Die OTH vor dem neuen Wintersemenster
Weiter auf Wachstumskurs

Am Dienstag startete das Wintersemester 2016/17 an der OTH in Weiden (unser Bild) und in Amberg. . Bild: Schönberger
 
"Keiner versteht die Oberpfalz besser als die Oberpfälzer, deshalb ist es schade um jeden, der wegzieht." Zitat: OTH-Kanzler Ludwig von Stern
 
Die Amberger Erstsemester bei der Begrüßung in der Turnhalle. (Foto: Wolfgang Steinbacher)

Was haben die Hochschule und die Volkswirtschaft gemeinsam? Auch die OTH muss wachsen, um zu gedeihen - Titel und Mittel sind an den Zuwachs von Studenten gebunden. Und neue Studiengänge kurbeln das Wachstum an.

Den natürlichen Wachtumszyklus der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden (OTH) beschreibt Ludwig von Stern so: "Dauerhaftes Wachstum bekommt man, wenn man immer wieder neue Studiengänge implementiert - dann hat man drei Jahre eine Wachstumskurve. Wenn der voll ist, stagniert sie." Der Kanzler der OTH verhehlt nicht, dass dieser Prozess Kraft kostet: "Wir mussten uns jetzt auch mal konsolidieren."

Dennoch wolle die Hochschule ihr Wachstumssoll von 700 Studenten pro Semester erfüllen, die erstmals ein Studium antreten. Dementsprechend rüstet die OTH auch dieses Jahr mit neuen Studiengängen nach:

  • Bachelor-Studiengang "Industrie-4.0-Informatik" : Die Ausbildung richtete sich an den Erfordernissen vernetzter Arbeitsprozesse aus - von der Bestellung bis zur Auslieferung. "Die Software steuert, dass ein Kunde ein Fahrzeug mit getönter Heckscheibe und anderem Audiosystem bekommt, nicht aber in einem schreiend gelben Farbton", macht der Kanzler an einem Beispiel deutlich, wie der Studiengang den störungsfreien Workflow im Fokus hat.


  • Bachelor-Studiengang "Multi-Channel-Management/E-Commerce ": Das Studium des Mehrkanal-Vertriebsmanagements vermittelt Know-how in der Koordination verschiedener Vertriebskanäle - im Bereich E-Commerce auch den Verkauf über mobile Endgeräte als zusätzlichen Absatzkanal. "Bei der Entwicklung solcher Studiengänge sind unsere Professoren sehr nah dran an den Unternehmen und ihren Problemstellungen", erklärt OTH-Sprecherin Sonja Wiesel.


Erfolg bedeute im wissenschaftlichen Kontext immer auch, wahrnehmbar zu sein: Was die OTH etwa dadurch gewährleiste, dass Forschungsschwerpunkte wie "Informations- und Kommunikationstechnik" wegen überzeugender Konzepte in die Forschungslandkarte der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) aufgenommen wurden. "Wir sind da intensiv mit großer Dynamik dabei", freut sich der Kanzler.

Eine weitere Säule der OTH-Attraktivität: Die Hochschule forscht mit an den Herausforderungen der Gegenwart - wie der Energiewende. Der Freistaat fördert das Kompetenzzentrum Kraft-Wärme-Kopplung in einer zweiten Phase. "Wir haben da einige Forschungsansätze, etwa, wie man Blockheizkraftwerke für Pufferzeiten einsetzen kann oder das Institut für Energietechnik IfE von Professor Brautsch, an dem ein interdisziplinäres Team Lösungen auf dem Gebiet rationeller Energiewandlung, Energieeffizienz und erneuerbarer Energien erarbeitet", sagt von Stern.

Auch wenn das Handwerk über den anhaltenden Trend zum Studium klagt. Kanzler von Stern sieht keinen Widerspruch zwischen beiden Bereichen: "Man sollte das nicht als Gegensatz verstehen - computergesteuerte Maschinen sind heute so komplex, dass sie von Handwerkern allein nicht mehr bedient werden können." Er habe kürzlich mit einer Absolventin gesprochen, die vor ihrem Ingenieursstudium einen metallverarbeitenden Beruf gelernt habe. "Die fühlt sich jetzt pudelwohl - das technische Know-how von uns kann sie nutzen und trotzdem den Drehschlüssel ansetzen, um Jungs zu zeigen, wie man einen Prototyp baut."

Rund eine Million Euro im Jahr bekommen die Partnerhochschulen Regensburg und Amberg-Weiden für die Auszeichnung als Technische Hochschule. "Wir tragen den Titel gerne", sagt der Kanzler. "Neben der TU München und uns gibt es nur noch eine in Ingolstadt und Deggendorf." Was hat sich durch das OTH-Label verändert? "Wir haben die Clustertätigkeit noch intensiviert", erklärt von Stern, "die Professoren von Regensburg, Amberg und Weiden unterhalten zusammen mit Unternehmen gemeinsame Projekte und befördern den Wissenstransfer."

Oberpfalz-Versteher


Apropos Transfer: Die wechselseitige Beziehung zwischen Global Playern, Hidden Champions und der OTH ist eng. "Wir wurden in der Oberpfalz als Strukturmaßnahme gegründet", erinnert der gebürtige Traunsteiner, "Ansässige Unternehmen konnten erweitern, neue sich ansiedeln." Die OTH bediene den Bedarf an hochqualifiziertem Führungsnachwuchs sowohl der "Big Player" als auch der KMUs. "Keiner versteht die Oberpfalz besser als die Oberpfälzer", scherzt der Oberbayer, "deshalb ist es schade um jeden, der wegzieht."

Keiner versteht die Oberpfalz besser als die Oberpfälzer, deshalb ist es schade um jeden, der wegzieht.OTH-Kanzler Ludwig von Stern

Die OTH-Absolventen der vergangenen Semester hätten heute schon die Region verändert: "Junge Menschen mit neuen Ideen bringen frischen Wind", sagt der 56-jährige Jurist, "sie bewirken anderes Denken, wenn sie in Entscheidungsebenen gelangen." Und dort seien immer mehr von ihnen zu finden.

Hier geht es zu den Berichten vom Semesterstart in Amberg und vom Semesterstart in Weiden.

Drei Gründe, an der OTH zu studieren"Für Leute, die gerne hier wohnen, sind Amberg und Weiden interessant, weil die Architektur, die Ausstattung der Räume und Labore hochmodern sind", sagt OTH-Kanzler Ludwig von Stern. "Wir sind kein Museum, die Technik könnte so in jedem Unternehmen stehen." Weitere Argumente für die Hochschule "dahoam":

  • "Die Professoren sind aufgeschlossen und jung", sagt von Stern, "man nimmt sich Zeit". Und Sonja Wiesel ergänzt: "Viele sagen, sie hätten sich nie gedacht, dass man mit Profs so unproblematisch Probleme klären könne."


  • "Man kann einen Teil der Freizeit an der OTH verbringen", lockt der Kanzler. "Die Studenten grillen am Campus-Lagerfeuer - es herrscht einfach ein gutes Klima." Lachend ergänzt er: "Gottseidank räumen sie danach ihren Dreck wieder weg."


  • Zum "familiengerechten Studium " gehört die Erweiterung von Prüfungszeiträumen, eine Spielecke in der Mensa, ein Eltern-Kind-Zimmer und Eltern-Kind-Parkplätze. "Unsere von der Caritas betriebene Kita in Amberg ist von hier zu Fuß in zwei Minuten zu erreichen", sagt von Stern. "In Weiden haben wir eine Kooperation mit dortigen Anbietern." (jrh)
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