Die Frage nach dem Müll
Oder Coffee-to-go-again?

Warum nicht mit dem eigenen Kaffeebecher einen Coffee to go für unterwegs? Die Einweg-Behältnisse haben zumeist nur eine kurze Lebensdauer und landen schnell im Abfall. Bilder: dpa (1), dko (5), roa (4)

Die Amberger und ihr Müll: Das Verhältnis ist gespalten. Immer wieder tauchen Fotos von überfüllten Abfalleimern in der Altstadt auf. Es gibt Beschwerden und Leserbriefe. Der neueste unliebsamste Zeitgenosse ist ein weiches Ding mit Plastikhut: der Coffee-to-go-Becher.

Von Andrea Mußemann und Dominik Konrad

Auf dem Weg zur Schule oder zur Arbeit mal schnell einen Kaffee mitnehmen: Der Plastik- oder Pappbecher macht es möglich. Seine Nutzungsdauer beträgt meistens nur wenige Minuten. Dann kommt der Becher weg.

Je mehr Menschen dieser Gewohnheit frönen, desto höher wird der Müllberg. Laut einer Studie der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kann ein Mehrweg-Behältnis pro Jahr bis zu 60 Einwegbecher ersetzen. 320.000 Exemplare landen laut einer Presse-Info der Amberger SPD jede Stunde in Deutschland auf dem Müll. Deshalb hat die Partei einen Antrag gestellt, dass das Projekt "Coffee to go again" auch in Amberg umgesetzt wird. Was steckt dahinter?

Studentin Julia Post aus München hat die Kampagne gestartet. In Regensburg machen bereits die ersten Filialen einer Bäckerei mit. Die SPD in der Bezirkshauptstadt unterstützt die Kampagne ebenfalls. Nach dem Wunsch von SPD-Stadträtin und Bürgermeisterin Brigitte Netta soll dafür auch in Amberg Werbung gemacht werden. Das Projekt "Coffee to go again" setzt auf Freiwilligkeit. Bäckereien, Cafés, Imbissstände und Läden signalisieren durch Aufkleber, dass es hier möglich ist, eigene Getränkebecher mitzubringen. "Dies könnte auch durch Preisnachlässe, Rabattsysteme oder Bonuskarten belohnt werden. Aber auch die Bürger müssen dazu bereit sein, sich von einer alten Gewohnheit zu trennen und auf Mehrweg umzustellen", teilte Brigitte Netta dazu mit.

Nicht erst seit der Diskussion über die überfüllten Abfallbehälter in der Innenstadt und am Bahnhof hätten sich die Amberger Genossen Gedanken darüber gemacht, "wie man dieses Problems Herr werden kann." Wenn es möglich sei, dass die Plastiktüte schon langsam an Bedeutung verliere, dann müsste es doch machbar sein, dass dies auch für diese Einwegbecher geschehen kann, meint die SPD-Vertreterin.

Bürger beklagen zu Recht, dass der öffentliche Raum besonders im Umfeld von Coffee-Shops mit Einweg-Kaffeebechern vermüllt ist.Bürgermeisterin Brigitte Netta

Das sagt...


...der Café-Besitzer


Robert Schaarschmidt hat bereits sein Mehrwegkonzept im Kopf: "Für einen wiederverwendbaren Becher zahlen die Kunden fünf Euro. Die erste Füllung gibt es kostenlos. Wer den Behälter zurückgeben möchte, bekommt fünf Euro wieder." Der Inhaber von Robert's in der Rathausstraße kennt das Problem: "Wir haben oft den Abfall eingesammelt." Durch die Aktion ließe sich der Aufwand reduzieren. (roa)


Einen Espresso gibt's bei mir nicht im Pappbecher.Robert Schaarschmidt, Betreiber des Robert's


...der Kaffee-Röster


"Die Leute können das machen, wie sie wollen", sagt Tommy Hoppe, Inhaber der Bavarian Roasting Company, auf die Frage, ob man in das Café den eigenen Becher mitbringen darf. Wer mit einer dreckigen Tasse kommt, "dem bieten wir auch das Durchspülen an", erklärt Hoppe. Gerade die Angestellten der umliegenden Geschäfte am Schweinchenbrunnen würden ihre eigene Tassen mitbringen. (roa)



Den Leuten geht's nicht darum, dass es dann günstiger ist.Tommy Hoppe, Inhaber des Baroco


