Delegiertenversammlung des Landesbundes für Vogelschutz in Amberg
LBV hat Angst um den Luchs

Der Eisvogel als Symbol des Verbandes schwebte auch beim Rechenschaftsbericht von Vorsitzendem Dr. Norbert Schäffer über der Delegiertenversammlung des Landesbundes für Vogelschutz im ACC. Bild: Hartl

Wenn sich der Landesbund für Vogelschutz im ACC zur Delegiertenversammlung trifft, rückt in den Blickpunkt, dass Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer ein gebürtiger Sulzbach-Rosenberger ist. Und dass eines der Vorzeigeprojekte des Verbandes ganz im Süden des Landkreises liegt.

Das Life-Projekt zur letzten Wochenstube der Fledermausart Große Hufeisennase in Deutschland lobte sowohl Umweltministerin Ulrike Scharf in ihrer Videobotschaft ("ein Juwel") als auch Schäffer in seinem Bericht für die rund 220 Delegierten: "Wer einmal in Hohenburg war und gesehen hat, mit welcher Begeisterung Rudi Leitl dort arbeitet, den wird es nicht wundern, dass wir auch heuer wieder einen Bestandsrekord haben." Positive Erwähnung fand zudem ein schnell besetzter neuer Fischadler-Horst im Landkreis.

Das fügte sich gut in Schäffers Einschätzung: "Artenhilfsprogramme sind das Herzstück unserer Arbeit." Als Paradebeispiel nannte er vor rund 220 Delegierten aus ganz Bayern den Weißstorch, der heuer mit 420 Brutpaaren den höchsten Stand seit Beginn der Zählung erreichte. "Und es gab vor 30 oder 40 Jahren keine Garantie, dass wir heute noch Weißstörche in Bayern haben."

Ein Aufregerthema bleibt die Umweltkriminalität: geschossene Uhus, verstümmelte Wiesenweihen, getötete Luchse (im Landkreis Cham). "Nach wie vor wurde keiner der Täter dieser unsagbaren Taten gefasst", bedauerte Schäffer. Die Behörden nähmen das jetzt aber sehr ernst, das Polizeipräsidium Oberpfalz habe eigens ein Flugblatt dazu drucken lassen. Ein Luchs, den man im Bayerischen Wald zunächst als Opfer eines Verkehrsunfalls eingeschätzt habe, sei vor der Kollision mit dem Auto erdrosselt worden. "Wir befürchten, dass wir den Luchs in Bayern wieder verlieren, wenn das illegale Töten nicht aufhört", verdeutlichte Schäffer die Konsequenzen. Die Rückkehr des Wolfs nach Bayern könne mit Schwierigkeiten verbunden sein, vor allem im Gebirge, erkannte Schäffer. "Das ist kein Kuscheltier." Man müsse akzeptieren, "dass wir nicht mehr wissen, wie wir mit dem Wolf leben". Das gelte es erst wieder zu lernen.

Den Maisanbau an steilen Hängen bezeichnete der LBV-Vorsitzende angesichts der damit verbundenen starken Erosion als "Verbrechen an der Natur". Intensiver und systematischer beschäftigen werde man sich in nächster Zeit mit der Gefährdung von Tieren (vor allem Igeln) durch Mähroboter. (Angemerkt/Zitate)

Wir haben die kriminelle Energie der Täter unterschätzt.Dr. Norbert Schäffer über die Fälle von getöteten Luchsen


LBV kauft GrundOB Michael Cerny sprach in seinem Grußwort von einem gemeinsamen Projekt der Stadt Amberg und des LBV, in dem es um Weiher und Moorfrösche gehe. Doch sei es nicht einfach, die dafür notwendigen Grundstücke zu bekommen. Erfolgsmeldungen gab es hier aber aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach. Dort kaufte der LBV laut seinem Jahresbericht den Großen Häuslweiher (9,55 Hektar) bei Gressenwöhr (Stadt Vilseck), der nun noch weiter für Amphibien und Schilfbewohner optimiert werden soll. In Steinamwasser bei Auerbach war es eine Feuchtwiese (0,32 Hektar) am Flembach. (ll)


Der Wolf als Zerreißprobe? - Kommentar von Markus Müller

Die Windkraft nennt der LBV-Vorsitzende Norbert Schäffer "ein Thema, das uns manchmal wirklich zerreißt". Der Verband sei zwar grundsätzlich für Windkraft, "aber nicht überall". In der Praxis führte das im vergangenen Jahr - aus Gründen des Vogelschutzes - zu zwei Klagen des LBV gegen Windkraftprojekte. Doch ist die Grenzziehung, was ein gerade noch erträglicher Standort ist und wo man für die Verhinderung von Windkraftanlagen sogar eine rechtliche Auseinandersetzung in Kauf nimmt, nicht leicht.

Ähnlich schwierig könnte die Haltung des LBV zum Wolf werden, der in Bayern wieder heimisch wird. Die Probleme bereitet in erster Linie das Bild vom Wolf, das in vielen Köpfen steckt: das eines blutrünstigen Raubtiers. Das mag etwas damit zu tun haben, dass eine Filmdramaturgie (genau wie seinerzeit die Grimm'schen Märchen) einfach besser funktioniert, wenn der Wolf in diese Rolle schlüpft.

Da kann das Landesamt für Umwelt tausendmal Fakten verbreiten wie: "Seit der erneuten Anwesenheit von Wölfen in Deutschland (Anm. d. Red.: also seit 1996) hat es keinen Angriff auf Menschen durch Wölfe gegeben. In den letzten 50 Jahren sind in Europa neun Fälle von tödlichen Angriffen auf Menschen bekannt geworden, fünf davon durch tollwütige Tiere. Zum Vergleich: In Deutschland starben 2007 bis 2009 durch Insektenstiche 45 Menschen, seit 1989 gab es 40 Todesfälle durch Hunde." Mit dem freilebenden Wolf verbindet sich im Bewusstsein der Menschen dennoch ein Gefühl der Angst.

Norbert Schäffer weiß das und gibt zu, "dass wir nicht für jede Frage, die durch die Rückkehr des Wolfes aufgeworfen wird, sofort eine Antwort haben". Bei anderen "Konfliktarten" kann der LBV mit begrenzten Abschüssen leben. Beim Wolf auch? "Wir werden den Wolf nicht aufgeben, das ist ganz klar", sagte Schäffer in Amberg. Das lässt aber Spielraum für den Pragmatismus, der dem LBV eigen ist.

markus.mueller@oberpfalzmedien.de

Zitate"Im Radio hörte man überall hu-hu ... Wir brauchen auch einen Vogel, der ein bisschen sexy ist."

Ornithologe Heinz Kowalski zur Wahl des Waldkauzes als Vogel des Jahres

"Gehen Sie aber nicht genau in dem Moment, in dem ich über den Wolf oder das Riedberger Horn spreche. Das könnte falsch interpretiert werden."

Norbert Schäffer zu OB Michael Cerny, der die Tagung früher verlassen musste.
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