Delegiertenversammlung der IG Metall
Prinzip wichtiger als das Geld

Wer über 100 ist, gehört zum alten Eisen. Das ist eine weit verbreitete Meinung. Die IG Metall, die bereits 125 Jahre auf dem Buckel hat, beweist das Gegenteil.

Amberg. (bt) "Wem gehört die Zeit? Mehr Zeit für uns!" Unter diesem Motto wurde in der IG Metall eine Debatte angestoßen, berichtete der stellvertretende Bevollmächtigte Udo Fechtner, der bei der Delegiertenkonferenz im ACC ein Diskussionspapier des Bezirks Bayern vorstellte.

Nachdem auf Bundesebene das 125-jährige Bestehen gefeiert wurde, findet dies auf regionaler Ebene im Herbst statt. Ein Film stimmte die Delegierten auf dieses Ereignis ein. In der vergangenen Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie sei es der Gewerkschaft in Bayern nicht ums Geld, sondern ums Prinzip gegangen, sagte Bevollmächtigter Horst Ott. Die Arbeitgeber hätten zunächst überhaupt kein Angebot vorgelegt und in der zweiten Runde einen Vorschlag gemacht, der kaum schlechter hätte sein können. Die Konzerne und Unternehmen hätten geglaubt, damit einen akzeptablen Tarifabschluss zu verhindern. Erst die "sehr hohe Beteiligung an den Warnstreiks, auch in der Verwaltungsstelle Amberg", habe sie eines Besseren belehrt.

Nicht alle sind zufrieden


Alle Betriebe seien mit dem Ergebnis aber nicht zufrieden. So wollen laut Ott verschiedene leistungsfähige Konzerne von der vereinbarten Möglichkeit Gebrauch machen, einige Bestandteile des Tarifvertrages aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten nicht einzuhalten. Die IG Metall werde sich die finanzielle Situation dieser Firmen genau anschauen, ob diese nicht zahlen können oder einfach nicht wollen, betonte Ott, und gegebenenfalls gewerkschaftliche Maßnahmen bei Nichteinhaltung des Flächentarifvertrages einleiten.

Viele Fragen offen


Tarifpolitisch habe die IG Metall mit dem Abschluss zur Alters- und der Bildungsteilzeit erste Schritte in die richtige Richtung gemacht, erläuterte Udo Fechtner. Jetzt gehe es darum, die Diskussion "Wem gehört die Zeit, insbesondere die Arbeitszeit?" in den Betrieben, aber auch in der Gesellschaft und in der Politik verstärkt zu führen. Dabei sollte deutlich gemacht werden, dass arbeitsrechtliche sowie sozial- und steuerpolitische Änderungen erforderlich sind. Darunter falle eine gesetzliche Verbesserung bei der Pflegezeit, der Elternzeit und die Einlösung der im Koalitionsvertrag versprochenen Fortschritte für Teilzeitbeschäftigte.

In den Betrieben müssten Fragen gelöst werden. Zum Beispiel: Wie kann es gelingen, die Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich zu begrenzen? Wie sehen die Regelungen für Arbeitszeit- und Langzeitkonten aus? Und: Wie kann man verhindern, dass flexible Arbeitszeiten keine Einbahnstraße zugunsten der Unternehmen sind? Die Bedürfnisse der Beschäftigten müssten berücksichtigt werden.

Solidarität mit Opfern


"Die Diskussion hat begonnen. Jetzt geht es darum diese fortzuführen, um zu entsprechenden tarifpolitischen und politischen Forderungen zu kommen", sagte Fechtner. "Die IG Metall wird sich weder rechtsradikalem, noch islamistischem Terror beugen", versprach Bevollmächtigter Horst Ott. Die Gewerkschaft werde sich solidarisch mit allen Opfern zeigen, unabhängig, in welchem Land die Gewalttaten geschehen.

Mit der Forderung der französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) wolle man unterstreichen, dass die Gewerkschaften internationale Solidarität üben.

Delegierte verabschiedet


Die Berichte der Fachsekretärin Antonia Enßner über das Erschließungsprojekt Junge IG Metall Bayern, über die aktuelle Situation in Betrieben der Amberger Verwaltungsstelle durch den Jugendsekretär Matthias Scherr und die Verabschiedung der ausgeschiedenen Delegierten rundeten die Konferenz ab.
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