Drei Wochen Kontrolluntersuchung der Decke in Basilika sind beendet
St. Martin steht so stabil wie nie zuvor

An den Gewölberippen zu beiden Seiten des Kirchenschiffs jeweils längs (waagrecht) zwischen den Säulen sieht man die weiß hervortretenden, teils geschlängelten Linien, an denen rein vorsichtshalber der Putz erneuert und Risse geschlossen wurden. Heruntergefallen wäre hier laut Statiker aber nichts.

Ab kommenden Montag darf in St. Martin wieder gebetet werden. Ohne bangen Blick zum Himmel - oder besser gesagt zur Decke. Von dort wird nach menschlichem Ermessen nichts mehr runterkommen. Das ist das Ergebnis der Kontrolluntersuchung, für die die Basilika drei Wochen lang gesperrt war.

Die Aktion war von vornherein eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen, nachdem im Juni an einer einzelnen Stelle ein kleineres Stück der Gewölberippen über dem Mittelgang herabgefallen war (AZ berichtete). Die Pfarrei St. Martin nahm den Vorfall sehr ernst und ließ seit 8. August das ganze Kirchenschiff von einer Fachfirma untersuchen. Nach Abschluss der Arbeiten gab Anton Landgraf, der Geschäftsführer des Amberger Ingenieurbüros ALS, am Freitag endgültig Entwarnung. Als Statiker ist er seit 1999 für die vor allem an Dach und Turm laufenden Projekte zuständig und stellte nun aus seiner Sicht die Gesamtsituation und den Grund für den als singulär einzustufenden Absturz dar.

Einzelstelle falsch repariert


An der bewussten Stelle war nach seiner Auskunft mindestens in den 1970er-Jahren, vielleicht schon früher, eine der Gewölberippen "unsachgemäß repariert worden". Und zwar mit einem gipshaltigen Material, das für solche Arbeiten gar nicht verwendet werden sollte, weil es durch Feuchtigkeit aufquellen und locker werden kann. Genau das ist geschehen und ließ nach vielen Jahren das Rippenstück abstürzen, informierte der ALS-Chef zusammen mit seiner Mitarbeiterin Katrin Schmidl. Akut gab es nach seinen Worten im Kirchenschiff "keine weiteren Stellen, wo etwas herunterfallen hätte können". Dennoch leicht lockere Bereiche, vor allem im Putz und an den Übergängen zu den Gewölberippen - rund 25 an der Zahl -, wurden bei der kompletten Deckenbefahrung gleich mit ausgebessert.

Keine weitere Gefährdung


"Die waren aber nicht so locker, dass etwas herunterfallen hätte können", unterstrich Landgraf, der die Arbeiten an der Decke auf einer 21 Meter hohen Arbeitsbühne selbst mehrere Male mitverfolgte. Nach seinen Worten "ist jeder Quadratmeter untersucht", sprich per Hand abgetastet und auf seine Festigkeit überprüft worden. "Nach menschlichem Ermessen dürfte nichts mehr passieren", beruhigte der Statiker und betonte, dass die erwähnten millimeterfeinen Risse im Putz auch nicht bei der Dachsanierung ab 2003 entstanden sind.

Druck vor der Sanierung da


Vielmehr seien sie durch die buchstäblich angespannte Situation davor aufgetreten, als die unter Feuchtigkeitsschäden leidende gotische Dachkonstruktion nahezu einsturzgefährdet war. Der zunehmende Druck auf die Mauern hatte auch zu diesen eher kleinen Rissen in der nichttragenden Gewölbedecke geführt. Angesichts der sofort ergriffenen Sicherungsmaßnahmen samt anschließender Sanierung von Dach und Turm betonte Landgraf am Freitag: "So stabil wie jetzt war die Martinskirche noch nie." (Seite 21)
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