...der Müllmann


Täglich um sechs Uhr beginnt die Schicht von Müllwerker Markus Bienek. Mit einem kleinen Entsorgungsfahrzeug ist er in der Altstadt unterwegs, um die Abfallkörbe zu leeren. "Es gibt sehr viele Kaffeebecher in den Mülleimern", stellt der Fachmann fest, "vor allem am Marktplatz und in der Lederergasse". Zum Teil seien die Körbe überfüllt. Problem damit, den Müll anderer Leute wegzuräumen, hat Bienek nicht: "Mein Beruf stirbt nie aus." (roa)


Die meisten Becher im Müll sind noch halbvoll.Markus Bieneck, Müllwerker bei Schmid & Zweck


...die Kaum-Trinkerin


"Ich trinke eigentlich wenig Kaffee, und wenn, dann gehe ich ins Café", sagt die Ambergerin. Mary O'Rourke fände es gut, wenn zukünftig jeder seine eigene Tasse mitnimmt. "Müll haben wir genug", meint die 60-Jährige. "Früher hat im Wirtshaus ja auch jeder seinen eigenen Krug gehabt", findet sie. (dko)


Früher hatte im Wirtshaus auch jeder seinen eigenen Krug.Mary O'Rourke (60), Amberg


...der Vieltrinker


Jakob Bauer ist Kaffee-Vieltrinker. Er findet die Idee gut: "Wenn wirklich jeder seine Tasse mitbringen kann, senkt das natürlich den Plastikverbrauch." Der Ursulapoppenrichter trinkt täglich etwa drei bis vier Tassen Kaffee. Auch er würde sich einen Mehrweg-Becher mitnehmen. Es könnte aber ein Problem werden, wenn er ihn zwischendurch spülen müsste: "Ich würde trotzdem mal einen Einweg-Becher nehmen", sagt der 16-Jährige. (dko)

Ich würde trotzdem mal einen Einwegbecher nehmen.Jakob Bauer (16), Ursulapoppenricht


...die Verkäuferin


Julia Kaulbach ist normalerweise keine Kaffee-Trinkerin. Etwa alle zwei Wochen hat sie aber mal Lust auf das Heißgetränk: "Wenn ich mir eines kaufe, dann ist der schon im Becher", erzählt die 21-Jährige. Die Initiative hält sie für gut. Die Leute würden sich aber fragen: "Warum machen die das?" Sie arbeitet selbst in einer Bäckerei. Da gebe es aber nur eine einzige Person, die regelmäßig eine Tasse mitbringe.(dko)


Bei uns bringt nur eine Person ihre eigene Tasse mit.Julia Kaulbach (21), Amberg


...die Abfallberaterin


Kerstin Seuß von der städtischen Abfallberatung sieht aus hygienischer Sicht keine Probleme darin, wenn Konsumenten ihre sauberen Trinkbecher mitbringen und diese dann mit Kaffee gefüllt werden. "Unter diesen Voraussetzungen wären die Umsetzung dieser Idee und vor allem die Bereitschaft der Nutzer, nämlich auf Einweg zu verzichten, ein großer Beitrag zur Abfallvermeidung und zum Ressourcenschutz." (roa)


Ich bin ein Kaffee-Genießer und trinke lieber aus einer Tasse.Kerstin Seuß von der städtischen Abfallberatung


...der Backwerk-Inhaber


Harald Malewicz hält von der Idee gar nichts: "Die sollen sich mal mit dem Gesundheitsamt zusammensetzen und sich über Hygienemaßnahmen unterhalten", poltert der Backwerk-Inhaber. Es könne zwar schon jemand seine Tasse mitbringen, danach müsse aber die Maschine gereinigt werden. "Wenn hier was überschwappt, haben wir die Keime im Laden." Das wolle er keinem zumuten. (dko)


Das ist ein hygienisches Problem, wenn was überschwappt.Harald Malewicz (54), Amberg


...der Imbissbuden-Chef


Für Imbissbuden-Chef Michael Kiemer ist es kein Problem, den Kaffee in eine mitgebrachte Tasse einzuschenken: "Ich stelle den Becher unter die Maschine, der Kaffee der läuft rein. Das ist eine Ersparnis für uns." Auch bei der Currywurst gibt sich der 30-Jährige pragmatisch: "Die gehört in den Pappbecher und ein Holzstäbchen dazu. Aber wenn jemand was mitbringt, tun wir das auch in eine Tupperbox." (dko)


Wenn einer was mitbringt, ist das kein Problem für uns.Michael Kiemer (30), Amberg

Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.