junge Leute die Treppe benutzen".

Parkplatz-Problem


Sie werden ihre Besorgungen auf dem Weg zu den Appartements wohl auch einige Meter schleppen müssen, denn in der Altstadt gibt es nach den Worten Hornauers keine Garantie auf eine Wohnung mit eigenem Parkplatz: "Dafür sind die Anwohnerausweise da." Hornauers und Kieners Gesellschaft Baukonzept, die das Areal zu einem nicht genannten Preis erworben hat, werde aber "alles versuchen", um zumindest "für die Gewerbetreibenden Stellplätze am Objekt" anzubieten. Die mögliche Lösung: Eigentümer und Mieter der Wohnungen könnten ihre Fahrzeuge womöglich auf der anderen Seite des Kaiser-Wilhelm-Rings abstellen.

Die Stadt habe vor, zwischen Grammer und Hochschule für Kapazitäten zu sorgen. Kiener: "Wenn sie das schafft, werden wir das mittragen und uns Stellplätze sichern." Die Rede sei von 150 Parkflächen, 50 davon wären für künftige Bewohner des ehemaligen Studienseminars vorgesehen. (Kommentar/Nachgefragt)
Was wirklich schwierig werden wird, ist die Sanierung im Denkmal. Das wird sehr kompliziert und aufwendig.Hans Hornauer
Wir behalten uns ein Sondernutzungsrecht vor, um Freiluftveranstaltungen zu ermöglichen.Johann Kiener


Malteser-Innenhof wieder nutzenBis zum Verkauf an Johann Kiener und Hans Hornauer wurde das Jesuitenkolleg im Auftrag des Freistaats von der Studienseminarstiftung verwaltet. Da ein Großteil der Wohnungen veräußert wird, befinden sich künftig viele Eigentümer unter einem Dach. Wie Kiener sagt, dürfen sie und ihre Mieter den Innenhof nutzen. Die Investoren, die selbst mit ihrer Gesellschaft ein Gewerbe-Stockwerk belegen werden, behalten sich allerdings ein Sondernutzungsrecht vor, um Freiluftveranstaltungen zu ermöglichen. Oberbürgermeister Michael Cerny hatte bereits angedeutet, das Innere des Karrees auch für städtische Veranstaltungen nutzen zu wollen (wir berichteten). Hans Hornauer hat absolut nichts dagegen: "Wir müssen dann in die Mietverträge halt reinschreiben, dass auch Events stattfinden können." (tk)
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Andreas Holzapfel aus Amberg in der Oberpfalz | 17.03.2016 | 06:44  
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