Der russische Supermarkt auf der Raigeriner Höhe hat geschlossen
Kiosk statt Supermarkt

Auf der Raigeringer Höhe war in diesem Gebäude lange Zeit ein Edeka-Markt, danach ein Jahr ein Supermarkt mit russischen Artikeln. Die Anwohner in dem Viertel und die Caritas-Heimbewohner bedauern es, dass sie hier nicht mehr einkaufen können. Bilder: esa (3)
 
"Viele, die älter sind als ich, tun sich jetzt schwer mit dem Einkaufen." Zitat: Elke Biersack

Peter Bengart hat seinen russischen Supermarkt auf der Raigeringer Höhe geschlossen. Jetzt müssen die Anwohner weite Wege auf sich nehmen, um einzukaufen. Silvia Hafner, Vorsitzende des Heimbeirats im Caritas-Altenheim, hat eine Idee, wie den Leuten in dem Viertel geholfen werden könnte.

Otto Fuchs hat oft Kleinigkeiten im russischen Supermarkt Bengart neben dem Caritas-Altenheim in der Friedlandstraße besorgt. "Ich wohne ums Eck", erklärt er. Seit dieser Supermarkt, der als Filiale der Kette Mix-Mark etwa eineinhalb Jahre russische Produkte verkaufte, vor kurzem geschlossen wurde, muss Fuchs mit dem Auto in die Stadt fahren. Er bedauere es sehr, dass es kein Geschäft mehr so nahe an seinem Zuhause gibt.

Das Supermarkt-Gebäude, das der Stadtbau gehört, sei noch an Bengart vermietet, sagt Hermann Ehbauer von der Stadtbau. Der russische Lebensmittelhändler hat inzwischen ein Geschäft in Schwandorf eröffnet. Er wolle seinen Mietvertrag in Amberg bald kündigen, erläutert Bengart. 200 Quadratmeter Ladenfläche bot das Haus in der Friedlandstraße, doch "es ist zu klein für uns geworden", meint Bengart. Außerdem findet er die Lage schlecht. In Schwandorf habe er nun 800 Quadratmeter zur Verfügung. Dass die Senioren auf der Raigeringer Höhe nun viel längere Strecken zurücklegen müssen, tue ihm leid. "Aber ich muss mit meinem Geschäft auch etwas verdienen", erklärt er den Standortwechsel.

Elke Biersack trauert dem Supermarkt in der Friedlandstraße nach. "Vor allem sperrige Dinge wie Papierrollen oder Kartoffeln vom Bauern habe ich hier gekauft", erzählt sie.

Viele, die älter sind als ich, tun sich jetzt schwer mit dem Einkaufen.Elke Biersack

Sie habe das Glück, dass ihre Freundin sie mit dem Auto in die Stadt mitnehme. "Der russische Supermarkt war wirklich eine Unterstützung", meint Biersack.

In ihrer Enttäuschung über die Schließung des Ladens auf der Raigeringer Höhe hat Hafner einen Brief an Oberbürgermeister Michael Cerny verfasst. Sie sagt: "Die Bewohner wünschen sich, dass wieder ein Geschäft aufmacht." Eine Antwort habe sie bisher noch nicht erhalten. Große Hoffnung macht sich Hafner nicht. Das Gebäude, in dem sich der Supermarkt befand, beschreibt sie als heruntergekommen.

Hygieneartikel kaufen


Wenn man es gewohnt sei, zum Einkaufen nur eine Straße überqueren zu müssen, sei das Ende des Geschäfts doppelt schlimm, erläutert Hafner. "Wir sind hier ein abgehängtes, vergessenes Viertel", sagt die rüstige Dame. Dass Cerny durch ihren Brief einen neuen Geschäftsmann findet, glaubt sie nicht: "So viel wird er nicht machen können." Für viele Senioren im Heim sei es schrecklich, dass es keine Einkaufsmöglichkeit mehr in der Nähe gebe. Sie benötigen Hygiene- und Kosmetikartikel wie Seifen, Cremes, Reinigungstabletten fürs Gebiss, Rätselzeitschriften, zählt Hafner auf. Viele Heimbewohner seien auch in den russischen Supermarkt gegangen, um Kleinigkeiten zu kaufen. "Süßigkeiten und im Sommer Eis waren sehr beliebt", ergänzt Berta Kraus, Pflegedienstleiterin im Altenheim. In Raigering entsteht zwar im Moment ein neuer Supermarkt, "aber der ist zu weit weg und nur mit dem Bus erreichbar", findet Hafner. Der Edeka-Laden in der Pfistermeisterstraße ist knapp zwei Kilometer vom Heim entfernt - für viele Senioren zu weit, um zu Fuß zu gehen.

Einkaufsfahrten


Manchmal fühle sich Hafner "wie in einem vergessenen Stadtteil". Es gibt kein Café, keine Kulturveranstaltungen und jetzt nicht einmal mehr eine Einkaufsmöglichkeit. Auch der öffentliche Nahverkehr stelle für sie und andere fitte Heimbewohner und Nachbarn ein Problem dar: Am Abend fahre kein Bus mehr von der Altstadt oder vom Bahnhof auf die Raigeringer Höhe.

Es ist wohl hier draußen nicht attraktiv genug.Silvia Hafner, Heimbeirat im Caritas-Heim auf der Raigeringer Höhe

Hafner hat noch eine andere Idee: Eine Art Kiosk mit Zeitschriften und wichtigen Produkten sowie Lebensmitteln, wie es ihn zum Beispiel im Krankenhaus gibt, würde vielen reichen. In der Zeit, als es das Edeka-Geschäft nicht mehr gab und der russische Laden noch nicht geöffnet hatte, wussten sich die Heimbewohner zu helfen: Einige rüstige Senioren haben dann für die ganze Etage eingekauft und alles einzeln abgerechnet, erinnert sich Hafner. "Wir machen jetzt wieder einmal im Monat Einkaufsfahrten", verspricht Kraus.



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