Der milde Winter und die Vögel
Füttern allein hilft nichts

Der Stieglitz ist der Vogel des Jahres 2016. Der Landesbund für Vogelschutz hofft, dass er bei der Mitmach-Zählaktion "Stunde der Wintervögel" von heute bis zum Sonntag oft auftaucht. Früher sah man ihn vor allem in der freien Feldflur, doch lässt ihn die intensivierte Landwirtschaft kaum noch geeigneten Lebensraum, so dass er häufig in Gärten kommt. Im Jahr 2014 landete er in Amberg auf Rang 8, im Landkreis auf Rang 23. Bild: Monika Graf/LBV

Der Winter ist so mild, soll man da die Vögel füttern? Da diskutieren auch die Wissenschaftler drüber, sagt der LBV-Kreisvorsitzende Bernhard Moos. Er meint: "Mäßiges Füttern ist in Ordnung. Aber man sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass es deshalb bald mehr Vögel gibt."



Denn die Nahrung im Winter ist nur ein Aspekt, der bei der Entwicklung der Vogelpopulation eine Rolle spielt. "Die Winterfütterung alleine hilft den Tieren ja nicht", sagt Moos. Sie brauchen auch einen passenden Lebensraum. Ein Garten voller Steine - laut Moos ein zunehmender Trend - ist das eher nicht. Eine naturnahe Gestaltung komme den Vögeln eher entgegen, also Hecken mit beerentragenden Gehölzen oder samentragenden Sträuchern, dazu Laub auf dem Boden, unter dem Insekten leben.

Keine Zugvögel mehr


Natürlich hat auch ein milder Winter seine Auswirkungen auf die Vögel. Einige Arten ziehen jetzt nicht mehr (restlos) in den Süden, weiß der Diplom-Biologe Moos. Die Misteldrossel etwa, die Wacholderdrossel oder das Rotkehlchen. "Früher haben die hier im Winter kaum Nahrung gefunden, jetzt schon." Andere Arten stoppen die Flugreise in die Sonne jetzt bereits in der Oberpfalz. Wie der Silberreiher, der in Osteuropa brütet. "Er hat jetzt auch kein Problem mehr, bei uns zu überwintern."

Wer vor Ort bleibt, kann im Frühling früher mit dem Brüten beginnen, hat so einen Vorteil gegenüber der Zugvogel-Konkurrenz. Vom heißen Sommer haben die meisten Vögel ebenfalls profitiert, sagt Moos, weil die Jungensterblichkeit geringer war. Durch den milden Winter kommen auch mehr Tiere als durch die klirrende Kälte früherer Zeiten. "Deshalb hat sich der Auslesedruck jetzt stark in die Brutphase verlagert. Der Kampf um den Brutplatz und das Futter wird härter." Deshalb wächst die Population durch das günstigere Klima nicht automatisch.

Wichtige Hinweise auf die Entwicklung der heimischen Vogelarten gibt die Zählaktion "Stunde der Wintervögel" des LBV, die von heute an bis zum Sonntag läuft. Dabei kann jeder mitmachen, indem er eine Stunde lang in seinem Garten oder in einem Park die Vögel beobachtet und die Höchstzahlen an den LBV meldet. Im Landkreis Amberg-Sulzbach kam dabei in den vergangenen beiden Jahren der Feldsperling auf die meisten Nennungen, in Amberg war es der Haussperling (Spatz).

Bernhard Moos freut sich, dass immer mehr Leute bei dieser Zählung mitmachen. Zum Teil seien es ganze Schulklassen. Er stuft es als wertvollen Effekt ein, wenn Kinder, die sonst kaum in die Natur kommen, durch so eine Aktion merken: "Da draußen tut sich was, es ist interessant, was da passiert." Dazu mache die Beobachtung in unserer Region mehr Spaß als andernorts, weil die Artenvielfalt höher sei als im bayerischen Durchschnitt. "Wir haben ja noch viele waldreiche Gebiete und Orte, wo der Wald nah an die Siedlungen herangeht. Da halten sich mehr Vögel auf." Und auch die kleinräumige Form der örtlichen Landwirtschaft kommt der Artenvielfalt entgegen, zumindest im Alb-Gebiet zwischen Auerbach und Schmidmühlen, sagt Moos.

Feldsperling schwächelt


"Aber rund um Amberg oder im Hügelland, wo die Felder größer werden, da merkt man schon, dass einige Arten stark zurückgehen." Die Feldlerche, die Goldammer oder der Feldsperling fallen dem LBV-Kreisvorsitzenden da ein. Es wird spannend, ob die neue Zählung diesen Trend bestätigt. (Hintergrund)
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