Des eigenen Glückes Schmied
Drei Paare in der Trauring-Werkstatt

Bevor der Ring beim Hochzeitspaar an den Finger wandert, geht er durch das Feuer. "Beim Trauring-Schmieden muss auch die innere Haltung stimmen", sagt Goldschmiedemeister Sebastian von der Recke. Bilder: Marcus Rebmann (3)
 
Wenn Blicke Bände sprechen: Janine (links) beobachtet ihren Verlobten Dominik bei der Arbeit mit dem Bunsenbrenner. Goldschmiedin Elisa von der Recke (Mitte) hat vollstes Vertrauen in ihre Schützlinge.

"Ach, Schatzi." Die junge Frau grinst verliebt in Richtung Traumprinz. Der Verlobte feilt wild entschlossen auf einem Stück Gold herum. "Da sieht man immer noch nix", beklagt er sich. Und geht nochmal in die Vollen. Pure Muskelkraft kann Auge, Maß und Ziel nicht ersetzen. Ein Fall für Goldschmiedin Elisa von der Recke.

"Soll ich ein bisschen übernehmen?", fragt die 30-Jährige vorsichtig. Sie nimmt dem jungen Mann behutsam den Ring ab, zeichnet mit konzentrierter Miene eine Linie vor. Nimmt seine Feile und den Platz ein, legt das Schmuckstück vor sich und macht sich an die Arbeit. Fünf Stunden liegen bereits hinter den sechs Kursteilnehmern in der Werkstatt der Meisterschmiede von der Recke. Elisa und ihr Mann Sebastian bieten an diesem Samstag zum ersten Mal im Obergeschoss ihres Ladens an der Georgenstraße einen Trauringschmiedekurs an. Für alle Beteiligten eine Premiere.

"Normalerweise heiratet man nur einmal. Und es ist das einzig Sichtbare, was von einer Hochzeit übrig bleibt", nennt Janine den Grund für ihre Anmeldung. Mit ihrem Freund und künftigen Ehemann Dominik schmiedet das Paar die Eheringe selbst - unter fachkundiger Anleitung der von der Reckes.

Schmerzende Finger


Bedenken hatte sie am Anfang schon. "Meine erste Frage war, ob es sein kann, dass der Ring danach aussieht, als hätte ihn ein Kind gemacht", sagt die Haselmühlerin und feilt gekonnt an einem runden Gegenstand, der aus Laiensicht eigentlich schon ziemlich gut aussieht. Seit sechs Stunden arbeiten sechs Frauen und Männer unter Anleitung des Goldschmiede-Paares an dem sichtbaren Zeichen der Liebe. Kein Wunder, dass die Finger schmerzen. Für Tanja und ihren Verlobten, der ebenfalls Dominik heißt, war relativ schnell klar, dass dieser kreative Workshop eine Chance ist, die eigene Verbundenheit zu zeigen. "Die Teilnahme war eine spontane Entscheidung", erzählt Tanja. Sie wirkt schon ein wenig müde. Ihr Verlobter ist dagegen noch voller Tatendrang. "Kannst du das?", fragt seine Freundin ein wenig zweifelnd kurz vor dem nächsten Arbeitsschritt. Er flüstert ein leises "Ja". Sie kontert: "Ja? So wie die Küche aufbauen?"

Das ist nicht der Beginn eines vorehelichen Streits, sondern einfach nur ein Scherz in gemütlicher Runde. Sebastian von der Recke ist hochzufrieden. Genau das wollte er mit seinem Angebot erreichen. "Das ist eben kein normaler Kurs, in dem man Sägen oder Fräsen lernt, sondern ein schönes Event."

Spaß im Vordergrund


Deshalb zaubern in der Werkstatt auch eine Tafel mit weißer Tischdecke und Kerzenleuchter eine nette Atmosphäre. Mittags wurde dort gegessen und getrunken. "Dieser Kurs steht und fällt mit dem Spaß an der Sache", betont der Goldschmiedemeister. 190 Euro kostet die Teilnahme, hinzu kommt der Preis für den Ring, je nach Machart um die 500 Euro. Am Ende des Kurses hat ein Paar seine Schmuckstücke fertigbekommen. Die restlichen Nachbesserungsarbeiten übernehmen die von der Reckes später. Für die Teilnehmer allerdings war die Erfahrung bedeutender als das Fertigwerden. "Das ist für uns eine wichtige Ansage, aber wir überlegen, vielleicht eine Stunde früher zu beginnen", erklärt der 45-jährige Goldschmiedemeister.

Tanja und Dominik hatten ohnehin vor, ihre Trauringe in der Schmiedewerkstatt an der Georgenstraße bis zum Hochzeitstermin im September zu lassen. Zu viel Angst haben die beiden, dass sie die wertvollen Gegenstände bis dahin nicht mehr zu Hause finden würden. Und das wäre dann wirklich ein Grund für ein Ehe-Drama.

Ich bin sehr zufrieden mit der Arbeit der Paare. Und alle haben sogar noch gute Laune.Goldschmiedin Elisa von der Recke gegen Ende des Trauringschmiedekurses
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